Kraftwerk in Altbach/Deizisau Umweltverbände üben Kritik an Umbauplänen

Das Kohlekraftwerk in Altbach/Deizisau soll langfristig klimaneutral arbeiten Foto: / Braitinger

Die Verbände ärgern sich darüber, dass das Kraftwerk in Altbach/Deizisau noch sehr lange mit Erdgas betrieben werden soll. Der Betreiber betont, dies sei nur ein Zwischenschritt zur Klimaneutralität.

Das Ziel ist eigentlich klar: In Zukunft soll im Kraftwerk Altbach/Deizisau Strom aus Wasserstoff produziert werden. Mehrere Umweltverbände kritisieren jedoch den Weg dahin, der vorsieht, das Kraftwerk vorübergehend mit Erdgas zu betreiben. Sie haben sich deshalb an das Regierungspräsidium Stuttgart gewandt, das die Umbaupläne genehmigen muss.

 

Die EnBW verteidigt ihre Pläne. „Das langfristige Ziel der EnBW heißt Klimaneutralität“, betont die Sprecherin Ricarda Bohn. Um sich auf die beschriebene Zukunft vorzubereiten, sollen im Kraftwerk zwischen Altbach und Deizisau neue Turbinen eingebaut werden. Der sogenannte Fuel Switch sei insbesondere für den süddeutschen Raum notwendig, erklärt die EnBW. Denn die in Norddeutschland erzeugte erneuerbare Energie aus Offshore-Windanlagen, und Photovoltaik könne noch nicht in ausreichendem Maße in den Süden transportiert werden.

„Gaskraftwerke sind keine Sackgassentechnologie, sondern eine wichtige Brücke auf dem Weg zum klimaneutralen Energiesystem“, betont die Unternehmenssprecherin Bohn. Weil derzeit aber noch nicht ausreichend Wasserstoff zur Verfügung steht, müsste in den kommenden Jahren Erdgas als Energiequelle genutzt werden. „Dieser Zwischenschritt verschafft Zeit für den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur und den für die Wasserstoffproduktion erforderlichen weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien“, erklärt die EnBW-Sprecherin. Das Energieunternehmen hofft, dass das Kraftwerk ab Mitte der 2030er Jahre mit Wasserstoff betrieben werden kann. Bisher ist das große Problem, dass an Orten mit viel Wind-, Wasser- oder Sonnenenergie oft kein besonders hoher Energiebedarf ist. Durch die Produktion von Wasserstoff könnte die regenerativ gewonnene Energie quasi zwischengespeichert und an Orte mit hohem Energiebedarf, aber wenig Potenzial für regenerative Energie, transportiert werden.

Verbände wenden sich ans Regierungspräsidium Stuttgart

Die Umweltverbände – das sind der Landesnaturschutzverband, der Nabu und der BUND – haben im Zuge des Genehmigungsverfahrens für die neue Anlage eine entsprechende Stellungnahme beim Regierungspräsidium Stuttgart eingereicht. Die Umweltschutzverbände grämen sich insbesondere, weil das fossile Erdgas noch viele Jahre für die Erzeugung von Strom und Fernwärme genutzt werden soll. „Das steht in krassem Widerspruch zu der inzwischen nicht mehr bestrittenen Notwendigkeit, den Einsatz fossiler Energien zügig zurückzudrängen, und in Konkurrenz zum Ausbau regenerativer Energieformen und zu Effizienzmaßnahmen auf der Verbrauchsseite“, schreiben sie. Es sei völlig unklar, wann ausreichend grüner Wasserstoff für die Stromproduktion zu einem bezahlbaren Preis zur Verfügung stehe. „Das geplante Kraftwerk wär somit für sehr lange Zeit allein von Erdgas abhängig, was definitiv nicht mehr in die Zeit passt“, meinen die Umweltverbände.

Hinzu komme, dass die neue Konzeption zu wenig Kapazitäten für die Zwischenspeicherung von Brennstoff, Wärme und Strom vorsehe. Die Flexibilität und Störfallsicherheit der Anlage seien dadurch stark eingeschränkt. In seiner derzeit geplanten Form sei das Kraftwerk von vorneherein ein Auslaufmodell. Es drohe ein ökonomisches Fiasko, für das am Ende der Steuerzahler aufkommen könnte.

Kritiker machen Alternativvorschläge

Besser wäre es aus Sicht der Umweltverbände, das Kraftwerk mit einem Elektro-Wärmekessel, mit einer Großwärmepumpe und mehreren Wärmespeichern auszustatten. Industrie-Abwärme könne zudem in ein Fernwärmenetz eingespeist werden. Ferner sollen Solarthermie genutzt und ein Batteriespeicher für eine dynamische Netzunterstützung gebaut werden. Gas könnte weiterhin für Spitzenlasten genutzt werden. Außerdem könnten Geothermie genutzt und Biogas hergestellt werden.

Die EnBW erklärt, dass erneuerbare Energien allein keine stabile Stromversorgung sicherstellen können. Deshalb seien auch in Zukunft Gaskraftwerke notwendig, um eine sichere Versorgung zu gewährleisten. „Gas- und Dampfturbinenkraftwerke können innerhalb kurzer Zeit angefahren werden und disponible Leistung zur Verfügung stellen“, so die EnBW-Sprecherin Bohn. Solche flexibel und schnell einsetzbaren Kraftwerke trügen dazu bei, die Lücken zu schließen, die zwischen der Stromnachfrage einerseits und der schwankenden Erzeugung aus erneuerbaren Energien andererseits entstehen – etwa bei Windstille oder schwacher Sonneneinstrahlung.

Dem Vorschlag, vor Ort mehr regenerative Energie zu erzeugen, steht der Kraftwerksbetreiber offen gegenüber. Allerdings betont die EnBW, dass die Erzeugung von Strom und Fernwärme allein aus erneuerbaren Energien vor allem aufgrund des großen Flächenbedarfs eine kaum zu bewältigende technische Herausforderung für den Standort Altbach/Deizisau sei.

Fahrplan des Kraftwerks zur Klimaneutralität

Kohleausstieg
 Bereits ab dem Jahr 2027 soll der Betrieb mit Kohle ein Ende haben. Von da an möchte das Kraftwerk in Altbach Energie mit einer Gas- und Dampfturbinenanlage erzeugen. Die neuen Turbinen sollen Ende 2026 in Betrieb gehen.

Energie
Zunächst soll Erdgas als Energieträger dienen. Ab Mitte der 2030er-Jahre soll das Gas durch Wasserstoff ersetzt werden, der wiederum mit regenerativer Energie erzeugt wurde.

Kosten
Die Kosten für die neuen Gas- und Dampfturbinenanlage in Altbach/Deizisau werden von der EnBW auf rund 590 Millionen Euro beziffert.

Fuel Switch
Als Fuel Switch, also als „Brennstoffwechsel“, bezeichnet die EnBW den Umstieg der Energiequellen. 

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