Konzert der Sportfreunde Stiller Party auf dem Killesberg

Von Ulla Hanselmann 

Die Sportfreunde Stiller trotzen mit Sonnig-Sorglos-Hymnen und Songs von ihrem neuen Album „Sturm & Stille“ auf dem Killesberg dem Regen.

Die Sportfreunde Stiller haben auf dem ausverkauften Killesberg musiziert Foto: Lichtgut/Julian Rettig 10 Bilder
Die Sportfreunde Stiller haben auf dem ausverkauften Killesberg musiziert Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Stuttgart - Es ist natürlich der Schlagzeuger Florian Weber, der irgendwann Karl Valentin zitiert: „Ich freu mich wenn es regnet, denn wenn ich mich nicht freue, regnet es auch.“ Weber ist sozusagen der Feingeist unter den Sportfreunden Stiller, früher wollte er Kunst studieren, jetzt schreibt er nebenher Romane. Der Aphorismus trifft‘s: Was bleibt den Konzertbesuchern am Donnerstagabend auf der ausverkauften Killesberg-Freilichtbühne beim „Sturm & Stille“-Konzert auch schon anderes übrig, als das Beste aus dem Bindfaden-Regen zu machen, der die ganzen eineinhalb Stunden auf sie niederschnürt?

Neben der Gottergebenheit ist es aber freilich vor allem die Musik dieser drei erwachsenen Bayern-Buben, die einen irgendwie dazu zwingt, auf der Stelle zu hüpfen oder die Arme zu schwenken, auf jeden Fall aber mitzusingen und in diese so verteufelt schlicht und ergreifenden Refrains einzustimmen, auch wenn man sie noch gar nicht kennt. Zum Beispiel von „Raus in den Rausch“, der neuen Single-Auskopplung von „Sturm & Stille“ , die die Sportfreunde gleich zum Auftakt bringen. „Raus, raus in den Rausch, ’nen schönen Gruß vom Leben, raus, raus in den Rausch, viel Spaß beim Schweben, oh, oh, oh, oh!“

Später schieben sie noch ein paar weitere neue Songs nach von ihrem siebten Studioalbum, das Anfang Oktober erscheint. „Zwischen den Welten“ oder das Titellied „Sturm & Stille“. Doch die gehen fast ein bisschen unter, was daran liegen könnte, dass die Oh-oh-oh-Tiraden darin nicht so wirklich neu und schon gar nicht der Bringer sind, und dass überhaupt Indie-Rock, der dem Schlager zu sehr auf die Pelle rückt und Sätze wie „Das Leben spielt seine Partie“ textet, einfach schal ist.

Feierlaune ist reichlich vorhanden

Vielleicht ist es aber einfach auch nur so, dass die gegen den Regen antrotzende Feierlaune der Fans sich eben am liebsten an den altbekannten Hits festkrallt: an den geschmeidigen Sehnsuchts-Gitarren-Balladen wie „Siehst du das genauso?“ „Applaus, Applaus“, an rockig-bockigem wie „Hymne auf dich“, „Alles Roger“ oder dem fast dreckigen „In all den wunderbaren Jahren“, und natürlich an den sonnig-sorglos sich aufschwingenden Feel-Good-Hymnen wie „New York, Rio, Rosenheim“ oder „Wunder fragen nicht“.

Sie sind halt einfach Gutmenschen, die Sportfreunde Stiller, ohne dass man ihnen das übel nehmen wollte, und so bittet der Sänger und Gitarrist Peter Brugger ihren angeblich „einzigen japanischen Fan“, eine Frau namens Aniko, auf die Bühne, und sie spielen ihr ein Geburtstagsständchen. „Ihr seid echt so krass tapfer“, bedankt sich der Keyboarder und Bassist Rüdiger Linhof in nicht mehr ganz passendem Jugendsprech für den Enthusiasmus der Stuttgarter Fans. In den Zugaben-Runden, die es trotz Witterung reichlich gibt, geht mit Florian Webers Bühnenritt und gelb-rotem Lichtdesign zu „Es muss was Wunderbares sein, von mir geliebt zu werden“ schließlich die Sonne auf. Und das Bad in der Menge, das Peter Brugger ganz am Schluss ungeheuchelt genießt, lässt diesen „Sportis“-Abend auf dem Killesberg doch noch sommerlich ausklingen.




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