Krankenhaus in Marbach Geplanter Gesundheitscampus nimmt wichtige Hürde
Nach zähen Verhandlungen schließen die Regionale Kliniken Holding (RKH) und die Stadt einen Vertrag über die Planung für das Krankenhaus-Areal in Marbach.
Nach zähen Verhandlungen schließen die Regionale Kliniken Holding (RKH) und die Stadt einen Vertrag über die Planung für das Krankenhaus-Areal in Marbach.
In der Frage, wie es mit dem Krankenhaus-Areal in Marbach und dem darauf angedachten Gesundheitscampus weitergeht, sind der Aufsichtsrat der Regionalen Kliniken Holding (RKH) als Eigentümer sowie die Stadt Marbach einen nächsten Schritt gegangen: Nach zahlreichen Gesprächen wurden sich beide Seiten in einem sogenannten städtebaulichen Vertrag einig. Auf den acht Seiten ist festgeschrieben, was auf dem rund sechs Hektar großen Gelände baulich verändert werden soll und wer es bezahlt. Der Vertrag dient als Grundlage für folgende Detailplanungen.
Der RKH-Aufsichtsrat hatte den Vertrag im September abgesegnet, jetzt gab der Marbacher Gemeinderat einstimmig grünes Licht. Wobei das Wörtchen „einstimmig“ die Stimmung unter den Räten bedingt widerspiegelt. Sie machen keinen Hehl daraus, dass es ein eher kleiner Nenner ist, auf dem man sich einig wurde. „Wir hatten uns etliches mehr erhofft und haben als Stadt viele Federn lassen müssen“, konstatiert etwa Michael Herzog (Freie Wähler), selbst Facharzt. Er hatte den Vertrag als Teil einer Projektgruppe mit erarbeitet und empfand dies als „Mammutaufgabe“. „Während der Gespräche wurden meine Zweifel größer, ob das jemals ein gutes Ende nehmen wird. Ich fragte mich, warum ich mir das antue.“
Das Ergebnis sei nun, so Herzog, ein Licht am Ende eines sehr langen Tunnels. Sein Blick gehe mit einem „gedämpften Optimismus“ nach vorne. Ähnlich äußert sich Barbara Eßlinger (Grüne): „Ich hoffe, das wird Früchte tragen. Ich sehe aber noch keine Insekten, die den Baum bestäuben sollen.“
Probleme dabei: Die Gesundheitsreform erschwert die Planbarkeit, sie ist laut Heike Breitenbücher (CDU) ein Damoklesschwert. Zudem regelt der Vertrag zwar klar, dass RKH sämtliche Kosten für die Baumaßnahmen übernimmt. Der Holding ging es zuletzt finanziell aber nicht gut. Sie wird ihre Kapital- und Gewinnrücklagen laut Bericht 2022 wahrscheinlich in diesem Jahr aufgebraucht haben. Im März hatte sie finanzielle Hilfe vom Bund gefordert. Inwieweit der Campus finanzierbar ist, ist unklar.
Und auch ohne diese Punkte ist Dieter Zagel (SPD) skeptisch, was die Umsetzung angeht. Er erinnert an den Mangel an Ärzten und Pflegepersonal. „Welcher Arzt wird bereit sein, zu teuren Konditionen ins erweiterte Ärztehaus einzuziehen?“ Denn auf dem Campus ist unter anderem vorgesehen, das vorhandene Ärztehaus um ein zweites Gebäude zu erweitern. Auch sonst soll baulich viel passieren: Ins Krankenhaus, in dem derzeit Flüchtlinge untergebracht sind, ziehen die Pflegeschule für bis zu 350 Schüler und die RKH-Akademie für bis zu 100 Schüler ein. Geplant sind außerdem neu gebaute Personalwohnungen, ein Wohnheim für rund 115 Pflegeschüler sowie mehrere Gebäude für Formen von Betreutem Wohnen. Ziel ist laut Vertrag der Bau einer stationären Pflegeeinrichtung, Kurzzeitpflege, Tagespflege, Räume für eine klinische Nachsorge, Pflegewohnen und Betreutes Wohnen. Optional ist ein Patientenhotel mit bis zu 20 Betten.
Weichen muss der Parkplatz, dafür soll – beim neuen Standort der Rettungswache – ein Parkhaus entstehen. Die umliegenden Parkplätze werden womöglich kostenpflichtig. „Dem steht die Stadt offen gegenüber“, heißt es im Vertrag. Denkbar sind gar weitere Wohngebäude, die als Reserve dienen und teils dem freien Markt zur Verfügung gestellt werden könnten. Macht elf veränderte und neue Elemente auf dem Areal. Der Dorothea-Schiller-Kindergarten als zwölftes bleibt.
Bei aller Skepsis: Der Gemeinderat ist froh, dass der Vertrag zustande kam und man nun Partner auf Augenhöhe ist. CDU-Rätin Breitenbücher spricht auch von einem wichtigen Signal: „Ja, die Stadt möchte den Gesundheitscampus.“ Landrat Dietmar Allgaier, Vorsitzender des Aufsichtsrats der RKH-Kliniken Ludwigsburg-Bietigheim, sieht den Vertrag als sehr gute Grundlage für das weitere Vorgehen. „Ich freue mich, dass wir ihn jetzt unter Dach und Fach haben.“
Kurzfristig
Die RKH und die Stadt Marbach verpflichten sich mit dem Vertrag, folgende Themen bis Ende des dritten Quartals 2024 zu klären: Bebauungsplanentwurf, die Planung von Parkhaus, Rettungswache und Energiezentrale, sowie die Untersuchung der Bestandsgebäude auf notwendige Maßnahmen. Geklärt werden auch die Anforderungen für Pflegeschule und Akademie.
Mittelfristig
Die Planungen und das Bebauungsplanverfahren sollen 2026 abgeschlossen sein. Folgen soll die Erschließung – mit dem ersten Ziel, die Pflegeschule und die Akademie samt Wohnheim Mitte 2028 zu eröffnen. Die weiteren Neubauten, abgesehen vom Parkhaus mit 225 Stellplätzen, würden, sofern realisierbar, später folgen.