Konzert in Stuttgart: Max Herre und Joy Denalane Rap und Soul und Harfenklang

Im Sommer sind Joy Denalane und Max Herre gemeinsam vor der Grabkapelle aufgetreten. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Max Herre und Joy Denalane haben am Dienstag gemeinsam mit MIKIs Takeover! Ensemble zwei Konzerte in der Oper gegeben.

Er tut es nicht zum ersten Mal, aber diese Mal hat er Unterstützung: Am zweiten Weihnachtsfeiertag singt und rappt Max Herre in der Stuttgarter Oper, um ihn herum die Musiker von MIKIs Takeover! Ensemble, an seiner Seite Joy Denalane. Stuttgarter Hip Hop schlüpft ins Gewand der klassischen Musik, die nachdenklichen und lyrischen Zeilen von Max Herre fließen dahin, gebettet auf dem Klang von Harfe, Klarinette, Violine, Viola, Cello und Kontrabass. Und Auch Joy Denalanes Soul liegt weich, auf sorgsam arrangierten Formen, die die Nähe der Pop-Musik suchen.

 

Das Ensemble um den Arrangeur, Violinisten und Komponisten Miki Kekenj hat sich auf solche Begegnungen spezialisiert, begleitete auch Max Herre schon, ist mit ihm und Joy Denalane auf kleiner Tour, tourt auch mit Joris, Max Mutzke, Stefanie Heinzmann. In Stuttgart ist es, für Herre und Denalane, ein „Homecoming Concert“: Sie treten zweimal auf, am Nachmittag und am Abend dann, und beide Male ist die Oper ausverkauft.

Pop und Klassik begegnen sich subtil

Miki Kekenj wird dem Publikum später kurz Einblick geben in seine Arbeitsweise: Den Song „Wolke 7“ beispielsweise hat er unterlegt mit Motiven aus Franz Schuberts Sinfonie in h-Moll D 759, „Die Unvollendete“ , und der Song „Athen“ gewinnt durch Anleihen aus Max Bruchs Violinkonzert: Pop und Klassik begegnen sich subtil, gefühlvoll, schön.

Herre und Denalane singen gemeinsame Lieder, singen für sich. Noch immer ist Weihnachten – am Nachmittag sang Joy Denalane zum ersten Mal Nat King Coles Lied von den Kastanien, die am offenen Feuer rösten, am Abend singt sie es zum zweiten Mal. Sie singt „Alles leuchtet“ von ihrem fünften, „Geh zu ihr“ von ihrem ersten Album, sie trägt einen weit geschnittenen Anzug in Grau mit enormen Polka Dots, sie strahlt.

Das Ensemble spielt mit Wehmut und Humor

Max Herre ist ihr cooles Gegenstück, reimt sich lässig mit Wollmütze durch den Bewusstseinsstrom. Er singt „Tabula Rasa“, singt „Tel Aviv“, das von seiner Tante erzählt, die vor den Nationalsozialisten fliehen musste – und er wünscht sich, angesichts der Gegenwart, man möge hinter den Zahlen, die all die Verschleppten und Getöteten in Israel und Gaza meinen, Menschen sehen, Individuen: „Jeder hat seine Geschichte.“

Wunderbar der Augenblick, in dem MIKIs Takeover! Ensemble, nun alleine auf der Bühne, Erik Saties „Gymnopédie No. 2“ interpretiert, sehr fein, verspielt, mit leiser Wehmut und Humor, Max Herre dann zurück ins Bild schlendert, die Linke vergraben in der Tasche seiner Jacke, in der Rechten das Mikrofon, und zu singen beginnt: „Immer, wenn es regnet, muss ich an dich denken…“

Wann immer Max Herre und Joy Denalane ein Wort auslassen in einem ihrer Texte, an diesem Abend, und welches Wort es auch immer ist – das Publikum in der Oper kennt es, singt es. Das letzte Stück eines Abends mit diesem Paar in Stuttgart muss „Erste Liebe“ heißen, denn das war die Stadt für Max Herre. Aber es gibt eine Zugabe: Beim Freundeskreis-Song „Mit Dir“ singen Max Herre und Joy Denalane aufeinander zu, schwärmen sich an und flirten sich an, viele Strophen lang – und gehen dann Hand in Hand von der Bühne.

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