Konjunkturumfrage unter Firmen im Südwesten Folgen der Coronakrise spalten Wirtschaft im Land

Auch die Händler an der Königstraße in Stuttgart leiden unter der Coronakrise. (Archivbild) Foto: Lichtgut/Julian Rettig
Auch die Händler an der Königstraße in Stuttgart leiden unter der Coronakrise. (Archivbild) Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Während in einigen Industriebereichen in Baden-Württemberg Aufbruchstimmung herrscht, sind etwa Unternehmen aus Handel und Gastronomie in ihrer Existenz bedroht.

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Stuttgart - Industrie im Aufbruch, Handel und Gastgewerbe am Boden: Nach mehr als einem Jahr Corona-Pandemie zeigt sich die Wirtschaft im Südwesten laut einer aktuellen Konjunkturumfrage des Industrie- und Handelskammertages (BWIHK) tief gespalten. Insgesamt sieht die Lage zwar besser aus als noch zu Jahresbeginn. Das liege allerdings vor allem an der hochgradig exportorientierten Industrie, die sich einmal mehr als Zugpferd erweise und andere Bereiche wie etwa den Großhandel, den Güterverkehr oder bestimmte Dienstleister mitziehe, sagte BWIHK-Präsident Wolfgang Grenke am Montag.

In Einzelhandel, Gastgewerbe und Freizeitbranche hingegen gehe die Existenzangst um. „Die Umsätze der betroffenen Unternehmen befinden sich im Keller, Verluste häufen sich, das Eigenkapital schmilzt“, sagte Grenke. „Die Lage bleibt für diese Betriebe prekär, nicht wenige stehen vor dem Aus.“

Öffnungsschritte machen Hoffnung

Die Branchen, die besonders unter dem monatelangen Lockdown zu leiden hätten, setzten nun große Hoffnungen in die vom Land beschlossenen Öffnungsschritte. „Endlich geht es los“, sagte BWIHK-Vize Marjoke Breuning. „Handel, Gastgewerbe, Tourismusbranche und all die Kreativen freuen sich auf ihre Kunden.“ Diese Freude werde allerdings von der enormen Bürokratie und der „rein inzidenzbasierten Herangehensweise“ getrübt. „Mehr Planbarkeit und mehr Vereinheitlichung bei den Vorgaben wären aus unserer Sicht sinnvoll und notwendig, um die Öffnungen für Betriebe praktikabel und für Kunden nachvollziehbar zu machen“, sagte Breuning.

Gelitten hat laut Umfrage vor allem das Gastgewerbe. Bei der Befragung gaben 95 Prozent der Unternehmen eine schlechte Geschäftslage zu Protokoll. Nur einem Prozent ging es gut. Im Einzelhandel bewerteten knapp 42 Prozent die Lage als schlecht, immerhin rund 24 Prozent aber auch als gut. Zum Zeitpunkt der Umfrage im April - also vor der jüngsten Öffnungsankündigung - waren zudem die Erwartungen an die kommenden Monate eher mäßig bis schlecht.

Niedriges Impftempo macht Probleme

Dass alle Wirtschaftsbereiche nach und nach für Geimpfte, Genesene und Getestete wieder geöffnet würden, sei nun über alle Branchen hinweg ein großes Zeichen der Hoffnung, sagte Breuning.

In der Industrie läuft es derzeit laut Umfrage schon in knapp 44 Prozent der Unternehmen gut. Nur 15 Prozent bewerteten die Lage im April als schlecht. In der Baubranche meldeten sogar gut 56 Prozent gute Geschäfte, nur für knapp sechs Prozent liefen sie schlecht. Und auch für die kommenden Monate herrscht vielerorts Zuversicht.

Als hinderlich erweise sich derweil das niedrige Tempo beim Impfen, kritisierte der Hauptgeschäftsführer der IHK Region Stuttgart, Johannes Schmalzl. Der in Aussicht gestellte Starttermin für die Betriebsärzte Anfang Juni sei viel zu spät.

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