Kontinentaleuropäer in Großbritannien „Jeder hofft, dass sich alles irgendwie löst“

Korrespondenten: Peter Nonnenmacher (non)
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Von einem „drastischen Schwund“ an Polen ist in der britischen Presse die Rede. Genaue Statistiken gebe es nicht, und über die Motive Einzelner könne man nur spekulieren, meint Joanna Mludzinska. Sie gibt allerdings zu, dass für viele Polen das neue Klima und die bedrohliche Ungewissheit den entscheidenden Anstoß zur Abwanderung gäben: „Manche denken: Ich habe gut verdient, habe mir etwas auf die Seite gelegt. Jetzt kann ich genauso gut meine Koffer packen und wieder nach Hause ziehen.“ Schwieriger sei es „für all diejenigen, die Familien gegründet, die vielleicht eine Wohnung oder ein Haus gekauft haben, die sich hier ansässig fühlen“. Sie warteten offensichtlich erst einmal ab, was weiter passiert. Und wenn es überhaupt keinen Deal gibt? Wenn die Verhandlungen in Brüssel scheitern sollten? „Ich glaube, jeder versucht nach Kräften, an so etwas nicht zu denken. Jeder hofft nur, dass sich alles irgendwie von selbst lösen wird.“

Der Schock nach dem Referendum

Für Axel Antoni ist das Ergebnis des Referendums ein Schock gewesen. Am Morgen nach der Abstimmung stand für ihn die Welt kopf: „Ich bin durch die Straßen gegangen, habe den Leuten ins Gesicht geschaut und mich gefragt: Bin ich nun noch willkommen hier oder nicht?“ Und auch er hatte den „großen Tieren“ der Brexit-Riege vertraut, Leuten wie dem heutigen britischen Außenminister Boris Johnson, die vor dem Referendum versichert hatten, für EU-Bürger in Großbritannien werde sich nichts ändern. Wenig später dämmerte es Antoni, dass es da „ein echtes Problem gab, für das niemand eine Lösung hatte“ – und zwar als die 3,2 Millionen erstmals zu „bargaining chips“ wurden, zu einem politischen Unterpfand, erklärt Antoni: „Da haben sie uns zu verstehen gegeben, dass sie uns zur Verhandlungsmasse machen und unsere Rechte vielleicht einschränken.“




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