Krankenhäuser im Kreis Esslingen Auf weitere Betten können Kliniken nicht verzichten

Im Kreis Esslingen kommen etwa 350 Betten auf 100 000 Einwohner. Foto: dpa/Jens Büttner

Nach Corona und während stetigem Bettenabbau, Krankenhausreform und Fachkräftemangel sind die Kliniken in Deutschland im Dauerstress. Eine Kurzdiagnose der Krankenhäuser im Kreis Esslingen.

Rund 30 Prozent weniger Krankenhausbetten: Laut dem statistischen Bundesamt sank die Bettenzahl in den Jahren von 1991 bis 2021 bundesweit drastisch. Linken-Fraktionschef Dietmar Bartsch sah darin ein alarmierendes Signal und forderte vor wenigen Wochen ein „Schließungsmemorandum“ für Kliniken. Der Landkreis Esslingen liegt mit knapp über 350 Krankenhausbetten pro 100 000 Einwohner sogar deutlich unter dem Bundes- und Landesschnitt (Bund: 581; Land: 490). Den Kliniken im Kreis zufolge ist das jedoch kein Grund zur Sorge, allerdings sei jetzt die Untergrenze erreicht.

 

Fortschritt in der Medizin macht viele Betten obsolet

„Bettenabbau ist per se nichts Negatives, im Gegenteil, in einigen Regionen sogar sehr sinnvoll. Der Vergleich mit anderen Industrienationen zeigt, dass wir uns in Deutschland sehr viele Krankenhausbetten leisten“, sagt der Geschäftsführer der Medius Kliniken im Kreis Esslingen, Sebastian Krupp.

Der Abbau sei eine Konsequenz des medizinischen Fortschritts. Laut Statischem Bundesamt halbierte sich der durchschnittliche stationäre Aufenthalt seit 1991 von 14 auf sieben Tage. Zudem könnten mehr Eingriffe ambulant durchgeführt werden. In den vergangenen zwei Jahrzehnten hätten die Medius Kliniken die Betten von 1245 planmäßig auf 1076 reduziert. „Hinsichtlich der Planbettenanzahl sind wir am unteren Ende angelangt. Auf weitere Betten kann derzeit nicht verzichtet werden“, so Krupp.

Doch nicht nur die Zahl der Betten ist entscheidend, sondern auch, ob diese überhaupt genutzt werden können, sagt Anja Dietze, Sprecherin des Klinikums Esslingen. Das Klinikum befinde sich derzeit in einem „Spagat zwischen Bettenbedarf und der durch den Fachkräftemangel hervorgerufenen Einschränkungen der betreibbaren Betten“. Der Bedarf sei höher als das, was angeboten werden könne.

Kritik an Krankenhausreform

Eine Krankenhausreform, die unlängst von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) angekündigt wurde, soll Abhilfe schaffen. Sie soll unter anderem eine Zentralisierung von Spezialbehandlungen beinhalten. Der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft, Heiner Scheffold, kritisiert, dass dadurch viele Krankenhäuser künftig zu Gesundheitszentren mit primär ambulanten Angeboten ohne ständige ärztliche Präsenz verkommen könnten.

„Wenn die Krankenhausreform von Herrn Lauterbach und seiner Expertenkommission eins zu eins umgesetzt würde, hätte das drastische Folgen für die Krankenhauslandschaft in Baden-Württemberg“ sagt auch die Sprecherin der Filderklinik Marleen Job. Betten seien dort in den vergangenen Jahren keine abgebaut worden. Dass dort zukünftig nur noch ambulant behandelt werden könnte, sei derzeit unwahrscheinlich. „Als Akutkrankenhaus werden wir die Bevölkerung zusätzlich zum ambulanten Bereich auch weiterhin stationär versorgen.“

Kliniken im Kreis stehen gut da

Für Medius-Kliniken-Chef Krupp ist der Fakt, dass der Landkreis mit seiner Bettenanzahl weit unter Bundesdurchschnitt liegt, ein Zeichen dafür, dass die Kliniken des Kreises eines der Ziele der angekündigten Reform bereits in weiten Teilen umgesetzt hätten. „Wir haben in den letzten Jahren unsere Hausaufgaben gemacht, insbesondere mit der Schließung zweier Standorte. Damit ist es uns gelungen, die Ziele von Qualität und Wirtschaftlichkeit zu einen. Mit dem aktuellen Leistungsangebot ist der Landkreis gut aufgestellt.“ Die Filderklinik sowie die Medius Kliniken konnten zum Jahresabschluss 2021 Gewinne erzielen. Nur das Klinikum Esslingen schloss das Geschäftsjahr 2021 mit einem Defizit von 2,7 Millionen Euro ab. Allerdings wurden die Verluste im Vergleich zum Vorjahr deutlich verringert.

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