Kreis Böblingen Rettungswagen für die Kleinsten

Von wi 

Mehr als 100 000 Euro kostet der Baby-Notarztwagen mit hydraulischem Brutkasten. Er wurde ausschließlich über Spenden finanziert und hilft jetzt den Kleinsten.

Drei Männer und  – kein Baby: Gerhard Fuchs, Wolfgang Breidbach und Michael Steindorfner  (von links) vom Deutschen Roten Kreuz  präsentieren  den Notarztwagen Foto: factum/Granville
Drei Männer und – kein Baby: Gerhard Fuchs, Wolfgang Breidbach und Michael Steindorfner (von links) vom Deutschen Roten Kreuz präsentieren den Notarztwagen Foto: factum/Granville

Kreis Böblingen - Eleni heißt der schlafende Säugling, dessen Foto den neuen Baby-Notarztwagen des Deutschen Roten Kreuz (DRK) schmückt. „Eleni verdankt dem Notarztwagen ihr Leben“, sagt Michael Steindorfner, der Präsident des DRK-Kreisverbands Böblingen.

Die Kleine wurde am 17. Januar 2014 durch Kaiserschnitt um 8.12 Uhr im Krankenhaus Leonberg auf die Welt geholt. Doch ihre Sauerstoffwerte waren schlecht. Ihre Lippen wurden blau. Der Kinderarzt entschied, das kleine Mädchen in die Intensivstation der Böblinger Kinderklinik zu verlegen. Der Baby-Notarztwagen brachte das Baby um die Mittagszeit dorthin. Die Böblinger Ärzte diagnostizierten eine Verdickung der rechten Herzkammer. Nach einigen Tagen Behandlung konnte das Kind entlassen werden. Heute ist es kerngesund.

15 Jahre hatte der bisherige Rettungswagen seinen Dienst getan. 2443 Einsätze ist er in dieser Zeit gefahren. „Er war sowohl fahrtechnisch als auch medizinisch nicht mehr auf dem neuesten Stand,“ sagt Steindorfner. Seit einigen Wochen gibt es nun einen neuen. Knapp 110 000 Euro hat er gekostet. Und er wurde ausschließlich mit Spenden finanziert. Mehrere zehntausend Euro haben auch die DRK-Ortsvereine im Altkreis beigetragen.

„Das Besondere am Fahrzeug ist der hydraulische Inkubator“, sagt der DRK-Präsident. Die Gefäße von Neugeborenen seien noch sehr dünn. „Beim Transport auf holprigen Straßen kann es daher schnell zu einer irreparablen Hirnblutung kommen.“ Der hydraulische Brutkasten jedoch federe alle Unebenheiten ab. Zum Team des Rettungswagen für Säuglinge gehören neben einem Rettungssanitäter und -assistenten auch ein Kinderarzt und eine Kinderkrakenschwester. Stationiert ist das Fahrzeug im DRK-Rettungszentrum Sindelfingen, unterwegs aber im gesamten Kreis und bei Bedarf auch darüber hinaus.

Der alte Baby-Notarztwagen wird nicht verschrottet, sondern nach Moldawien geschickt. Dort werde er universell eingesetzt als Rettungswagen für Kinder und Erwachsene. „In Moldawien werden im Moment die Kranken zumeist auf schlechten Straßen mit Lastwagen zum Krankenhaus transportiert. Da ist unser altes Fahrzeug eine enorme Verbesserung“, sagt Wolfgang Heubach, der DRK- Pressesprecher.

Mehrere Tausend Spender hätten den Kauf des neuen Baby-Notarztwagens ermöglicht, sagt Steindorfner, darunter auch Großspender wie der DRK-Ortsverein Höfingen mit 20 000 Euro, die Daimler AG (12 000 Euro), die Vereinigte Volksbank (10 000 Euro), aber auch viele Kleinspender. Noch fehlen 6000 Euro, die das DRK vorgestreckt hat. Steindorfner ist zuversichtlich: „Dafür finden sich Spender.“

Mehr Autos und mehr Helfer

Aufrüstung
Der Rettungsdienst im Kreis Böblingen bekommt mehr Rettungsfahrzeuge. Das hat der Bereichsausschuss für den Rettungsdienst beschlossen, der Vertreter der Krankenkassen sowie der Rettungsdienste. Vom 1. April an wird dann am Herrenberger Krankenhaus rund um die Uhr ein Notarztwagen bereit stehen. Für das Einsatzgebiet Böblingen/Sindelfingen soll es einen weiteren Rettungswagen und einen zusätzlichen Notarztwagen geben. Außerdem erhält die Notleitzentrale von Feuerwehr und DRK noch eine weitere Stelle – auf dann 17 Mitarbeiter.

Unfallfristen
Mit dieser Aufstockung sollen die Helfer schneller am Einsatzort sein. Laut Gesetz müssen die Helfer in 95 Prozent der Fälle innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung da sein.