Das deutsche Team ist mit den hohen Erwartungen bei der WM im eigenen Land nicht zurechtgekommen, meint StZ-Redakteur Heiko Hinrichsen.

Sport: Heiko Hinrichsen (hh)

Stuttgart - Es wird noch einige Tage dauern, bis auch Fatmire Bajramaj wieder einen wohltuenden Bezug zur Realität entwickelt hat. "Wie eine Seifenblase", sagt der 23-jährige Werbestar des deutschen Frauenfußball-Nationalteams, sei ihr Traum vom Weltmeistertitel mit der 0:1-Niederlage gegen Japan plötzlich zerplatzt.

Dabei wird die dunkle Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit bei keiner anderen deutschen Spielerin - außer Birgit Prinz vielleicht - so deutlich wie am Beispiel des überdrehten Kults um Bajramaj. 122 Minuten hat sie letztlich bei der WM 2011 gespielt, einem Turnier, für das die kleine Dribblerin zuvor mindestens 122 Stunden lang in ungezählten Kampagnen ihr schönstes Lächeln aufgesetzt hatte.

Getrieben vom hehren Vorsatz, den Frauenfußball und letztlich auch sich selbst als gefragtes Markenprodukt zu platzieren, ist die deutsche Auswahl dann unter dem immensen Erwartungsdruck, auch dem eigenen, in die Knie gegangen. Das Aus im Viertelfinale ist ein sportliches Fiasko. Mehr noch: mit der deutschen Elf ist das Zugpferd der WM so früh draußen, dass am Ende sogar das Sommermärchen im Kleinformat nur ein Versprechen bleiben wird. Denn um bei den Zuschauern, die sich immer mehr zum Eventpublikum wandeln, in Erinnerung zu bleiben, müssen Erfolge her.

Den Fokus verloren

Die DFB-Auswahl musste nun erleben, wie schwer es ist, Weltmeister zu werden, wenn man in der öffentlichen Wahrnehmung bereits weltmeisterlich gefeiert und inszeniert wird. Die Geister, die man beim DFB im Rausch der Ereignisse rief, hat man nicht in den Griff bekommen. Überrollt von den Interessen der Fans und der Medien sowie erster Egoismen im Kader konnte sich das Team von Trainerin Silvia Neid nicht auf das Wesentliche fokussieren, den Sport. Dabei muss sich der durch die Großereignisse der Männer erfahrene DFB anlasten, die Spielerinnen nicht ausreichend auf den Ansturm vorbereitet zu haben.

Mit völlig leeren Händen steht man dennoch nicht da. So hat die deutsche Elf bei ihrem Kurztrip ins Rampenlicht gezeigt, dass sie sich aus teils erfrischenden Charakteren zusammensetzt, die nichts mit dem Klischee kickender Mannweiber zu tun haben. 2015 findet die WM in Kanada statt - mit dem richtigen Augenmaß auf das Turnier eingestellt, kann die Elf dann auch wieder auf eine sportliche Hauptrolle hoffen.