Kosmetikkurs für Krebspatientinnen Man muss die Erkrankung nicht sehen

Von Marta Popowska 

Haarausfall und Hautirritationen: Die sichtbaren Nebenwirkungen von Bestrahlung und Chemotherapie sind für viele Frauen sehr belastend. Die DKMS Life bietet daher seit 20 Jahren spezielle Kosmetikseminare für Krebspatientinnen.

Helfende Hände: die Kosmetikerin unterstützt die Frauen, schminken sollen sie sich aber selbst, um es später allein zu können. Foto: Ines Rudel
Helfende Hände: die Kosmetikerin unterstützt die Frauen, schminken sollen sie sich aber selbst, um es später allein zu können. Foto: Ines Rudel

Ostfildern - Es sind die Augenbrauen, die am schwierigsten nachzuzeichnen sind. Hoch konzentriert hören die fünf Frauen der Kosmetikerin Elfi Kern zu, die ihnen erklärt, wo sie den Stift ansetzen müssen. Als sie zur Tat schreiten ist es ganz still im Raum. Vier der Frauen haben keine Augenbrauen, Wimpern oder Haare mehr. Sie alle haben Krebs. Doch die Zeichen, die die Chemotherapie hinterlassen hat, möchten die Frauen kaschieren. Wie das geht, zeigt ihnen Elfi Kern. Sie leitet das Kosmetikseminar der DKMS Life an diesem Mittwochnachmittag am Paracelsus-Krankenhaus in Ruit.

Zu Beginn sind die Frauen noch etwas reserviert, doch das legt sich nach einer Weile. Bevor die prall gefüllten Kosmetiktaschen ausgepackt werden, erzählt ihnen Elfi Kern ein wenig zur Organisation, die den kostenlosen Kurs anbietet. Die DKMS Life ist eine Schwesterorganisation der Deutschen Knochenmarkspenderdatei. Die Seminare gibt es seit 1995, also seit nun 20 Jahren. Sie finden vor allem in Krankenhäusern aber auch in anderen Einrichtungen statt. Die Kosmetikerinnen arbeiten ehrenamtlich, die hochwertigen Produkte werden von den Herstellern gespendet.

Der Haarausfall ist sehr belastend für viele Frauen

„Man mag vielleicht denken, man hätte andere Sorgen. Aber man schaut jeden Tag in den Spiegel“, sagt Kern. Wenn dann die Haare büschelweise ausfallen, sei das sehr belastend für viele Frauen. Kerns Devise lautet: „Wenn man gut aussieht, fühlt man sich besser.“ Den Krebs wegschminken könne man zwar nicht, aber es sei eine Ablenkung und die Frauen könnten sich mehr auf sich selbst konzentrieren. „Es macht Spaß, sich mit so etwas zu beschäftigen. Alles dreht sich nur um die Gesundheit, aber man ist ja auch Frau und will schön aussehen“, sagt eine Patientin aus Ostfildern.

Den Haarausfall versteckt die Ostfildernerin unter einem elegant gewickelten Kopftuch. Wie das gebunden wird, zeigt Kern den Frauen in dem Kurs auch. „Nicht jede möchte eine Perücke tragen“ weiß sie. Viele der Produkte seien auch sehr teuer. Ein Kopftuch lasse sich oft aus Schals, die jede Frau im Schrank habe, wickeln.

Die Frauen sollen alles selbst machen

Aber es geht nicht nur darum, einen perfekten Lidstrich zu malen oder die Augenbrauen aufzuzeichnen. Viele Frauen bekommen während der Chemotherapie Symptome der Wechseljahre, die Haut wird trocken, spannt und juckt. „Die Nebenwirkungen der Bestrahlung auf einer gepflegten Haut sind weniger schlimm“ erklärt Kern den Teilnehmerinnen. Schritt für Schritt leitet sie die Frauen an. Reinigen, cremen, massieren und Make-up auftragen: alles sollen die Patientinnen selbstmachen, damit sie es nach dem zweistündigen Kurs – mit etwas Übung – in wenigen Minuten allein können.

Elfi Kern spricht mit ruhiger, sanfter Stimme. Nach 15 Jahren ist die Bempflingerin routiniert. Bis vor kurzem hielt sie die speziellen Kosmetikkurse an verschiedenen Krankenhäusern ab. Mittlerweile meist nur noch in Göppingen, da sie kürzer treten möchte. „Als ich damals nach 46 Jahren im Beruf in Rente ging, suchte ich nach einem Ehrenamt“, sagt sie. Von dem Angebot der DKMS Life erfuhr sie, als sie einer Kundin von ihrem Wunsch, sich zu engagieren, erzählte. „Sie war Psychoonkologin und schlug mir die Kosmetikseminare vor“, sagt Kern. Es sei sehr schön, ihren Beruf so sinnvoll weiterführen zu dürfen.