Kontrollaktion auf A 81 beim Sindelfinger Wald Getönte Scheiben und keine Papiere

Geprüft werden nicht nur die Papiere. Es ist auch nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich, ob eine Ladung richtig gesichert wurde. Foto: Eibner-Pressefoto/Oliver Schmidt

Zu voll beladen, zu wenig gesichert, Drogen am Steuer: Bei einer großen Kontrollaktion an der Raststätte Sindelfinger Wald deckt die Verkehrspolizei einige Verstöße auf. Auch ein Spürhund kommt zum Einsatz.

Böblingen: Veronika Andreas (va)

Es ist nasskalt an diesem Morgen. Auf der Tank- und Rastanlage Sindelfinger Wald herrscht ein großes Polizeiaufgebot. Motorräder biegen mit Blaulicht blinkend auf die Parkfläche ein und führen große Sattelzüge in Kontrollbuchten, wo sie bereits von weiteren Einsatzkräften empfangen werden. Dann wird der Lastwagen auf Herz und Nieren geprüft.

 

„Trucker Safety Week“ nennt sich diese spezielle Kontrollaktion, die eine Woche lang europaweit an verschiedenen Standorten durchgeführt wird. Sie soll laut Polizei die Verkehrssicherheit erhöhen und schwere Unfälle vermeiden helfen.

Rund 100 Fahrzeuge werden kontrolliert

Rund 50 Kontrollkräfte der Polizei, des Zolls und des Bundesamts für Logistik und Mobilität sind an diesem Tag seit 9 Uhr auf der Raststätte Sindelfinger Wald im Einsatz. Unter der Leitung des Polizeihauptkommissars Markus Stoll aus Ludwigsburg nehmen die geschulten Einsatzkräfte Lastwagen, Kleintransporter und andere Fahrzeuge genaustens unter die Lupe. Mindestens 30 bis 45 Minuten pro Lastwagen dauert eine Untersuchung. Je nach dem, ob und was es zu beanstanden gibt, verlängert sich der Kontrolleinsatz pro Fahrzeug. Stoll schätzt, dass die Profis zwischen 9 und 15 Uhr etwa 100 bis 120 Fahrzeuge kontrollieren können.

Bei einem mit Rindenmulch beladenen Lkw ist die Fracht nicht korrekt gesichert. Der 49-Jährige weiß: „Die Ladung muss immer so verstaut und gesichert werden, dass sie selbst bei Vollbremsung oder plötzlicher Ausweichbewegung nicht verrutschen, umfallen oder gar auf die Straße fallen kann.“ Nicht richtig gesicherte Ladung kann nämlich schnell zu einem Unfall führen. Das Tückische ist, dass nicht immer auf den ersten Blick ersichtlich wird, ob eine Ladung richtig gesichert wurde.

In vielen Fällen kommen die Transporter- oder Lkw-Fahrer noch mit einer Strafe von 60 Euro und einem Punkt in Flensburg davon. Handelt es sich jedoch um eine Gefahrgut-Fracht, so sieht die Lage etwas anders aus. „Da ist man schnell mal 1500 Euro los“, sagt Stoll, der auf Gefahrgut spezialisiert ist. Das fange schon bei einer nicht richtig gesicherten Gasflasche an. „Wir können nicht überprüfen, ob sie voll oder leer ist. Sie braucht einen Deckel und einen sicheren Stand.“ Trete unbemerkt Gas aus, könne das schwerwiegende Folgen haben.

Auch Autofahrer werden untersucht

Doch nicht nur die Ladung wird von den Experten untersucht. „Wir machen eine ganzheitliche Kontrolle, wir überprüfen die Fahrerlaubnis und Fahrtauglichkeit des Fahrers und ob er die Ruhezeiten eingehalten hat“, erklärt Markus Stoll. Obwohl der Schwerpunkt der Kontrollaktion auf dem Bereich der Schwerlastfahrzeuge liegt, werden auch Pkw-Fahrer aus dem Verkehr gezogen.

Dem Fahrer eines Wagens mit ausländischem Kennzeichen wurden die verdunkelten vorderen Seitenscheiben seines Wagens zum Verhängnis. „Das ist in Deutschland verboten“, sagt Markus Stoll. Es schränke nicht nur das Sichtfeld ein. Bei einem Unfall zerspringe das Glas nicht, sondern die einzelnen Scherben würden durch die verklebende Folie zusammengehalten. Das könne im Fall einer schnellen Rettungsaktion verheerende Folgen haben, weiß der Polizeihauptkommissar.

Drogen genommen und keine Papiere

Ein VW-Golf mit ausländischem Kennzeichen wird von einem Drogenspürhund unter die Lupe genommen – er findet nichts Auffälliges. Die drei jungen Männer können sich allerdings auch nicht alle ausweisen. Einer sagt, sein Ausweis sei in der Ukraine bei einem Angriff verbrannt – er muss mit auf die Wache. Es besteht der Verdacht, dass er sich eventuell illegal in Deutschland aufhält. Ein anderer Fahrer muss zur Blutabnahme ins Krankenhaus – sein Drogenschnelltest fiel positiv aus.

An diesem Vormittag bleibt es hauptsächlich bei Verstößen gegen die Ladungssicherheit und anderen kleineren Beanstandungen. Doch Markus Stoll hat schon ganz andere Sachen erlebt. Rund sechs bis acht dieser größeren Kontrollaktionen führt das Polizeipräsidium Ludwigsburg im Jahr durch. Stoll erinnert sich an eine Kontrollaktion am frühen Morgen, bei dem sie auf einen Lastwagenfahrer mit 4,5 Promille Alkohol im Blut hinterm Steuer gestoßen sind. Ein anderes Mal hätten sie in einem Fahrzeug 150 000 Euro Bargeld gefunden. „Da fragt man sich schon, woher das Geld wohl kommt?“, sagt er und lacht.

„Bei 50 Prozent der kontrollierten Lastwagen gibt es etwas zu beanstanden“, erzählt Stoll, der seit 28 Jahren Polizist ist, seit 14 Jahren bei der Verkehrspolizei. „Die Lastwagenfahrer sind nahezu alle sehr kooperativ“, hat er in dieser Zeit gelernt.

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