Kreis Ludwigsburg Vom Suchen und Finden der Marke

Von  

Ein Logo ist fast schon Pflicht. Ansonsten gibt es keinen Königsweg beim Stadtmarketing. so gehen Ludwigsburg, Gerlingen und Ingersheim auch ganz unterschiedliche Wege, um ihre Stadt als Marke zu etablieren.

Ludwigsburg will Barockstadt bleiben, aber auch andere Aspekte in seinem Stadtmarketing betonen. Das Logo, das Barock-geschwungene „L“, soll behutsam angepasst werden. Foto: dpa
Ludwigsburg will Barockstadt bleiben, aber auch andere Aspekte in seinem Stadtmarketing betonen. Das Logo, das Barock-geschwungene „L“, soll behutsam angepasst werden. Foto: dpa

Kreis Ludwigsburg - Welche Stadt nennt sich „Wein- und Museumsstadt“? Welche beschreibt sich als „Sechs Richtige“? Und wo ist „Deutschlands schönster Weinort“? Kleiner Tipp: alle sind im Landkreis Ludwigsburg. Und sie alle wollen mit markigen Schlagworten, einem Slogan, für sich werben. Nicht alle Städte und Gemeinden im Kreis haben einen Slogan oder ein eigenes Logo. Pleidelsheim, Mundelsheim und Großbottwar beispielsweise verzichten bisher auf beides. Doch immer mehr Kommunen entdecken die Vorteile einer eigenen Marke für sich und engagieren Werbeagenturen – oder entwickeln ein Konzept auf Basis einer Bürgerbeteiligung. Ingersheim beispielsweise sucht derzeit einen Slogan. Gerlingen steckt gerade mitten in einem Markenprozess. Und Ludwigsburg will sich auch neu erfinden (siehe Interview). Die Anforderungen sind vielfältig: Stadtmarketing soll die eigene Identität stärken, dabei helfen, sich von umliegenden Gemeinden abzugrenzen, es soll Handel und Gewerbe fördern und dazu noch Touristen anlocken. Und da es keinen Königsweg gibt, geht jede Kommune ihren eigenen Weg.

„Stadtmarketing ist mehr als nur Blumenkästen in der Innenstadt“, sagt An­dreas Arzt. Der Geschäftsführer einer Werbeagentur hat für die Stadt Gerlingen ein Logo mit Slogan entworfen (siehe „Eine kleine Logo-Kunde“). Es ist das erste Logo Gerlingens. Früher sei das, aufgrund des geringen Tourismus, nicht notwendig gewesen, sagt Arzt. Nicht mehr heute: „Die Gemeinden drum herum bewegen sich auch“, sagt er. Seit Jahren arbeitet die Stadt an ihrem Marketing. Im Sommer 2012 beauftragte sie eine Marktforschungsgesellschaft, eine Stadtmarketing-Konzeption auf Basis einer Bürgerumfrage zu erstellen. Das Ergebnis war ein Handbuch, das die Themen Wirtschaft, Wohnen, Einzelhandel, Nachhaltigkeit sowie Freizeit und Kultur umfasst und jetzt als Leitfaden für weitere Aktionen dienen soll. Das Logo sei dabei die „Quint­essenz“ des Handbuchs, sagt Arzt. Im Lenkungskreis Stadtmarketing, der von Mitgliedern aus Verwaltung, Gemeinderat und dem Arbeitskreis Lokale Agenda besetzt ist, werden Möglichkeiten diskutiert, wie man die Innenstadt attraktiver machen kann, beispielsweise durch ein neues Parkkonzept und eine „Gerlingen Card“.

Früher machte der Bürgermeister das Stadtmarketing

Noch geklärt werden muss, wo die Fäden des Stadtmarketings in Zukunft zusammenlaufen sollen. Im Gespräch ist ein Innenstadtverein, in dem sowohl die Stadt als auch Vertreter aus Handel und Gewerbe vertreten sind. „Bisher war Stadtmarketing immer Chefsache“, sagt Arzt. Soll heißen: der Bürgermeister war dafür zuständig, die Attraktivität der Stadt zu steigern. Arzt stellt sich jedoch einen Stadtmarketing­manager vor, der außerhalb der Verwaltung arbeitet. „Der bürokratische Weg führt doch oft dazu, dass man sich von den Nutznießern des Marketings entfernt, nämlich von Handel und Gewerbe“, sagt er.

Eine eigene Stelle für die Öffentlichkeitsarbeit von Ingersheim sei „utopisch“, sagt die Hauptamtsleiterin Carolin Breitenöder, die in der 6000-Einwohner-Gemeinde auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Ingersheim sucht derzeit einen eigenen Slogan – und zwar per Bürgerwettbewerb. Er soll identitätsstiftend für beide Ortsteile und ein Alleinstellungsmerkmal für Ingersheim sein. „Wir wollen ja nicht der Abklatsch einer anderen Kommune sein“, sagt Breitenöder.

Marketing wurde immer professioneller

Je kleiner eine Kommune sei, desto seltener verwende sie einen eigenen Slogan oder ein Logo und setze stattdessen auf das traditionelle Stadtwappen, sagt Anette Hochmuth, die Sprecherin Bietigheim-Bissingens. Das aktuelle Logo der Stadt komme seit 15 Jahren zum Einsatz. „Bei hochoffiziellen Akten ist das Stadtwappen die erste Wahl, aber für den Allgemeingebrauch setzen wir mehr auf das emotionale, weniger staatstragende Zeichen des Logos“, sagt sie. Im vergangenen Jahr war Hochmuth Lehrbeauftragte für Public Relations an der Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen in Ludwigsburg. Das Thema Standortwerbung habe sich über die letzten 50 Jahre entwickelt, erläutert sie. Während in den 50er Jahren noch vieles über persönlichen Kontakt abgelaufen sei, habe sich, parallel zur Professionalisierung der Werbung in Unternehmen, auch das Stadtmarketing zunehmend wissenschaftlicher Methoden bedient. „Heute gehört Stadtmarketing zum selbstverständlichen Kanon der Aufgaben einer Kommune“, sagt Hochmuth. Und das Logo sei das Sinnbild des Ganzen.

Ein Logo müsse konsequent eingesetzt werden, sagt Christiane Conzen, die Pressesprecherin Remsecks. „Ohne geht es heutzutage kaum noch.“ Das gelbe „R“ legte sich Remseck 2004 zu, als es Große Kreisstadt wurde. „Zu diesem Anlass wollten wir auch das Thema Corporate Identity stärken“, sagt Conzen. Einen offiziellen Slogan hat Remseck nicht. Übrigens: die am Anfang zitierten Slogans stammen aus Bönnigheim, Sachsenheim und Besigheim.




Veranstaltungen

Unsere Empfehlung für Sie