Es ist, das gibt der Gesamtbetriebsratchef zu, „keine Summe, mit der man die Welt retten“ kann. Dennoch sieht es Michael Brecht als großen Erfolg an, dass die Mitarbeiter von Daimler Truck künftig mehr Einfluss darauf haben sollen, in welche Bereiche der Konzern an den deutschen Standorten investiert. Von 2024 an sollen jährlich 75 Millionen Euro in einen Transformationsfonds fließen, bei dem die Ideen der Belegschaft eine zentrale Rolle spielen.
Im Oktober soll erstmals ein Innovationsausschuss zusammentreten, in dem Unternehmensleitung und Arbeitnehmervertreter gemeinsam über die Verwendung der Gelder an den deutschen Standorten entscheiden. Das Programm ist bis ins Jahr 2030 vereinbart, sodass es unterm Strich um 525 Millionen Euro geht. Gemessen an den Gesamtinvestitionen des global agierenden Dax-Konzerns mit Sitz in Leinfelden-Echterdingen ist das ein kleiner Betrag. Allein 2022 habe das aus der früheren Daimler AG abgespaltene Unternehmen 3,7 Milliarden Euro in Forschung, Entwicklung und neue Sachanlagen investiert, so Brecht am Donnerstag in einem Pressegespräch. Trotzdem sieht er in dem Fonds einen „sehr guten Ansatz, um die Belegschaft mitzunehmen“.
Das Ziel: Beschäftigung sichern und neue Geschäftsfelder erschließen
Die Transformation des Geschäfts mit Lkw und Bussen – vor allem der Umstieg auf klimaschonende Antriebe – bringe für die Beschäftigten viele Brüche mit sich. Umso wichtiger sei es, „dass der Betriebsrat mitreden kann, wo investiert wird, gerade auch, wenn es um Ideen geht, die das Unternehmen sonst nicht priorisieren würde“. Es gehe dabei genauso um Innovationen wie auch um die Sicherung bestehender Geschäftsbereiche und den damit verbundenden Arbeitsplätzen.
Für besonders dringlich hält Brecht, dass möglichst viele Komponenten für Fahrzeuge mit elektrischen Antrieben selbst hergestellt werden. Derzeit beschränke sich die Eigenproduktion auf wenige Teile, etwa die elektrische Hinterachse. Hingegen würden Antriebsmotoren und Spannungswandler zugekauft.
Im Konzern läuft parallel ein hartes Sparprogramm
Wichtig sei die Mitsprache der Belegschaft aber auch bei Ersatzinvestitionen in konventionelle Maschinen, wie sie zum Beispiel in der Getriebefertigung gebraucht werden, meint Brecht. Zwar nehme langfristig die Bedeutung der Verbrennungsantriebe ab, „sie werden uns trotzdem noch lange begleiten“, betont Brecht. Der Betriebsratschef wirbt außerdem dafür, dass neben batterieelektrischen und Brennstoffzelle-Antrieben auch in Wasserstoff-Verbrennungsmotoren investiert wird. Die Technik ist herkömmlichen Verbrennern ähnlich und verspricht ähnliche Arbeitsumfänge. Voraussetzung sei, dass die EU solche Antriebe als CO2-frei einstuft, womit Brecht rechnet.
Die Debatte über Investitionen wird begleitet von einem ständigen Ringen um Einsparungen. Für den ganzen Konzern hat der Vorstand das Ziel gesetzt, die Fixkosten im Vergleich zum Jahr 2019 um 15 Prozent zu senken. Dies soll bis 2025 erreicht werden, wobei die Inflation die Aufgabe erschwert. Erreicht habe man bisher eine Einsparung von acht Prozent.
Die aktuellen Geschäftszahlen sind gut: Am Mittwochabend veröffentlichte der Konzern in einer Ad-hoc-Börsenmeldung, dass der Gewinn vor Steuern im zweiten Quartal 1,38 Milliarden Euro erreicht, das sind rund 100 Millionen mehr, als erwartet worden war.