Konzert in Stuttgart Ein Herz und eine Seele: Joy Denalane im Wizemann

Joy Denalane beim Konzert am Donnerstagabend im Wizemann Foto: Lichtgut/Zophia Ewska

Die Berliner R’n’B- und Soulsängerin Joy Denalane hat am Donnerstag ein Konzert in Stuttgart gegeben – in der Stadt, in der ihre Karriere einst begann. Kritik und Bilder vom Auftritt im Wizemann.

Freizeit & Unterhaltung : Gunther Reinhardt (gun)

Als es um 20.40 Uhr dunkel wird im Wizemann, ist zunächst nur ein brummender Chor zur hören. Der klingt zwar verdächtig nach „Connected“ von den Stereo MCs, ist aber in Wirklichkeit das Intro der soulig-vergnügten Nummer „Happy“, mit der Joy Denalane, deren Karriere vor über 20 Jahren hier in Stuttgart begann, das Konzert eröffnet.

 

Wo ist Max Herre?

„Ich war schon lange nicht mehr hier in Stuttgart“, behauptet sie zwar zunächst vor geschätzt 700 Besucherinnen und Besuchern, korrigiert sich dann aber gleich. Da war ja erst im Juli der Auftritt zusammen mit Max Herre vor der Grabkapelle auf dem Württemberg. „Max ist heute nicht da“, entschuldigt sie sich, als es großen Applaus bei der Erwähnung des Namens des Mannes gibt, mit dem sie zwei inzwischen erwachsene Kinder hat. Doch in ihrem Herzen ist Max Herre dann doch dabei – schließlich erklärt sie ihm an diesem Abend zum Beispiel in den Songs „Hideaway“ und „Good Times Better“ ihre Liebe.

Kaum deutschsprachige Stücke

Denalane wird bei dem Konzert von zwei Backgroundsängerinnen und einer vierköpfigen Band um Lillo Scrimali begleitet, der schon 2002 auf ihrem in Stuttgart aufgenommenen Albumdebüt „Mamani“ Keyboard spielte. Ins Repertoire des zweistündigen Konzerts schaffen es aber leider nur wenige ihrer frühen deutschsprachigen Stücke wie „Miscommunication“ oder „Was auch immer“, die im Zugabenteil dran sind.

Stimmgewaltig, aber auch etwas beliebig

Stattdessen stammen die meisten Songs vom aktuellen Album „Will Power“ und von der beim legendären Motown-Label erschienenen Platte „Let Yourself Be Loved“ aus dem Jahr 2020. Die inzwischen 50-Jährige macht es sich bei dem Auftritt meistens zwischen warmtönenden Retro-Soul-Harmonien gemütlich, trägt passend zu den kuschelig-smoothen Grooves stets ein beseeltes Lächeln auf den Lippen und ein rot-türkis geblümtes Kostüm, das auch als bequemer Schlafanzug durchgehen würde. Und ihre Stimme scheint über die Jahre besser und besser zu werden. Man darf sich durchaus hin und wieder an Aretha Franklin oder Tina Turner erinnert fühlen.

Doch so ausdrucksstark und gewaltig die Stimme Delananes in diesen Liedern ist (besonders in „Stand“), so grandios ihre Band harmoniert, so perfekt die Lieder inszeniert sind, die auch mal psychedelisch eingefärbt, mit Jazzharmonien verziert oder mit gospelhaften Chören angereichert werden: Vielen der neueren englischsprachigen Songs fehlt live das Einzigartige und das Widerspenstige, das Denalanes frühere deutschsprachige Nummern oft auszeichnete. Dem Feelgood-Motown-Sound, den sie im Wizemann auf die Bühne bringt, hätte etwas mehr Sperrigkeit und Brüchigkeit gutgetan.

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