Stuttgart - Das Handwerk in der Region Stuttgart erholt sich nach eigenem Bekunden langsam von den Folgen der vergangenen Monate infolge der Corona-Pandemie. Doch angesichts der steigenden Zahlen an Corona-Infizierten wird derzeit wieder intensiver darüber diskutiert, ob das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben erneut stärker als bisher eingeschränkt werden sollte.
Der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Region Stuttgart, Thomas Hoefling, spricht sich ganz klar dagegen aus, das öffentliche Leben erneut herunterzufahren: „Das Wichtigste aus Sicht der Wirtschaft ist es, einen zweiten Lockdown zu verhindern. Käme es wieder zu behördlich angeordneten Schließungen, wäre das für viele Betriebe existenzbedrohend“.
29 500 Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart
Nach Einschätzung des Hauptgeschäftsführers wären „die sozialen und wirtschaftlichen Folgen eines erneuten allgemeinen Lockdowns noch größer und weitreichender als die des Lockdowns aus dem Frühjahr“. Viele Unternehmen hätten ihre Kapitalreserven im Zuge der ersten Welle aufgebraucht und „würden einen zweiten Einschnitt in dieser Größenordnung nicht überstehen“, befürchtet Hoefling. In der Region Stuttgart sind laut Kammer etwa 29 500 Handwerksbetriebe tätig, die 2019 etwa 25 Milliarden Euro Umsatz gemacht haben.
Angesichts der erheblichen Folgekosten der Corona-Pandemie für das Gesundheits- und Pflegesystem warnt Hoefling außerdem davor, vor allem den Mittelstand und die Arbeitnehmer mit mittlerem Einkommen überdurchschnittlich zu belasten. „Die Folgekosten müssen ohne Zweifel finanziert, die Belastungen aber gerecht verteilt werden“, meint Hoefling. So dürften die Lohnnebenkosten „die kritische Schwelle von 40 Prozent nicht überschreiten“.
Der Politik bescheinigt Hoefling gleichwohl, in den vergangenen Monaten die richtigen Signale gesetzt und „der besonderen Situation“ Rechnung getragen zu haben. Dazu gehörten Hilfen zur Liquiditätssicherung, Wachstumsimpulse und die Unterstützung ausbildender Betriebe.
Viele Handwerksbetriebe sehen auch Zeichen der Erholung
Die mahnenden Worte des Kammer-Hauptgeschäftsführers zeigen, wie unsicher die Perspektiven für die Unternehmen sind. Dabei sehen viele Handwerksbetriebe in der Region Stuttgart derzeit auch Zeichen der Erholung angesichts ihres Geschäftsverlaufs. Das belegen die Ergebnisse einer Umfrage, die die Kammer vor Kurzem veröffentlicht hat.
Einige Bereiche – insbesondere persönliche Dienstleistungen wie Friseure und Schuhmacher – seien von behördlich angeordneten Schließungen im Frühjahr zwar stark betroffen gewesen. Vor allem die Beschäftigten in Bau- und Ausbaubetrieben aber – Maurer, Dachdecker, Maler und Heizungsbauer beispielsweise – hätten, wenn auch mit Einschränkungen, gearbeitet. „Das Handwerk litt in der Breite daher weniger stark an den Folgen der Corona Pandemie“, lautet ein Fazit der Kammer-Verantwortlichen.
Verhalten positiv blicken die Betriebe laut der Umfrage auf die zukünftige Entwicklung von Aufträgen und Umsätzen. Besonders erfreulich sei, dass sich auch die von der Schließung betroffenen Handwerke langsam erholten.