Kommentar zur Schwimmunfähigkeit Zu wenig Hilfe für viele Kinder

Von Jörg Nauke 

Der Sportunterricht allein löst das Problem nicht. Die Stadt muss mit den Vereinen umfangreiche private Angebote unterbreiten, empfiehlt StZ-Autor Jörg Nauke.

Imme mehr Kinder können nicht schwimmen. Foto: dpa
Imme mehr Kinder können nicht schwimmen. Foto: dpa

Stuttgart - Das Kultusministerium berichtet nichts Neues, wenn es feststellt: Wer nicht schwimmen kann, stellt für sich und andere eine Gefahr dar. Dass in der Grundschule ein Drittel der Kinder gefährdet ist und viele Flüchtlinge nicht schwimmen können, ist ebenfalls hinlänglich bekannt. Wichtig ist, dass man etwas dagegen tut. Deshalb ist zu begrüßen, dass der neue Sportbürgermeister Martin Schairer nicht die Ledersitze im Stadion auf Dauerhaftigkeit testen, sondern jene Helfer um sich scharen will, die auch gegen die grassierende Schwimmunfähigkeit vorgehen wollen.

Meist fehlt es nicht am guten Willen bei den Beteiligten, sondern nur an der Koordination. Die Stadtverwaltung ist leider mit schlechtem Beispiel vorangegangen: Wenn es wichtig ist, dass aus der Bäderhauptstadt nicht die Kapitale der Nichtschwimmer wird, warum haben dann der Gemeinderat und der OB die Bereiche Schule und Sport getrennt und die Bäderbetriebe dem Technikreferat zugeordnet, anstatt Schairers Abteilung? Man hätte sich viele Ämterumläufe sparen können.

Aufklärung und Finanzierung

Wie lässt sich die Nichtschwimmerstatistik verbessern? Natürlich auch durch Aufklärung mit Faltblättern, Aktionen, mit prominenten Fürsprechern. Vor allem bildungsferne Eltern verzichten ja darauf, ihren Kindern beizubringen, wie man sich über Wasser hält – weil sie selbst nicht schwimmen können, aus Geldmangel oder weil sie meinen, auch diese Leistung nehme ihnen die Gesellschaft ab. Die Zahl der Schwimmkurse muss deshalb deutlich erhöht werden, dafür müssen Übungsleiter qualifiziert werden. Am Geld kann das ebenso wenig scheitern wie an mangelnder Wasserfläche. Man muss nur die freien Kapazitäten reservieren. Diese private Vorsorge ist wichtig, da die Schulen allein überfordert sind. Nichtschwimmer erschweren den Sportunterricht, weil mehr rettungsfähiges Personal nötig ist, das nur selten zur Verfügung steht. Eine Chance bietet der Ganztagsunterricht. Am Nachmittag ist genug Zeit für Schwimmkurse.

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