Landesweit gibt es im Kreis Ludwigsburg die größte Population des seltenen Steinkauzes. Forscher nutzen das, um herauszufinden, wie er besser geschützt werden kann.

Regionales: Karen Schnebeck (ks)

Oberriexingen - Als der Oberriexinger Herbert Keil vor 25 Jahren angefangen hat, sich für den Schutz des Steinkauzes im Kreis Ludwigsburg zu engagieren, gab es nur noch acht Brutpaare der stark bedrohten Minieule, heute sind es 220. Die Population im Kreis ist damit die größte in Baden-Württemberg und ein Beispiel für gelungenen Artenschutz, das nicht nur Naturschützer aus den angrenzenden Kreisen, sondern auch Forscher aus der Schweiz, wo es die Käuze kaum noch gibt, aufgegriffen haben. Sie kooperieren mit Keil und seinen Mitstreitern und profitieren von deren Erfahrungen. Jüngst hat Keil die aktuellen Ergebnisse vorgestellt.

Die wichtigste Erkenntnis: der Straßenverkehr ist für den Steinkauz weniger gefährlich als bisher befürchtet. Der größte Feind des Vogels ist nicht das Auto, sondern der Fuchs. Auch Mäusebussard und größere Eulen dezimieren die Bestände. Mehr als die Hälfte der Totfunde im Kreis geht auf ihr Konto. Von Autos wurden hingegen nur fünf Prozent der Käuze getötet.

Die Eule jagt meist am Boden – und endet als Mahlzeit

Der nur etwa 20 Zentimeter große Vogel fällt häufig Füchsen zum Opfer, weil er selbst zu Fuß jagt. Einen großen Teil seiner Beutezüge nach Mäusen und dicken Käfern erledigt er am Boden – und endet dabei oft selbst als Mahlzeit. Die Erkenntnisse verdanken die Forscher Minisendern. Im Rahmen von Keils alljährlicher Beringungsaktion haben sie 300 Jungvögeln damit ausgestattet. Bei der nächsten Aktion Ende Mai, sollen auch einige Altvögel einen Sender auf den Buckel geschnallt bekommen.

Durch die so genannte Telemetrie konnten die Forscher auch die Wanderungen der flügge gewordenen Jungvögel verfolgen und sehen, wo sie sich zum Brüten niederließen. Die Erkenntnisse bestätigten, was Keil auch schon zuvor gewusst hatte: Die Jungvögel gehen zwar ein Weilchen auf Wanderschaft, doch zur Balz kehren sie in die Nähe des Platzes zurück, an dem sie ausgebrütet wurden. „Deshalb ist es so wichtig, die einzelnen Brutgebiete miteinander zu vernetzen“, erklärt Keil.

Tiere bevorzugen unaufgeräumte Gärten mit Verstecken

Insgesamt haben die Tierschützer im Lauf der Jahre rund 700 Kästen für Steinkäuze im Kreis aufgehängt und so mit der Zeit Korridore zwischen den verschiedenen Brutgebieten geschaffen. Die Tiere wissen das zu schätzen, denn sie nutzen die Kästen nicht nur als Bruthöhlen, von denen es in der Natur häufig nicht mehr genügend gibt, sondern auch als Depots für Beute und als Zweitwohnung, wenn sie sich während der Aufzucht der Jungen mal von ihrem anstrengenden Job erholen müssen.

Für Bürger, die dem gefiederten Weisheitssymbol Gutes tun wollen, hat Keil vor allem zwei Tipps parat: Wassertonnen in Gärten sollten stets abgedeckt werden. Denn es komme recht häufig vor, dass die Käuze in Wasserfässern ertränken. Außerdem sollten sich Gartenbesitzer und Eigentümer von Streuobstwiesen nicht allzu schwäbisch verhalten. „Man sollte gucken, dass auch etwas Gerümpel herumliegt, Laub oder ein Holzhaufen zum Beispiel“, erklärt Keil. Wer seinen Garten blitzeblank halte, der bringe die Minieulen um ihre Verstecke und mache sie zu leichter Beute für größere Räuber. Naturschützern aus anderen Landkreisen, die den Steinkauzbestand ebenfalls voran bringen wollen, rät Keil: „Nicht lange forschen, sondern machen“, und meint damit vor allem das Aufhängen von Nisthöhlen.

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