Konzert in Stuttgart So war’s bei Element of Crime in der Liederhalle

Sven Regener und Element of Crime beim Auftritt im Berliner Admiralspalast. Beim Konzert in Stuttgart waren keine Fotografen zugelassen. Foto: EoC/Noel Richter

Der Rockpoet Sven Regener ist mit seiner Band Element of Crime am Mittwochabend im ausverkauften Beethovensaal der Liederhalle in Stuttgart aufgetreten. Hat sich der Besuch gelohnt? Und welche Lieder hat die Band gespielt?

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Er erzählt davon, wie er am Tag nach dem Weltuntergang über den Kurfürstendamm spaziert, träumt davon, wieder so dumm und so rein zu sein wie weißes Papier, verhöhnt die Leute, die gestern noch Deborah Müllers Namen skandiert haben, aber inzwischen ins Alka-Seltzer-Land verbannt wurden. Singt davon, dass er mehr sein will als eine Schleusenbekanntschaft, und dichtet so wunderbare Verse wie „Ich bin jetzt immer da, wo du nicht bist/Und das ist immer Delmenhorst“. Mal seufzt dazu eine Mundharmonika, mal beginnt ein Akkordeon zu tanzen, mal spielt ein Saxofon eine traurige Weise, oder eine E-Gitarre spielt verwegen gegen den schlurfenden Beat an. Doch immer werden die Songs durch Sven Regeners Kunst der Beiläufigkeit, seine schnoddrige Lässigkeit, seine Alltagspoesie, die in scheinbar Belanglosem große Tiefe entdeckt, zusammengehalten.

 

Pittoresker bis sperriger Chansonpop

Am Mittwochabend ist der Musiker und Autor Sven Regener („Herr Lehmann“) mit seiner Band Element of Crime im Beethovensaal der Liederhalle aufgetreten und hat das Publikum in der ausverkauften Halle mit dem hochwertigen Chansonpop betört, den die Berliner seit Jahrzehnten mehr und mehr verfeinern. Und immer dann, wenn man den Eindruck hat, dass das Programm etwas zu gefällig, zu pittoresk und folkloristisch werden könnte, zieht das Tempo an, wird die Inszenierung spröder. Etwa im Song „Jung und schön“, der aus dem Jahr 1999 stammt und der – wie Regener verrät – tatsächlich 14 Jahre nach Bandgründung der erste Element-of-Crime-Song war, in dem es ausdrücklich um deren Heimatstadt Berlin ging. Als die Band 1985 zusammenfand, ging gerade das, was man Neue Deutsche Welle nannte, zu Ende. Und weil Element of Crime mit dieser und dem damit verbundenen Hauptstadt-Hype gar nichts zu tun haben wollten, sang Regener zunächst auf Englisch und verschwieg die Herkunft der Band.

Lieder, die wie Simmel-Romane heißen

Zwischen großartigen Songs wie dem majestätisch-schwermütigen Trennungslied „Weißes Papier“, dem sperrig-schönen „Geh doch hin“ oder dem Liebeslied „Am Ende denk ich immer nur an dich“ gibt es bei dem knapp zweistündigen Konzert deshalb auch Platz für zwei englischsprachige Frühwerke von Element of Crime: die Nachtstücke „Nightmare“ und „Moonlight“. Und mit dem wunderbar larmoyanten Chanson „Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin“ geht ein toller Abend zu Ende, bei dem Indierock auf Walzer trifft und Seefahrtsromantik durch Lieder schwappt, die Titel wie Johannes-Mario-Simmel-Romane tragen.

Setlist vom Konzert in Stuttgart

Unscharf mit Katze ● Am ersten Sonntag nach dem Weltuntergang ● Immer noch Liebe in mir ● Dann kommst du wieder ● Ohne Liebe geht es auch ● Jetzt musst Du springen ● Nur der Anfang ● Was mein ist, ist auch dein ● Immer nur geliebt ● Nightmare ● Kaltes Herz ● Jung und schön ● Weißes Papier ● Deborah Müller ● Gelohnt hat es sich nicht ● Liebe ist nur ein Wort ● Alles in Ordnung ● Morgens um vier ● Zugaben Moonlight ● Am Ende denk ich immer nur an dich ● Vier Stunden vor Elbe 1 ● Delmenhorst ● Geh doch hin ● Wenn es dunkel und kalt wird in Berlin

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