Konzert der Band Electric Callboy in Stuttgart Das ist unschlagbares Entertainment!
Rund 12 000 frenetische Fans erleben in der ausverkauften Schleyer-Halle mit Electric Callboy einen Husarenritt durch Metalcore, Techno und die Backstreet Boys.
Rund 12 000 frenetische Fans erleben in der ausverkauften Schleyer-Halle mit Electric Callboy einen Husarenritt durch Metalcore, Techno und die Backstreet Boys.
Das Schlagzeugsolo ist ein ebenso integraler wie anachronistischer Teil einer jeden großen Rockshow. Braucht man nicht wirklich, geht aber irgendwie auch nicht ohne. Also gibt es auch bei Electric Callboy eines. Das kommt natürlich von Drummer David Friedrich, auch außerhalb von Metal-Kreisen bekannt geworden durch seinen Sieg bei der vierten Staffel von „Die Bachelorette“ 2017 und einem anschließenden Aufenthalt im Dschungelcamp.
Aber Electric Callboy sind weder eine klassische Metal-Band noch überhaupt in irgendeiner Weise berechenbar, also trommelt sich Friedrich zu den Klängen des Trance-Songs „Sandstorm“ berserkerhaft einen ab. Und im Grunde reicht schon dieser Moment, um Electric Callboy zu verstehen: Regeln sind für andere. Die Band, die sich 2010 als Eskimo Callboy in Castrop-Rauxel gründet, ist von Anfang an zu wild, zu eklektisch für das enge Metalcore-Genre.
Das führt zu sechs Studioalben, die Electric Callboy Stück für Stück bekannter machen. In der Region Stuttgart sah dieser Werdegang so aus: Erste Show im schmerzlich vermissten Zwölfzehn, 2014 im LKA, 2022 in der ausverkauften MHP Arena in Ludwigsburg. Jetzt, an diesem Samstag, in einer ebenso ausverkauften Schleyer-Halle. 12 000 Fans, viele in den bandtypischen Insignien Jogginganzug, Vokuhila-Perücke und Schnauzer, erleben erst die Japaner Coldrain und danach die US-Amerikaner Nothing More. Kurze Notiz: In ihren Heimatländern sind beide Bands längst riesengroß, in Deutschland eröffnen sie für eine Band aus Castrop-Rauxel. Die kommt pünktlich um neun auf die Bühne. Und reißt alles dermaßen ab, es rumort bedenklich in allen Ecken – sodass man denkt, der Abriss der Schleyer-Halle hätte bereits begonnen. Electric Callboy stellt man sich am besten als eine Art Scooter mit Gitarren vor, ein zügelloser, explosiver Haufen, der einen Kracher nach dem anderen ins Hallenrund schickt. Fette Metal-Gitarren treffen auf harte Techno-Beats und Boyband-Refrains. Geht nicht? Geht.
Kevin Ratajczak und Nico Sallach teilen sich die Rollen des Sängers und Entertainers. Von Metal-Breakdowns über Scooter-Chöre bis zu Rap-Elementen gilt hier nur: Erlaubt ist, was Bock macht. Das hat eine unfassbare Energie. Und einen unschlagbaren Entertainment-Faktor. Liegt auch daran, dass der Band nichts heilig – und sie sich vor allem für nichts zu schade ist. Im Akustik-Set in der Mitte des Konzerts gibt es etwa Musik aus „Frozen“ und „I Want It That Way“ von den Backstreet Boys. Und so nebenbei bieten sie eine der besten Licht- und Pyro-Shows, die man derzeit zu sehen bekommt.