Kommentar zur Bankenbranche Noch keine Entwarnung

An den Finanzmärkten drohen neue Turbulenzen. Foto: dpa
An den Finanzmärkten drohen neue Turbulenzen. Foto: dpa

Die Banken haben ihre Sicherheitspolster erhöht. Doch trotz dieses und weiterer Fortschritte ist die Finanzkrise noch nicht bewältigt. Und neue Risiken drohen, meint die StZ-Finanzkorrespondentin Barbara Schäder.

Korrespondenten: Barbara Schäder (bsa)
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Stuttgart - Die Banken haben ihre Sicherheitspolster erhöht. Das ist die wichtigste Botschaft des jüngsten Stresstests in den USA. Auch die bevorstehende Prüfung europäischer Institute wird zweifellos zeigen, dass die Branche ihre Kapitalpuffer gestärkt hat. Das verringert das Risiko, dass in der nächsten Krise erneut der Steuerzahler strauchelnde Banken stützen muss – gebannt ist diese Gefahr aber noch lange nicht. Dafür ist das Kernkapital der Banken, mit dem Verluste abgefedert werden können, gemessen an den gewaltigen Bilanzsummen noch immer zu gering.

An den Finanzmärkten drohen neue Turbulenzen. Derzeit zehrt die Krim-Krise an den Nerven der Börsianer. Zwar rechnen nur wenige Experten mit einer derartigen Zuspitzung des Konflikts, dass Russland etwa die Energielieferungen nach Europa einstellt. Doch für einige Banken könnten schon die bislang beschlossenen, vergleichsweise moderaten EU-Sanktionen Folgen haben: Laut Medienberichten haben russische Unternehmen bereits damit begonnen, Milliarden von Konten im Westen abzuziehen. Betroffen wären davon in Europa wohl hauptsächlich Institute in Luxemburg und auf Zypern.

Hinzu kommt: Die im Kampf gegen die Finanzkrise eingesetzten Mittel haben Nebenwirkungen, deren Ausmaß heute noch kaum abzuschätzen sind. So versuchen die Zentralbanken der großen Industriestaaten, mit niedrigen Zinsen die Kreditvergabe anzukurbeln. Weil dadurch aber auch die Zinsen auf Spareinlagen sinken, suchen Investoren nach ertragreicheren Anlagemöglichkeiten. Das zeigt sich am Anstieg der Aktienindizes wie auch der Immobilienpreise in deutschen Metropolen. Hier drohen sich Blasen zu bilden, deren Platzen eine neue Krise auslösen könnte. Es ist deshalb gut, dass die amerikanische Notenbank Fed auf ihrer Sitzung in dieser Woche eine Zinserhöhung signalisiert hat. Sie kommt wohl erst Mitte nächsten Jahres, damit aber früher als viele Beobachter erwartet hatten.

Die Börsen reagierten verstimmt – schon die Aussicht auf eine langsame Drosselung der Dollarschwemme verdarb offenbar vielen Investoren die Kauflaune. Aber an einer behutsamen Entzugstherapie führt kein Weg vorbei. Schließlich haben niedrige Zinsen und billige Kredite schon die jüngste Krise ausgelöst.

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