Mittlerweile ist die Zahl der Königspythons, die am Tälesee in Empfingen gefunden wurden, auf elf angestiegen. Foto: Jürgen Baiker/Jürgen Baiker
Nachdem am Sonntag fünf Königspythons am Tälesee gefunden wurden, ist die Zahl der Würgeschlangen mittlerweile auf elf Tiere angestiegen. Wir haben mit Ermittlern und Experten über den Fall gesprochen.
Marius Lang
11.07.2023 - 15:42 Uhr
Bis Dienstagnachmittag wurden rund um den beliebten Empfinger Badesee im Kreis Freudenstadt mindestens elf Königspythons gefunden, wie der "Schwarzwälder Bote" berichtet. Zwei der Schlangen waren zum Zeitpunkt des Fundes bereits tot. Den anderen Schlangen geht es den Umständen entsprechend gut. Warnschilder sind mittlerweile in Ufernähe des Sees zu finden.
Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner war zwischenzeitlich ebenfalls am Tälesee anzutreffen. Eine Gefahr für die Bevölkerung besteht laut Truffner nicht, weswegen der Tälesee auch nicht gesperrt wurde.
Polizei ermittelt wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz
Mindestens eine der Schlangen war in einen Bettbezug eingewickelt und so in den Tälesee geworfen worden. Ob das Tier, das sich noch in dem Bezug befand, bereits tot war oder im See ertrunken ist, ist noch unklar.
Die Polizei ist eingeschaltet und ermittelt wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz. „Die Ermittlungen werden durch den Arbeitsbereich ’Gewerbe und Umwelt’ am Standort Freudenstadt geführt“, teilte Christian Koch vom Polizeipräsidium Pforzheim auf Anfrage unserer Redaktion mit. „Selbstverständlich ist von besonderem Interesse, wie die Tiere an den See gelangten“, so Koch weiter. „Zudem finden Untersuchungen der aufgefundenen Tiere statt.“ Die toten Tiere wurden dazu an das Veterinäramt in Fellbach überführt.
Auch Empfingens Bürgermeister Ferdinand Truffner war am Tälesee anzutreffen und stand zu den Schlangen Rede und Antwort. Foto: Jürgen Baiker
Mit normalerweise zwischen 0,8 und 1,6, in einigen Fällen bis zu zwei Metern Körperlänge und einer Vielzahl an unterschiedlich gezüchteten Farben und Musterungen sind Königspythons beliebte Terrarientiere. Das weiß auch Stefan Broghammer, Reptilienzüchter und -händler aus Villingen-Schwenningen. Der Schlangenexperte hatte zuletzt mit seiner zweiköpfigen Schlange, ebenfalls eine Königspython, Schlagzeilen gemacht.
Schlangenexperte sieht keine Gefahr für Badegäste
Auch Broghammer sieht keine Lebensgefahr, die von den Schlangen ausging: „Königspythons beißen von Natur aus nur bei allergrößter Belästigung“, erklärt er, fügt jedoch hinzu, dass der „Biss von einem ausgewachsenen Tier schmerzhaft ist und blutet“, vergleichbar mit dem Biss einer Katze oder eines kleinen Hundes. Pythons sind ungiftig, „würgen“ könne diese Art uns Menschen nicht.
Weshalb die Schlangen ausgesetzt wurden, ist noch nicht klar. Tierschützerin Jacqueline Diessner vom Tierschutzverein Horb kann auch nur Mutmaßungen anstellen. Kosten für das Futter oder die steigenden Energiekosten, möglicherweise hat die Familie nicht mehr mitgespielt. Sicherheit kann, wenn überhaupt, nur die Klärung des Vorfalls bringen.
Schlangen wären am Tälesee garantiert alle gestorben
Stefan Broghammer kann sich das Aussetzen der Tiere mit „Dummheit“ erklären: „Die Problematik ist seit Jahren bei Hund, Katze und so weiter bekannt. Es gibt leider immer noch dumme Menschen“, sagt er und fügt hinzu: „ Verkaufen auf die Schnelle kann schwierig sein. Aber zumindest verschenken oder zur Not mit einer entsprechenden (Futter-) Spende an eine Auffangstation oder einen Händler abgeben sollte eigentlich immer gehen.“
Warnschilder am Badesee machen Besucher auf die Reptilien aufmerksam – Gefahr besteht für Badegäste kaum. Foto: Jürgen Baiker
In unseren Breitengraden wären die Tiere dem Tod geweiht gewesen. „Bei der aktuellen Hitze hätten die Schlangen sich vielleicht gerade noch so versorgen können. Aber unser Klima ist für die Tiere doch zu kalt. Königspythons brauchen am Tag 30 bis 32 Grad und vor allem auch in der Nacht 25 bis 26 Grad. Das haben wir hier einfach nicht.“ Ein Trauma vom Aussetzen würden die Tiere aber – glücklicherweise – nicht davontragen. „Reptilien sind ja viel primitiver als Säugetiere. Daher nehmen sie da zumindest geistig keinerlei Schäden.“
Polizei bittet um Mithilfe bei Suche nach dem Täter
Vorerst kümmert sich Jacqueline Diessner um die Schlangen. Anschließend wandern die Tiere in Auffangstationen. Bei der Sichtung weiterer Schlangen bitten die Behörden darum, umgehend die Mitarbeiterin des Tierschutzvereins unter der Nummer 0151/56268777 zu kontaktieren.
Das Aussetzen der Schlangen ist eine Straftat. Hinweise zum Täter nimmt die Polizei unter der Nummer 07451/960 oder per E-Mail an horb.prev@polizei.bwl.de entgegen.