Krankenhäuser Region Stuttgart Milliarden-Investitionen in die Kliniken

Auch optisch macht das neue Katharinenhospital viel her. Foto: /Jonas Ratermann

Der Trend zu großen und zentralen Klinikstandorten schreitet voran. Mit Milliardeninvestitionen versuchen die Krankenhäuser in der Region, ihre Standorte fit für die Zukunft zu machen. Was bedeutet das für die Patienten?

Entscheider/Institutionen : Kai Holoch (hol)

Für das Klinikum Esslingen ist es das größte Bauvorhaben in der 160-jährigen Geschichte des Hauses. In den kommenden 15 Jahren plant die Stadt Esslingen als Betreiberin, 270 Millionen Euro in die Sicherung und Weiterentwicklung des Krankenhauses zu investieren. Allein für den ersten Bauabschnitt, kürzlich war Spatenstich, werden mindestens 99 Millionen Euro benötigt. 270 Millionen Euro – das klingt viel, ist aber nur ein kleiner Teil einer viel größeren Summe. Mehrere Milliarden Euro nehmen die Klinikbetreiber in und rund um Stuttgart in die Hand, um ihre Häuser wettbewerbsfähig zu halten. Der Neubau des Katharinenhospitals des Klinikums Stuttgart etwa schlägt allein mit 800 Millionen Euro zu Buche.

 

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Eines der größten Krankenhausprojekte im Land.

Nicht ganz so üppig fallen die Ausgaben im Robert-Bosch-Krankenhaus aus. Aber auch hier kostet der Neubau der Verwaltung samt Wohngebäude und Tiefgarage 105 Millionen Euro. Maßnahmen im Rahmen der Verlagerung der Klinik Schillerhöhe an das Robert-Bosch-Krankenhaus kommen auf knapp 60 Millionen, und der im kommenden Jahr geplante Bau des Gebäudes F mit Funktionseinheiten, Betten und Logistikbereich soll 420 Millionen Euro kosten.

Das Marienhospital wiederum will 80 Millionen Euro unter anderem in die Notfall- und Onkologieversorgung investieren und den Zugang zum Haus verbessern. Darüber hinaus muss in die Digitalisierung und den Klimaschutz investiert werden. Eine Nummer größer ist der Klinikverbund Südwest (KVSW) in den Kreisen Böblingen und Calw unterwegs. Der KVSW nimmt in den kommenden Jahren mehr als eine Milliarde Euro in die Hand, wobei allein der Neubau eines zentralen Krankenhauses mindestens 573 Millionen Euro kosten wird. Das Projekt Flugfeldklinikum, in dem die bisherigen Standorte Böblingen und Sindelfingen aufgehen werden, ist eines der größten Krankenhausprojekte in Baden-Württemberg und das größte Bauprojekt im Kreis Böblingen. Auch Calw bekommt einen Neubau, die Häuser in Herrenberg und Leonberg werden modernisiert, das Klinikum Nagold wird komplett erneuert.

Es geht nicht nur um den Wettstreit um Patienten

Die Alb-Fils-Kliniken nehmen für den Klinikneubau in Göppingen rund 450 Millionen Euro in die Hand, die Medius-Kliniken rund 300 Millionen Euro. Und obwohl der Rems-Murr-Kreis seine Konzentrationsbemühungen bereits 2014 mit dem Klinikneubau in Winnenden abgeschlossen hat, stehen auch dort für die Campuserweiterungen in Schorndorf und Winnenden mehr als 130 Millionen Euro auf der Investitionsliste. Wie teuer der von der Filderklinik bis 2030 geplante weitgehend komplette Neubau in Filderstadt werden wird, vermag man dort noch nicht zu sagen. Auch die Klinik-Holding in Ludwigsburg will sich noch nicht auf Zahlen festlegen. Zu den Großinvestitionen der kommenden Jahre zähle der Neubau am Krankenhaus Bietigheim-Vaihingen, der Ausbau des Ausbildungscampus Marbach und die Weiterentwicklung des Klinikareals in Ludwigsburg.

Mit diesen gewaltigen Investitionen, so betonen alle Verantwortlichen, reagieren die Kliniken nur auf die sich verändernden Rahmenbedingungen. Denn der Trend zu größeren Einheiten – und der damit verbundene Verzicht auf kleinere Krankenhäuser – lässt sich auch in der Region Stuttgart deutlich erkennen. Gab es im Jahr 2000 noch 59 Krankenhausstandorte in der Region, so sind es jetzt noch 37 Häuser – und auch deren Zahl wird weiter abnehmen.

Weitere Zusammenlegungen werden kommen

Nachdem beispielsweise die Fusionen von Bürger-, Katharinen- und Olgahospital samt Frauenklinik zur Konzentration in der Stuttgarter Stadtmitte führten, ist nun mit der Erweiterung der Kinder- und Jugendpsychiatrie eine weitere Zusammenführung geplant. Einen vergleichbaren Grundsatzbeschluss gibt es für die Sportklinik. Aber auch in Göppingen verzichten die Alb-Fils-Kliniken auf den Standort Geislingen, die Medius-Kliniken sind von fünf auf drei Häuser geschrumpft, und in Böblingen wird aus den beiden Krankenhäusern in Böblingen und Sindelfingen eine große Einheit.

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Damit folgen die Häuser den Vorgaben aus der Politik, möglichst große Zentren mit verwandten Fachrichtungen zu schaffen, die als Maximalversorger eine sichere und qualitätsvolle Betreuung der Patienten garantieren sollen. Jan Steffen Jürgensen, der Chef des Klinikums Stuttgart, verteidigt diesen Weg: „Durch die Zusammenlegung werden wichtige Strukturqualitätsvorhaben sicherer erfüllt – etwa, was Mindestmengen bei der Behandlung von Krebspatienten oder in der Transplantationsmedizin und der Orthopädie betrifft.“ Je höher die Zahl der Behandlungen ist, desto größer sei erfahrungsgemäß der Behandlungserfolg – und damit verbunden die Überlebensrate. „Im Alltag würde man von Lernkurven sprechen. In der Gesundheitspolitik heißt das ‚Volume-Outcome-Relation‘.“

Aus dem Sozialministerium heißt es dazu: „Wie in anderen Regionen müssen die Strukturen der Gesundheitsversorgung auch rund um Stuttgart zukunftsfest gestaltet werden.“ Neben dem medizinischen Fortschritt und einem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein seien auch wirtschaftliche Rahmenbedingungen der Grund für die starken Veränderungen. Die Krankenhäuser müssten sich den Bedingungen anpassen „und im Rahmen von Fusionen und Konzentrationsprozessen die nicht genutzten Kapazitäten abbauen“. Dieser Weg werde sich weiter fortsetzen und vom Land eng begleitet, „damit durch die Bündelung der medizinischen Kompetenzen die bestmögliche Qualität der Versorgung gewährleistet werden kann“.

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