Kreis Ludwigsburg Gemeinderäte favorisieren die Hochflurbahn

Von Julian Illi 

Der Gemeinderat in Remseck hat sich in der Debatte um die Stadtbahn im Kreis Ludwigsburg deutlich positioniert: die Räte sprachen sich einstimmig für eine Variante mit den üblichen SSB-Hochflurbahnen aus.

Deutlich Kritik übten die Remsecker Gemeinderäte (hier das Rathaus in Neckarrems) an den Plänen der Ludwigsburger Kollegen. Foto: Pascal Thiel
Deutlich Kritik übten die Remsecker Gemeinderäte (hier das Rathaus in Neckarrems) an den Plänen der Ludwigsburger Kollegen. Foto: Pascal Thiel

In seltener Einigkeit hatte sich der Ludwigsburger Gemeinderat unlängst positioniert: Sollte je eine Stadtbahn durch die Innenstadt fahren, könne es sich dabei nur um eine Niederflurbahn handeln, wie sie beispielsweise in Karlsruhe verkehrt. Hochflurfahrzeuge, wie sie die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) in der Region nutzen, seien im barocken Ambiente von Ludwigsburg nicht denkbar, hieß es im Rat.

In seltener Einigkeit präsentierte sich am Dienstag auch der Remsecker Gemeinderat beim Thema Stadtbahn: allerdings in konträrer Meinung zu den Ludwigsburger Kollegen. Man befürworte die Untersuchungen zur Stadtbahn im Landkreis – und spreche sich für eine Durchbindung mit SSB-Fahrzeugen zwischen Aldingen und Markgröningen aus. So steht es in einem Statement, dass die Räte einstimmig verabschiedeten. Vor allem im Hinblick auf die bestehende Stadtbahnlinie nach Neckargröningen sei die Variante mit Hochflurfahrzeugen die bessere.

Kritik aus allen Fraktionen

Begleitet wurde der Beschluss des Papiers von teils deutlicher Kritik an der Haltung der Ludwigsburger Räte. Die städtebaulichen Vorbehalte gegen eine Hochflurbahn seien eine reine Nabelschau der Kreisstadt, sagte der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Gerhard Waldbauer. Die Variante mit Hochflurbahnen sei nicht nur realistischer, sondern auch für die anderen Kommunen im Landkreis besser. „Die Ludwigsburger müssen da auch ihrer Verantwortung gegenüber dem Kreis nachkommen“, sagte Waldbauer. Der Fraktionsvorsitzende der CDU, Steffen Kirsch, äußerte sich ähnlich: „Ludwigsburg muss auch den Kreis im Blick haben.“ So sei vor allem die Sogwirkung mit einer mit der SSB kompatiblen Stadtbahn für den Landkreis nicht zu unterschätzen, sagte Kirsch.

Ein Insider bezog noch deutlicher Position: Es sei in der Arbeitsgruppe der Dezernenten vereinbart worden, dass man erst dann über ein System für die Bahn spreche, wenn die verschiedenen Varianten komplett, und zwar mit Betriebskosten, durchgerechnet seien. Das Votum der Ludwigsburger für die Niederflurbahn werte er als Versuch, das Thema Stadtbahn „auf dem kalten Weg zu beenden“.

Machbar sind beide Varianten

Die Remsecker Verwaltung machte sich am Dienstag ebenfalls für die Variante mit SSB-Fahrzeugen stark. Ein Umstieg zwischen den Systemen, wie er bei einer Bahn mit niedrigen Bahnsteigen nötig sei, könnte für viele Passagiere ein Hemmschuh sein, sagte der Erste Bürgermeister Karl-Heinz Balzer. Oberbürgermeister Dirk Schönberger sagte: „Wir haben einen Betriebshof der SSB in Aldingen – für uns ist die Hochflurvariante klar besser.“

Laut einer Studie des Planungsbüros Intraplan Consult, die Ende Januar vorgestellt wurde, sind beide Varianten für eine mögliche Stadtbahntrasse im Landkreis Ludwigsburg technisch möglich. Die Variante mit Niederflurbahnen, die keine erhöhten Bahnsteige voraussetzen, schnitt in der Kosten-Nutzen-Rechnung sogar etwas besser ab als die Variante mit den üblichen Bahnen der SSB.

Die Lösung mit Hochbahnsteigen und SSB-Fahrzeugen wird aber nicht nur in Remsecker Rathaus bevorzugt: Auch Landrat Rainer Haas sprach sich immer wieder für die Hochflurbahn aus. Er befürchte, dass eine Niedrigflurbahn im Betrieb deutlich teurer sei, sagte Haas.




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