Konditorin Laureen Schrade Die jüngste Tochter bleibt der Familientradition treu

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Mit 20 Jahren zählt Laureen Schrade aus Stuttgart-Degerloch zu den jüngsten Konditormeisterinnen in Deutschland. Was hat sie dazu bewogen, diesen Beruf zu lernen in einer Zeit, in der immer mehr Bäckereien und Konditoreien schließen?

Laureen Schrade hat im Januar ihre Meisterprüfung im Konditorenhandwerk abgelegt. Foto: Sandra Hintermayr
Laureen Schrade hat im Januar ihre Meisterprüfung im Konditorenhandwerk abgelegt. Foto: Sandra Hintermayr

Möhringen/Degerloch - Ihre Augen funkeln, wenn sie über ihre Arbeit spricht. Sie gestikuliert aufgeregt, sitzt noch ein bisschen aufrechter auf ihrem Stuhl. „Ich finde es beeindruckend, was man aus den einzelnen Rohstoffen zaubern kann“, sagt Laureen Schrade. Sie formt die Luft mit den Händen, sagt: „Das Vermengen der Zutaten, schauen, wie sie harmonieren, das Spiel mit verschiedenen Komponenten und Texturen“, all das fasziniere sie.

Das Backen ist für die 20-Jährige eine Leidenschaft. Im Januar hat sie ihre Meisterprüfung im Konditorenhandwerk abgelegt – als eine der jüngsten Absolventinnen in Deutschland. Ihr Prüfungsthema: Olympia. Dasselbe hatte ihr Großvater Eberhard Schrade bei seiner Meisterprüfung 1960 gewählt. „Ich fand es schön, das Thema weiterzuführen“, sagt Laureen Schrade. Zudem hat es ihr der Sport angetan. Früher sei sie auf Leistungssportniveau geschwommen, heute noch gehe sie gern joggen und Ski fahren.

Ihr Highlight für die Meisterprüfung waren übrigens keine Törtchen und Backwerke, sondern eine Skulptur aus Isomalt, einem Gemisch aus zwei Zuckeralkoholen, das oft als Zuckeraustauschstoff verwendet wird. Laureen Schade hat die olympische Fackel aus der Masse gezogen, geblasen und gegossen.

Hineingeboren in ein Traditionsunternehmen

Als Spross eines traditionsreichen Familienbetriebs scheint ihr Weg vorgezeichnet. Ihr Ururgroßvater Johann M. Schrade gründete zusammen mit seiner Frau Marie Anna 1902 eine „Brot- und Feinbäckerei“ in Möhringen. Im Stammhaus an der Leinenweberstraße wird auch heute noch täglich gebacken. Ihre Eltern Andreas und Jutta Schrade führen den Betrieb mit inzwischen sechs Fachgeschäften heute in der vierten Generation.

Dennoch möchte sich Laureen Schrade noch nicht festlegen, ob sie irgendwann in das Unternehmen einsteigen wird. „Momentan kann ich mir das gut vorstellen, es wäre schön, den Familienbetrieb weiterzuführen“, sagt die jüngste von drei Schwestern. Ab Herbst aber möchte sie zunächst Betriebswirtschaft studieren, „mal was anderes kennenlernen“. Am Liebsten in der Region Stuttgart, „damit ich in den Semesterferien hier mithelfen kann“, sagt die 20-Jährige, die mit ihrer Familie in Degerloch wohnt.

Sie habe schon früh mit dem Backen angefangen, erinnert sich Laureen Schrade. Mit ihrem Großvater zum Beispiel, oder mit der Cousine, mit der sie viele Rezepte ausprobiert und abgewandelt habe. Kreativ, sagt die Konditorin, sei sie immer gewesen. „Das Vielseitige und das Handwerkliche vereinen sich gut in meiner Arbeit.“ Sie streift sich eine Strähne ihrer langen blonden Haare hinters Ohr. Bei jedem Backstück könne man Fortschritte beobachten, das sei auch ein Ansporn. „Und das Backen macht mir richtig viel Spaß“, sagt sie über ihre Motivation.

Auf Altes besinnen und Neues ausprobieren

Ein Grund, warum sie auch privat nicht die Finger von Rührschüssel und Schneebesen lassen kann. „Meistens backe ich für Geburtstage“, sagt Laureen Schrade. Die 20-Jährige lacht. „Wenn man damit mal anfängt, will jeder eine Torte.“ Für ein Paar, das sie in Australien kennengelernt hat, will sie eine Hochzeitstorte backen. Auf dem Kontinent war sie nach ihrem Abitur für drei Monate als Au-pair. Eine Erfahrung, die sie nicht missen möchte – und die sie in ihrer persönlichen Entwicklung einen großen Schritt weitergebracht habe. „Man lernt sich selbst neu kennen“, sagt Laureen Schrade. Die Hochzeitstorte muss dann bis in die Schweiz, dort leben die künftigen Eheleute. Das ist eine Herausforderung für die Konditorin. „Ich hoffe, das mit dem Transport klappt und die Torte kommt heil an.“

In Zeiten, in denen es vor allem kleinere Handwerksbetriebe nicht leicht haben und in denen immer wieder Bäckereien schließen, blickt Laureen Schrade positiv in die Zukunft. „Das Bäckerei- und Konditoreiwesen verändert sich“, sagt sie, „es ist wichtig, am Ball zu bleiben“. Die Kunst liege darin, Tradition zu leben, aber sich nicht darauf zu versteifen. Auf Altes besinnen, aber gleichzeitig Neues ausprobieren. Ein Spagat, den die Bäckerei und Konditorei Schrade, die zudem Wert auf regionale und biologisch erzeugte Zutaten legt, offenbar gut hinbekommt. Derzeit arbeitet die Familie Schrade an einem Rezept für Brezeln aus Dinkelmehl. Und zu Ostern lägen traditionell Krokanteier in der Auslage. „Das macht heutzutage kaum noch ein Bäcker“, sagt Laureen Schrade. In ihren Augen funkelt Stolz.

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