Stuttgart - Die Verkehrsunternehmen im VVS halten eine Tariferhöhung im kommenden Jahr um rund 2,6 Prozent für nötig, um ihre gestiegenen Kosten zu decken. Darüber wird nach Informationen unserer Zeitung nun intern beraten, erste Entscheidungen könnten in den Aufsichtsratssitzungen von SSB und VVS in der kommenden Woche fallen. Ob die Fahrpreise in diesem Umfang erhöht werden, ist deshalb keineswegs sicher. In den vergangenen Jahren wurde vom Aufsichtsrat der SSB, dem größten Verkehrsunternehmen im VVS, zumeist eine geringere Steigerung vorgeschlagen.
Letzte Erhöhung 1,9 Prozent
Der VVS hatte die Preise zuletzt zum 1. April diesen Jahres um durchschnittlich 1,9 Prozent erhöht. Damals hatten die Verkehrsunternehmen – also DB Regio, SSB und Busbetriebe – eine Kostensteigerung von 3,5 Prozent ermittelt. Auf dieser Grundlage hatte man sich in den Gremien des VVS dann auf die geringere Marge von 1,9 Prozent geeinigt, weil Fahrgastzuwächse auch mehr Geld in die Kasse spülen. Da die Fahrscheine für Kinder, Jugendliche und Studierende sowie die Tagestickets damals von der Erhöhung ausgenommen waren, sind die anderen Tickets zumeist um zwei bis drei Prozent teurer geworden. Im Jahr zuvor hatte es erstmals seit fast zwei Jahrzehnten keine Preiserhöhung gegeben, weil zum 1. April 2019 die große Tarifreform des Verkehrsverbundes in Kraft trat, die die Zahl der Zonen stark reduzierte und damit für viele Fahrgäste günstigere Preise zur Folge hatte.
Nullrunde von Kreisen abgelehnt
Die letzte Tariferhöhung zum 1. April 2020 war politisch umstritten. Um die Attraktivität des Nahverkehrs in der Region Stuttgart zu steigern, hatten sich der Landesverkehrsminister Winfried Hermann und Oberbürgermeister Fritz Kuhn (beide Grüne) für eine neuerliche Nullrunde ausgesprochen. Das Land war sogar bereit, zeitlich befristet einen Teil der Einnahmeausfälle zu übernehmen. Doch die Landräte in den Kreisen lehnten das Angebot ab, weil sie über Jahre hinweg zusätzliche Kosten befürchteten und ihnen das Angebot des Landes zur Mitfinanzierung nicht wasserfest erschien.
Auch in der Regionalversammlung gab es eine Mehrheit für die Preiserhöhung mit den Stimmen der CDU, Freien Wählern, FDP und AfD – und dies obwohl die Stuttgarter CDU sogar eine Nullrunde 2020 und 2021 gefordert hatte. Damals betonte beispielsweise CDU-Regionalrat Rainer Ganske, dass eine Verbesserung des Angebots, etwa der Ausbau des 15-Minuten-Takts, wichtiger sei als eine Nullrunde. An diesem Grundsatz dürfte sich wenig geändert haben.
Wie wirkt sich Corona aus?
Allerdings waren dies Debatten in der Vor-Corona-Zeit, damals war immer davon ausgegangen worden, dass ein Teil der Kostensteigerungen auch durch einen Anstieg der Fahrgastzahlen gedeckt würde. Die Pandemie hat in diesem Frühjahr die Fahrgastzahlen allerdings drastisch sinken lassen, sie erholen sich erst langsam. Deshalb rechnen die Verkehrsunternehmen mit großen Einnahmeausfällen in diesem Jahr, allerdings werden sie großteils durch Rettungsschirme von Bund und Land ausgeglichen.
Kompliziertes Verfahren
Der Tariferhöhung geht ein kompliziertes Verfahren interner Beratungen voraus. Nach der Ermittlung der Kostensteigerungen für Personal, Fahrzeuge und Betrieb (Strom, Diesel) fällt im SSB-Aufsichtsrat eine Vorentscheidung. Im Aufsichtsrat des stadteigenen Verkehrsbetriebs bestimmt die Politik mit – nicht nur durch den Aufsichtsratsvorsitzenden OB Fritz Kuhn (Grüne), auch durch Stadträte. Sollten die Stadt und die Kreise den im VVS beschlossenen Aufschlag nicht folgen, müssten sie die Einnahmeausfälle an die Verkehrsunternehmen erstatten.