Kommentar zur Elektromobilität Hohe Hürden für Stromer

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Die sehr geringe Zahl bisher verkaufter Stromer könnte jedoch dazu führen, dass Autokäufer vorschnell zu dem Urteil kommen könnten, diese Technik habe keine Zukunft. Ein Kommentar von Harry Pretzlaff.

Bei den deutschen Anbietern steht die Einführung einer breiten Palette von Elektrofahrzeugen erst noch bevor. Foto: dpa
Bei den deutschen Anbietern steht die Einführung einer breiten Palette von Elektrofahrzeugen erst noch bevor. Foto: dpa

Stuttgart - Vor einigen Jahren war die Begeisterung der Autobauer für das Elektroauto groß. Auf den Messeständen waren damals große Stecker abgebildet, die eine große Aufbruchstimmung symbolisieren sollten und große Erwartungen weckten. Denn in der Öffentlichkeit entstand so der Eindruck, als ob ein baldiger Siegeszug der Stromer bevorstehe. Doch von der ersten Skizze bis zum fertigen Produkt vergeht in der Autoindustrie stets viel Zeit. Bei den deutschen Anbietern steht die Einführung einer breiten Palette von Elektrofahrzeugen nun erst noch bevor. Die sehr geringe Zahl bisher verkaufter Stromer könnte jedoch dazu führen, dass Autokäufer vorschnell zu dem Urteil kommen könnten, diese Technik habe keine Zukunft.

Welche Absatzzahlen mit Elektroautos erreicht werden können, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Doch bislang zumindest sieht es ganz danach aus, als ob das reine Elektroauto sich mit einer kleinen Marktnische begnügen muss. Und dies liegt nicht in erster Linie daran, dass es in Europa keine einheitlichen Stecker gibt, sondern an den großen Hürden, die viele Käufer abschrecken dürften: der begrenzten Reichweite und dem im Vergleich mit anderen Antriebsarten hohen Preis.

Aus psychologischen Gründen sollte es viele Zapfsäulen geben

Die begrenzte Reichweite dürfte dazu führen, dass das Auto wohl für die meisten Bundesbürger nicht infrage kommt, die nur einen Wagen haben, weil sie diesen auch mal für eine lange Fahrt beispielsweise in den Urlaub nutzen wollen. Dies schränkt auch die Absatzchancen deutlich ein. Zudem erzeugt der geringe Energievorrat Angst, irgendwo mit leerer Batterie liegen zu bleiben.

Deshalb bietet etwa BMW das in diesem Jahr startende Elektroauto i3 gegen Aufpreis auch mit einem zusätzlichen kleinen Verbrennungsmotor an, der den Energiespeicher wieder auflädt, bevor der Saft zur Neige geht. Und dies, obwohl umfangreiche Pilotprojekte mit Testkunden gezeigt haben, dass die heimische Steckdose für die tatsächlichen Fahrstrecken in der Regel vollauf ausreicht.

Für den Aufbau eines flächendeckenden Tankstellennetzes für Elektroautos sind dies schlechte Perspektiven. Aus psychologischen Gründen sollte es möglichst viele Zapfsäulen geben, um den Fahrern von reinen Stromern Sicherheit zu geben. Wenn jedoch die meisten Batterien zu Hause aufgeladen werden, dürfte es auch schwer sein, ein profitables Geschäftsmodell für öffentliche Ladestationen zu entwickeln.