Laut der Altdorfer Hauptamtsleiterin Karin Grund liegt das vor allem daran, dass die großen Parteien oft nur als Schönbuch-Zusammenschluss organisiert sind und nicht zielgerichtet auf Altdorf agieren. Lediglich die CDU hatte bis vor Kurzem einen Ortsverein in der 4700 Einwohner-Gemeinde. Auf der Webseite der CDU ist der Gemeindeverband aber nun nicht mehr gelistet. Seit der Kommunalwahl 2014 habe es keine Vertreterinnen oder Vertreter der bekannten Parteien im Gremium gegeben. 2014 waren auch noch die Freien Wähler mit zwei Sitzen im Gemeinderat vertreten.
Das sind nicht alle Besonderheiten oder Neuerungen der Kommunalwahl am 9. Juni. Der Gemeinderat könnte sich zum Beispiel wesentlich verjüngen. Mit Jan Michael Seeger und Silas Schur, die beide für die Bürgerliche Wählervereinigung Altdorf (BWV) antreten, und Jonas Keuser (Initiative Modernes Altdorf – IMA) gehen auf der Schönbuchlichtung drei junge Männer ins Rennen, die nach dem Jahr 2000 geboren wurden. Bereits am Gründonnerstag, 28. März, hat der Gemeindewahlausschuss die Vorschläge von drei Wählervereinigungen zugelassen.
Während das Altdorfer Forum und IMA jeweils zwölf Wahlvorschläge auf ihren Listen haben, hat die BWV 17 Bewerber ins Rennen geschickt. Damit bleiben sie unter der in der Gemeindeordnung festgelegten Grenze für Kommunen mit nicht mehr als 5000 Einwohnern. Hier darf die Zahl der Wahlvorschläge höchstens das Doppelte der zu wählenden Gemeinderäte betragen.
Im Altdorfer Gemeinderat sitzen zwölf Männer und Frauen. Einige von ihnen werden bei der kommenden Wahl nicht mehr antreten. Bei der BWV sind das Arnd Rehn und Katarina Creuzberger.
Rehn hat sich 30 Jahre lang im Altdorfer Gemeinderat engagiert. Im Jahr 1994 war er zum ersten Mal in das Gremium gewählt worden. Seit 1999 ist er der erste Stellvertreter von Bürgermeister Erwin Heller, davor war er fünf Jahre lang zweiter Stellvertreter. Zudem gehört er für Altdorf dem Gemeindeverwaltungsverband Holzgerlingen an. Bei der Kommunalwahl 2019 war der ehemalige Lehrer mit 2663 Stimmen der Stimmenkönig – zum sechsten Mal in Folge, wie er betont. „Besonders wichtig war mir immer die Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur in Altdorf, die Unterstützung der Vereine und Kirchen, gesunde Finanzen und die Erhaltung der Grünzäsur zwischen Altdorf und Holzgerlingen“, sagt der 66-Jährige über seine Zeit im Gremium.
Mit Katarina Creuzberger scheidet ebenfalls eine langjährige Kommunalpolitikerin aus dem Gemeinderat aus. Die Erzieherin war im Jahr 2009 erstmals in den Gemeinderat gewählt worden, nachdem sie von ihrer jetzigen Fraktion, BWV, angesprochen worden war. „Es reizte mich die Möglichkeit, als Gemeinderätin einen tieferen Einblick in Entscheidungen und Entscheidungsprozesse bei der Gemeindeentwicklung zu bekommen“, sagt die 52-Jährige. Im Gremium ist sie zudem im Jugendausschuss und im Kindergartenausschuss sowie im Programmbeirat der Volkshochschule. Nach 15 Jahren wolle sie nun ihren Platz „für neue engagierte und interessierte Gemeinderäte“ frei machen.
Bei der Ima, die 2019 als neues Bündnis direkt mit drei Mandaten in den Gemeinderat einzog, tritt Karina Burger bei dieser Wahl nicht mehr an. Hauptgrund ist für die Maschinenbauingenieurin ihre berufliche Auslastung. Der Job werde sie in Zukunft häufig ins Ausland bringen, sagt die 48-Jährige, wodurch sie einige Gemeinderatssitzungen verpassen würde. „Dies lässt sich nicht mit meiner Vorstellung des Mandats vereinbaren“, sagt sie. Burger war im Mai vergangenen Jahres für Hans-Peter Schweizer nachgerückt. Der war aus Altdorf weggezogen und hatte dadurch seine Wählbarkeit verloren. Kommunalpolitisch werde sie sich weiter engagieren, so Burger.
Hans Haas ist beim Altdorfer Forum nicht mehr auf der Liste vertreten. Der Betriebswirt war 20 Jahre lang, seit 2004, durchgehend im Rat. „Ein ganz wichtiges Projekt in der Vergangenheit war für mich die Realisierung eines Pflegeheims“, so Haas. Jetzt, sagt der 72-Jährige, habe er sich entschlossen, in die zweite Reihe zu treten und für die jüngere Generation Platz zu machen.
Das 13. Mitglied im Gemeinderat Altdorfs steht aktuell nicht zur Wahl. Der Bürgermeister Erwin Heller (parteilos) ist seit 2004 Schultes. Am 28. Juni 2020 wurde er zuletzt im Amt bestätigt – zum dritten Mal. 97,5 Prozent der Stimmen hatte Heller bei der Wahl erhalten. Seine Amtszeit geht noch bis zum Jahr 2028.