Kraftdreikampf Sechs Zentner und eine offene Rechnung

Von Michael Käfer 

Zum Bundesliga-Auftakt erwartet der SV Fellbach am Samstagnachmittag drei Gegner in der Zeppelinhalle: Kraftsport Colonia Köln, den KSV Essen sowie den Titelverteidiger KSV Mainz um die Weltklasse-Heber Sascha Stendebach und Kevin Jäger.

Heimkampf für den international erfahrenen Kraftdreikämpfer: Matthias Siegle vom SV Fellbach  im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften in Kanada Foto: Michael Käfer
Heimkampf für den international erfahrenen Kraftdreikämpfer: Matthias Siegle vom SV Fellbach im Vorjahr bei den Weltmeisterschaften in Kanada Foto: Michael Käfer

Fellbach - Ein starkes Quartett blickt derzeit in Fellbacher Sportstätten mit teils ernster, teils freudig-erwartungsvoller Miene von großformatigen Plakaten. Die Muskelmänner Matthias Siegle, Daniel Ruprecht, Tim Huber und Lukas Gärtner werben damit um Besucher für den Bundesliga-Auftakt der Fellbacher Kraftdreikämpfer, der am Samstag von 15 Uhr an in der Zeppelinhalle stattfinden wird.

„Einige der stärksten Athleten Deutschlands“ kündigen die Werbeträger an, die der amtierende Senioren-Europameister Matthias Siegle und sein Technischer Leiter Daniel Ruprecht entworfen haben. Der gedruckte Text, ganz unüblich in der Werbewelt, ist so zurückhaltend formuliert, dass Matthias Siegle nachträglich und handschriftlich noch die kryptischen Worte „+ 300 Bench Press“ eingefügt hat. Im Klartext sind damit Leistungen in der Teildisziplin Bankdrücken von mehr als 300 Kilogramm avisiert. Neben den Athleten vom KSV Essen und von Kraftsport Colonia Köln will auch die Abordnung des KSV Mainz dem gastgebenden SV Fellbach den Sieg abspenstig machen und wird deswegen gleich zwei Weltklasse-Athleten an den Fuß des Kappelbergs mitbringen.

Sascha Stendebach, 27, ist jedoch die Nummer eins unter den Kraftdreikämpfern in der Bundesliga

Dazu zählt zunächst Kevin Jäger, ein untersetzter Zweieinhalb-Zentner-Mann, der bereits mehr Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften abgeholt hat, als seine kräftigen Hände Finger haben. Der Student überzeugt folglich zwar in allen drei Disziplinen des Kraftdreikampfs, also im Kniebeugen, im Kreuzheben und im Bankdrücken, letzteres ist aber seine absolute Lieblingsübung. Besagte 300 Kilogramm lässt er gelegentlich schon auch mal im Anfangsversuch auf die Hantelstange packen.

Der zweite Spitzenmann der Mainzer Equipe hat bei Weltmeisterschaften bisher lediglich eine goldene Plakette eingesammelt. Sascha Stendebach, 27, ist jedoch die Nummer eins unter den Kraftdreikämpfern in der Bundesliga. Als Einziger hat der Immobilienmakler in der vergangenen Saison die Marke von 600 Punkten übertroffen, die nur absolute Weltklasse-Athleten erreichen. Zum Team des amtierenden deutschen Mannschaftsmeisters gehören noch Sandra Beyer, eine bärenstarke Gaststarterin aus Rüsselsheim, die seit wenigen Wochen einen Doktortitel der Medizin vor ihrem Nachnamen tragen darf, sowie Dustin Ihmann, der seine Wettkampf-Premiere feiern soll.

„Wir wollen den deutschen Meistertitel auf jeden Fall verteidigen“, sagt Wilhelm Rheinheimer, der Vorsitzende und Mitgründer des 117 Mitglieder zählenden Mainzer Kraftsportvereins. Sein Stellvertreter Sascha Stendebach sieht das zwar genauso, warnt aber vor allzu großer Euphorie: „Erst einmal müssen alle durchkommen.“ Zwar gehen nur die drei punktbesten Athleten der vierköpfigen Teams in die Wertung ein, versagt jedoch einer, dann kann sich die erwartete Reihenfolge in der Ergebnisliste rasch ändern.

Obwohl mit 55 Jahren knapp doppelt so alt wie der zweitälteste Fellbacher Heber, dürfte Matthias Siegle erneut der eifrigste Punktesammler seines Teams werden

Nachdem im vergangenen Jahr der SV Fellbach keinen Heimkampf ausrichtete und zuvor eine zweijährige Bundesliga-Pause eingelegt hatte, will Daniel Ruprecht mit einer überzeugenden Mannschaft an den Start gehen. Für den mehrfachen Landesmeister wird es nach weitgehend überstandenen Schulterproblemen ein Comebackversuch. Gut im Training sind auch der deutsche Junioren-Rekordhalter Lukas Gärtner und sein Studienkollege Tim Huber. Beide wollen ohne die im Ligabetrieb bislang übliche leistungsfördernde Spezialbekleidung antreten. Ebenso übrigens wie Sascha Stendebach, dem das Heben ohne die allzu beengenden Textilien mehr Spaß bereitet: „Außerdem ist es für die Zuschauer auch schöner anzuschauen.“

Obwohl mit 55 Jahren knapp doppelt so alt wie der zweitälteste Fellbacher Heber, dürfte Matthias Siegle erneut der eifrigste Punktesammler seines Teams werden. Der amtierende Europameister der Senioren und kontinentale Rekordhalter setzt allerdings eindeutige Prioritäten: „Verletzungsfrei bleiben ist für mich sehr wichtig, denn der Fokus für mich sind die deutschen Meisterschaften im März als Qualifikation für die Weltmeisterschaften.“

Dass er bei den letztjährigen Weltmeisterschaften in Kanada lediglich in den Einzeldisziplinen Kniebeugen und Bankdrücken Edelmetall sammeln konnte und den Dreikampf-Titel bei den Senioren knapp verpasste, fuchst den ehrgeizigen Leistungssportler nach wie vor. Immerhin kann er sich am Samstag bei Kevin Jäger ein paar Tipps abholen, wie man mehr als 300 Kilogramm im Bankdrücken stemmt.




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