Konzert im LKA in Stuttgart Das lange Leben der New Model Army
Die britische Band um Justin Sullivan gibt seit 40 Jahren Vollgas und brachte am Sonntag das ausverkaufte LKA mit ihren Hymnen zum Toben.
Die britische Band um Justin Sullivan gibt seit 40 Jahren Vollgas und brachte am Sonntag das ausverkaufte LKA mit ihren Hymnen zum Toben.
„It’s the 36th time we are back in the Longhorn!”, sagt Justin Sullivan, Chef und Sänger von New Model Army. So ganz lässt sich das nicht verifizieren – online finden sich Hinweise auf lediglich elf Auftritte der Band in Wangen seit 1988, aber das ist auch schon eine ganze Menge. Der Saal ist randvoll, ausverkauft, als Sullivan und seine Begleiter auf die Bühne herabsteigen und sich auf der Treppe, die im LKA vor das Publikum führt, vorkommen wie Hollywoodstars. Bei ihrem 100. Auftritt, verspricht der Sänger, werden sie Zylinder tragen.
New Model Army gründeten sich 1980 in Bradford, Yorkshire, und spielen seither wuchtig schnelle Rockmusik mit rauer Stimme und großen Anleihen bei Punk und Folk.
Ehe sie am Sonntagabend wieder einmal das LKA in Raserei versetzen, ist dort die Donkeyhonk Company zugange, eine bayrische Gruppe, die sich texanisch gibt und mit Banjo und Kontrabass Tom Waits und Townes van Zandt zerpflückt. Bei New Model Army geht es dann sehr schnell zur Sache – von Anfang an.
„Unbroken“ heißt das neue Album der Briten, erschienen im Februar. Acht der elf Songs stehen auf der Setlist, das Publikum kennt sie schon gut. Justin Sullivans flirrende Gitarre, sein wilder Gesang prägen den Sound so sehr wie das motorisch peitschende Schlagzeug, der wuchtige Bass, die Lead-Gitarre. Immer wieder tauchen ruhigere Klangflächen auf, aus denen der nächste Orkan aufsteigt.
Bei „Stormclouds“ tritt Schlagzeuger Michael Dean zur Bühnenseite und beginnt dort frenetisch auf ein kleineres Drumset einzuschlagen; „Iudema“ kommt mit einem Trommelfeuer der Bass Drum und zugespielten Chören. Alle Songs sind sehr melodiestark, sind Hymnen, und viele Texte sind politisch.
Bei „Reload“ macht Sullivan mit giftiger Stimme seinem Ärger Luft über das „Brexit Island“, bei „Purity“, einer Single von 1995, wettert er gegen Populisten und Heilsversprecher. Die Energie der New Model Army ist ungebrochen, 40 Jahre nach Veröffentlichung ihres ersten Albums. „Life is not short, it’s fucking long, if you’re lucky“, sagt Justin Sullivan, und eine Übersetzung erübrigt sich. Ein Fan, erzählt er außerdem, habe sich bei einem früheren Konzert unziemlich darüber beschwert, dass New Model Army sein Lieblingsstück nicht spielten. In Stuttgart spielen sie es – „just to piss him off“, sagt der Sullivan. Stuttgart ist glücklich: Drei Tage zuvor, in der Frankfurter Batschkapp, gab es „51th State“ nicht zu hören.