Konzert in Stuttgart Drei Klassikpreisträger und enorme Spielfreude

Im Alberto-Ginastera-Harfenkonzert zu hören: Alexandra Bidi Foto: ARD/Daniel Delang

Alexandra Bidi, Kerem Hasan und Joë Christophe sind in der Reihe Faszination Klassik mit dem SWR Symphonieorchester in der Liederhalle aufgetreten.

1965 war die Uraufführung des Harfenkonzerts von Alberto Ginastera, dem wohl bedeutendsten Komponisten Argentiniens. In der zeitgenössischen Musik Mitteleuropas dominierte zu dieser Zeit noch der Serialismus von Komponisten wie Pierre Boulez oder Karlheinz Stockhausen – ein hoch intellektuelles Kompositionsverfahren mit Werken, die niemals die Akzeptanz eines breiteren Publikums fanden. Ginasteras Stück dagegen ist komplex, bleibt aber mit seiner tonalen Struktur und seinen diskreten folkloristischen Anklängen gut hörbar.

 

Alexandra Bidi an der Harfe

Anders als sein Landsmann Astor Piazzolla hat sich Ginastera nicht am Tango, sondern an der Musik der Gauchos orientiert: der erste Satz beginnt mit Malambo-Rhythmen, die von der Harfensolistin Alexandra Bidi gleich mit derartiger Verve auf den Resonanzboden geklopft werden, dass kein Zweifel an ihrem Ausdruckswillen aufkommen kann. Bidi ist eine von drei internationalen Preisträgern, die sich im Rahmen des Konzerts mit dem SWR Symphonieorchester an diesem Abend im Beethovensaal vorstellen. Unter anderem beim Wettbewerb der ARD reüssierte die gebürtige Französin, die das luzide instrumentierte Werk mit enormer Spielfreude und technischer Meisterschaft spielte und am Ende vom Publikum im gut besetzten Saal gefeiert wurde.

Dirigent Kerem Hasan, Klarinettist Joë Christophe

Am Dirigentenpult assistiert wurde sie dabei von Kerem Hasan. Über welch bemerkenswerte Reife und Übersicht der 32-jährige, ebenfalls preisgekrönte Londoner schon verfügt, merkte man auch nach der Pause bei Carl Nielsens Klarinettenkonzert. In dem kammermusikalisch angelegten Werk gilt es, die vielfältigen Korrespondenzen zwischen Orchester und Solist zu gestalten, und das gelang Hasan ebenso formidabel wie dem Solisten Joë Christophe. Der Franzose, wie sein im Orchester mitmusizierender Kollege Sebastian Manz erster Preisträger des ARD-Wettbewerbs, ist gleichermaßen ein Supervirtuose auf seinem Instrument wie ein eminenter Musiker: hochgradig agil, seelenvoll und expressiv, dabei mit typisch französischer Tongebung war sein Musizieren ein einziges Hörvergnügen.

Zum Schluss Mozart

Nach zwei Werken des 20. Jahrhunderts – ganz zu Beginn gab es eine schwungvolle Schumann’sche „Manfred“-Ouvertüre – hätte man sich zum Schluss etwas Passenderes gewünscht als Mozarts „Haffner Sinfonie“. Beeindruckend dennoch, wie pointiert und sicher Hasan das Orchester durch die vier Sätze führte: Ein schwächerer Klangkörper wäre da im rasant hingelegten Presto-Finale wohl ins Schlingern geraten.

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