Kraftwerke in Marbach und Walheim Zwei Energielieferanten bleiben auf Abruf

Die Lichter am Marbacher Kraftwerk gehen vorerst nicht aus. Foto: Werner Kuhnle
Die Lichter am Marbacher Kraftwerk gehen vorerst nicht aus. Foto: Werner Kuhnle

Die EnBW muss die Kraftwerke in Walheim und Marbach länger als gewünscht betreiben. Da sie nur auf Abruf hochgefahren werden, ist der Betrieb für den Konzern kein gutes Geschäft. Trotzdem glauben die Bürgermeister der Kommunen, dass die Öfen auch 2016 noch nicht ausgehen werden.

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Kreis Ludwigsburg - Die Bonner Bundesnetzagentur hat gegen den Wunsch des Betreibers EnBW entschieden: Die Kraftwerke in Marbach und Walheim bleiben in Betrieb, zumindest bis zum Sommer 2016. Für die Bürgermeister Jan Trost aus Marbach und Albrecht Dautel aus Walheim ist diese Nachricht eine gute, wenn sie auch nicht überraschend gekommen ist. Die beiden Stadtoberhäupter rechnen nicht einmal damit, dass die Kraftwerke nach 2016 endgültig vom Netz gehen.

Arbeitsplätze bleiben erhalten

„Wir kannten ja die Einstellung der Bundesnetzagentur, dass alle konventionellen Kraftwerke südlich des Mains als systemrelevant in Betrieb bleiben sollen“, sagt Jan Trost. Die 30 Arbeitsplätze sind gesichert, es sollen sogar neue dazu kommen. Bei der Vergabe der Stromkonzession im Dezember 2012 waren die 100-jährige Partnerschaft mit der EnBW am Kraftwerkstandort Marbach und der Ausbau wichtige Argumente. Das gesamte 380kV-Höchstspannungsnetz für den Nordwesten von Baden-Württemberg sollte von Marbach aus betreut werden. Wie der Ausbau um 16 Arbeitsplätze gestaltet wird, werde bei einem Gespräch mit dem EnBW-Vorstand im Februar geklärt, sagt Trost.

Auch in Walheim bleibt durch die Entscheidung der Bundesnetzagentur bis mindestens 2016 ein Teil der bisher rund 60 Arbeitsplätze erhalten. Derzeit prüft die EnBW laut einem Konzernsprecher noch, wie viele Mitarbeiter sie für den Weiterbetrieb auf Abruf braucht. Walheims Bürgermeister Albrecht Dautel glaubt trotzdem daran, dass das Kraftwerk über dieses Datum hinaus am Netz bleiben wird. Er hält die beiden fast 50 Jahre alten Steinkohlewerke für zu wichtig für die Stromversorgung in der Region. „Wer sich die Energiepolitik ansieht, weiß, dass wir die dezentralen Kraftwerke auch in Zukunft brauchen werden, um die Schwächephasen von Sonnen- und Windenergie auszugleichen“, sagt Dautel.

Alte Kraftwerke sind unwirtschaftlich geworden

Für genau solche Fälle werden die beiden Kraftwerke in Marbach und Walheim in Betrieb gehalten. Sie sollen das Versorgungsloch stopfen, wenn Windräder und Solarzellen zu wenig Energie liefern. In der Regel werden sie im Bereitschaftsmodus betrieben und nur vom Übertragungsnetzbetreiber Transnet BW angefordert, falls die sogenannte Netzstabilität in Gefahr ist. Auch wenn das selten der Fall sein wird: die Bundesnetzagentur sieht die beiden Kraftwerke als unerlässlich für die Versorgungssicherheit in Süddeutschland und kassiert mit ihrer Entscheidung den Stilllegungsantrag, den die EnBW im Sommer 2013 gestellt hat. Damals hieß es, nach umfassenden Prüfungen der Wirtschaftlichkeit ihres konventionellen Kraftwerksparks plane die EnBW, die beiden Heizölblöcke des Marbacher Kraftwerks und die beiden Holzkohleblöcke in Walheim mit einer Gesamtleistung von 668 Megawatt außer Betrieb zu nehmen.

Als Grund für den Wunsch führte der Konzern den „rapiden strukturellen Umbruch in der Energiewirtschaft“ an. „Insbesondere durch den deutlichen Zubau erneuerbarer Energien stehen zahlreiche fossile Anlagen unter hohem wirtschaftlichem Druck“, so die EnBW im Juli 2013. Gas- und ältere Kohlekraftwerke, sowie ölbefeuerte Anlagen könnten bei den niedrigen Preisen an der Leipziger Strombörse nicht mehr Geld erwirtschaften, was zu drastisch sinkenden Erträgen führe. Stattdessen setze die EnBW auf ein moderne und effiziente Steinkohlekraftwerk. In Karlsruhe steht eines mit einer Leistungsfähigkeit von 900 Megawatt kurz vor der Inbetriebnahme. Außerdem beteiligt sich der Konzern am Bau eines Kohlekraftwerks in Mannheim.

Da der Energiekonzern seine beiden alten Kraftwerke jetzt doch nicht abschalten dürfe, stünden ihm Ausgleichszahlungen zu, über deren Höhe gerade verhandelt wird, teilt die Bundesnetzagentur mit. Die Rede ist von einem Betrag in zweistelliger Millionenhöhe für den Standby-Betrieb der alten EnBW-Kraftwerke – der über die Strompreise finanziert wird.




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