Kommentar zur geplatzten Fusion Bruchpilot Enders

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Der EADS-Chef Thomas Enders hat die Politik unterschätzt und ist deshalb mit seinem Vorhaben gescheitert. Für sein Unternehmen muss das am Ende kein Schaden sein, kommentiert Michael Heller.

EADS wollte mit der britischen Foto: dapd
EADS wollte mit der britischen Foto: dapd

Stuttgart - Tom Enders, der Vorstandschef der EADS, hat eine glatte Bruchlandung hingelegt. Dass die Fusion des deutsch-französischen Luft- und Raumfahrtkonzerns mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems gescheitert ist, hängt in hohem Maße damit zusammen, dass Enders die Rahmenbedingungen falsch eingeschätzt hat. Luft- und Raumfahrt sowie Rüstung sind Branchen, die allein durch Aufträge stark von der öffentlichen Hand beeinflusst werden; Enders hingegen hat davon geträumt, Chef eines ganz normalen Unternehmens zu sein, aus dem sich der Staat weitgehend heraushält.

Das war naiv und hat dazu geführt, dass es ihm noch nicht einmal gelungen ist, die eigene Regierung für das Fusionsvorhaben zu gewinnen. Wenn Peter Hintze, der Luft- und Raumfahrtkoordinator der Bundesregierung, jetzt sagt, die EADS könne ihre Stärken am besten als selbstständiges Unternehmen zur Geltung bringen, dann spricht das Bände.

In der Tat ist nicht anzunehmen, dass durch das Platzen der Fusion wirklich ein Schaden entsteht. Die EADS hat für die nächste Zeit genug mit sich selbst zu tun. Wenn es gelingt, die Eigner Deutschland und Frankreich im Gleichgewicht zu halten und deren Einfluss zumindest Schritt für Schritt zurückzufahren, dann wäre viel gewonnen – mehr als durch eine Fusion.