Konzert im Wizemann So war’s bei YKKE live in Stuttgart

Deutschrap von Yung Kafa und Kücük Efendi, kurz YKKE, im Wizemann. Foto: Lichtgut/Julian Rettig

Das Deutschrap-Phänomen Yung Kafa und Kücük Efendi, kurz YKKE, das seit Jahren erfolgreich seine Identität geheim hält, ist erstmals auf Tour. Am Sonntag spielten sie im Wizemann.

Stadtkind: Petra Xayaphoum (px)

Die Tour zu ihrem Debütalbum „Chef“, das im März letzten Jahres veröffentlicht wurde, ist die erste überhaupt und das trotz dreier erfolgreicher Mixtapes vorneweg. Erst vor wenigen Tagen, am 5. April, brachten Yung Kafa und Kücük Efendi wieder eine neue EP, „Satoshi“, heraus. Die darauf veröffentlichte Single „Bli Bla Blub“ läuft seit ihrem Release im Februar auf TikTok und Instagram hoch und runter und auf Spotify zielstrebig auf eine Million Klicks zu. Die Musikproduktion läuft heiß und wie geschmiert in der Casa YKKE, like Buttertoast. Nun waren die Männer, die schon mit SSIO, Xatar, Dardan und anderen zusammengearbeitet haben und die Namenspaten für einen Ufo361-Song waren, im Wizemann in Bad Cannstatt live zu erleben.

 

Die Identität von Kafa und Efendi: ein Mythos

Ihre Identität haben die beiden Rapper, die sich mit dem Song „Diamonds“ 2017 erstmals auf die Karte gepackt haben, bis heute erfolgreich geheim gehalten. In ihren Videos tauchten sie anfangs nur als Anime-Versionen ihrer selbst mit verpixeltem Gesicht in Erscheinung, die neuesten Fotos zeigen sie mit von KI aufgesetzten Promigesichtern von Justin Bieber, Bryan Cranston und Co. sowie mit angegrauten Köpfen. Seit ihrem Durchbruch haben sie nur eine Handvoll Interviews gegeben. Umso spannender die Frage, wie sich das Versteckspiel live auf der Bühne fortsetzen würde.

Lange im Voraus war das Konzert im Kessel ausverkauft, die Fangemeinde in Stuttgart ist eine der größten. Begonnen hat die Tour mit Stationen in Hamburg, Berlin und München am Samstag in Köln. Schon bevor die ersten Klänge im Wizemann gespielt werden und YKKE die Bühne betreten, ruft das überwiegend junge Publikum laut im Chor ihren Namen. Hier wird der digitale Hype real. Dann fangen um 20.30 Uhr die zwei großen schwarzen Boxen auf der Bühne an zu glitzern, die Musik startet, man sieht Kafa und Efendi als Anime-Persönlichkeiten auf den LED-Fronten der Boxen, zwei Sekunden später entern sie in persona die Bühne, die Menge flippt aus. Sie haben weiße bodenlange Gewänder an, Kafa in einem fließenden, an antike Tuniken und Superhelden-Capes angelehnten Stil, Efendis Robe mit fetten Rüschenärmeln gibt opulente Rokoko- und Emma-Stone-in-„Poor Things“-Vibes. Könnten auch ziemlich fashionable Taufkleider für Erwachsene sein. Das engelsgleiche Erscheinungsbild aber passt wie Topf auf Deckel zu den sonoren Autotune-Kopfstimmen, die akustisches Markenzeichen der Rapper sind.

Mehr Bühnenshow als Live-Konzert

Ihre Gesichter haben die beiden wie erwartet verdeckt. Mit weißen, mit vielen kleinen Spiegelelementen besetzten Masken, die im Scheinwerferlicht glitzern, wie die einzelnen Pixel ihrer digitalen Präsenzen. Aber ohne Mundöffnung, trotz Handmikros. Das Publikum lässt sich nichts anmerken, rappt jede Zeile von „Im Café“, „Hyänen“ und „Superlaut“ mit. Bei „Rosenkrieg“ und „Legenden sterben nie“ gehen die Feuerzeuge und Handyleuchten hoch. Strahler leuchten in die Menge, bei „Lawine“ wird die Bühne in eisgrauen Rauch gehüllt. Eine KI-Stimme führt zwischen den Songs durch das Konzert, wie auf einem Flug. „Bitte anschnallen.“ Alles klar, Siri.

Währenddessen werden während des ganzen Konzerts auf den beiden LED-Bildschirmen auf der Bühne zu den Songs passende Visuals abgespielt. Brennende Rosen, dicke Uhren, Prada Store, Salvador Dalí. Motive, die stellvertretend für die Themen stehen, über die YKKE rappen. „Dieses Geld-Ding wird sehr mit uns in Verbindung gebracht und oftmals auch, ohne, dass man das hinterfragt – und das ist schon die Komponente, die ab und an mal störend [auf uns] wirken kann. Wenn man merkt, dass der Hörer sich nicht zur Genüge damit befasst hat“, kommentierten die Künstler im April 2023 im Interview mit dem Podcast „Deutschrap Plus“ die Überpräsenz von Konsumgütern in ihrer Musik. „Da werden einfach vereinzelte Lines gelesen oder Hooks aufgefangen, die unter Umständen aber eine tiefere Message haben, die man erst finden muss.“

Ob die angegrauten Musikredakteure, die von weit oben auf die junge Generation Hip-Hop herabblicken und Kafa und Efendi unter „Deutschrap-Schlager“ verbuchen, sowie hundert Prozent des diesen Sonntagabend anwesenden Publikums sich die Mühe gemacht haben, die Metaebene des Musik- und Kunstprojekts YKKE zu analysieren, darf man der Spekulation überlassen. Der Publikumsgesang hält jedenfalls während der ganzen Performance bis zum Schluss an, statt auf einem Moshpit und Abrissstimmung liegt der Fokus aber auf Handyvideos und Schunkelei. „Und ich glitzer’ ohne Regeln, Anarchie. Bitte, laber’ keinen Scheiß, wir sind Stars soweit du weißt“, schallt es aus den Lautsprechern, bevor die Menschenmenge nach einer kurzen Zugabe gegen 22 Uhr die Konzerthalle verlässt.

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