Kreis Göppingen Katholiken rücken zusammen

Von Philipp Braitinger 

Es gibt zu wenig Priester und zu wenig Gottesdienstbesucher

Auch in der katholischen Kirche St. Maria in der Göppinger Ziegelstraße sind die fast 500 Besucherplätze nur noch in absoluten Ausnahmefällen belegt. Foto: Horst Rudel
Auch in der katholischen Kirche St. Maria in der Göppinger Ziegelstraße sind die fast 500 Besucherplätze nur noch in absoluten Ausnahmefällen belegt. Foto: Horst Rudel

Göppingen - Zurzeit betreuen die beiden katholischen Pfarrer Stefan Pappelau und Felix Dolderer bereits acht Kirchengemeinden, die auch noch über zwölf unterschiedliche Orte verteilt sind. „Man merkt, das es so nicht mehr funktioniert. Wir machen vieles provisorisch“, gibt Pappelau zu. Jetzt wird darüber nachgedacht, wie die katholischen Kirchengemeinden in Göppingen und ihre „Außenstellen“ in Bartenbach, Hohenstaufen, Schlat und Hattenhofen zusammengeschlossen und damit straffer organisiert werden können. Den Auftrag dazu erhielten die Kirchengemeinden von der Diözese Rottenburg-Stuttgart.

Es gibt zu wenig Priester und zu wenig Gottesdienstbesucher

Ob am Ende aus den drei Seelsorgeeinheiten eine oder zwei werden, ist noch offen. Fest steht laut Pappelau hingegen, dass es dauerhaft nur noch zwei Pfarrstellen geben wird. Nachdem Sven Jast im Juli als Pfarrer der katholischen Gemeinden Bezgenriet, Jebenhausen, Faurndau und Hattenhofen ausgeschieden sei, werde für ihn kein Ersatz mehr kommen, was im Wesentlichen zwei Gründe habe.

Einerseits gebe es zu wenige Priester, die vakante Pfarrstellen übernehmen könnten, andererseits sinke die Zahl der Gottesdienstbesucher in Göppingen seit Jahren kontinuierlich, sagt Pappelau. Allein seit der Jahrtausendwende sei die Zahl der regelmäßigen Gottesdienstbesucher um fast die Hälfte geschrumpft. Jährlich sinke die Zahl der hiesigen Kirchenmitglieder um etwa ein Prozent. Derzeit zählten noch rund 16 000 Katholiken zu den acht Kirchengemeinden.

Gebäude werden überflüssig

Der Mitgliederschwund hat viele Folgen, etwa für die Immobilienstruktur. „Einige Gebäude sind einfach überflüssig“, sagt Pappelau. Hinzu komme, dass viele Häuser dringend saniert werden müssten. „Das ist mit unglaublichen Investitionen verbunden“, erklärt der 46-Jährige.

Der Auftrag zum Zusammenschluss kam für den Pfarrer, der seine Stelle in Göppingen erst im vergangenen Jahr angetreten hatte, vor diesem Hintergrund nicht allzu überraschend. Was ihn jedoch überrascht habe, sei, dass der Auftrag so schnell gekommen sei.

Schmerzliche Prozesse für die Gemeinden

Wichtig ist ihm, dass mit dem nun begonnenen Prozess Strukturen geschaffen werden, die wieder mehr Gestaltungsfreiheit lassen. „Wir werfen überflüssigen Ballast ab, um neue Ideen zu bekommen“, bringt der Geistliche es auf den Punkt. Derzeit arbeiten drei Projektgruppen daran, wie eine Zusammenlegung erfolgen könnte. Inhaltlich befassen sich die Projektgruppen mit den Themen Immobilien, Zusammenarbeit und Gottesdienste. Bis zum Ende des Jahres, spätestens im Frühjahr sollen die ersten Ideen spruchreif sein, hofft Pappelau. Einige Dinge, wie der Gottesdienstplan, könnten schnell verändert werden. Anderes, wie etwa die Frage zu den Immobilien, brauche mehr Zeit.

Dass der Auftrag der Diözese auch Unmut unter den Kirchengemeindemitgliedern ausgelöst hat, hält Pappelau für verständlich. „Das ist nur menschlich, es tut den Leuten weh“, sagt er. Immerhin gehe es um Einrichtungen und Strukturen, die viele Jahre oder Jahrzehnte Bestand hatten. „Es ist eine schmerzliche Zeit. Aber eigentlich versprechen wir uns etwas gutes Neues davon.“

Die Konkurrenz schläft nicht

Immerhin biete ein Zusammenschluss auch Chancen für die zukünftige Gemeindearbeit. Wenn wieder mehr Besucher zu den einzelnen Gottesdienste kämen, ließe sich die Qualität der Gottesdienste steigern. „Im Moment verschleiße ich mich in der Fläche“, beschreibt Pappelau den Status quo. Viel Zeit würde bei einem Zusammenschluss ferner durch eine einfachere Verwaltungsarbeit gespart. Es bliebe mehr Raum für die Arbeit mit den Gläubigen direkt, was auch nötig sei. „Ich muss gute Angebote machen. Sonst schauen die Leute eben lieber Netflix. Die Konkurrenz schläft nicht“, weiß Pappelau.