Kreistag Esslingen Das Kandidatenkarussell dreht sich
Zur Wahl des Esslinger Kreistages am 9. Juni treten 746 Bewerber an. Darunter sind erfahrene Kräfte ebenso wie Newcomer. Auch einige prominente Namen stehen auf den Listen.
Zur Wahl des Esslinger Kreistages am 9. Juni treten 746 Bewerber an. Darunter sind erfahrene Kräfte ebenso wie Newcomer. Auch einige prominente Namen stehen auf den Listen.
Am 9. Juni, dem Superwahlsonntag, stimmen die Wähler nicht nur über die Zusammensetzung des Europaparlaments, der Stuttgarter Regionalversammlung und der Gemeinderäte in den 44 Städten und Kommunen des Kreises Esslingen ab, sondern auch über die Sitzverteilung im künftigen Kreistag. So ist die Ausgangslage.
Weniger Kandidaten Vergeben werden mindestens 86 Kreistagssitze. Diese gesetzlich vorgegebene Zahl hat sich trotz des Einwohnerzuwachses im Landkreis Esslingen nicht erhöht. Die Zahl der Kreisräte kann sich durch Ausgleichssitze noch auf maximal 103 erhöhen. Dem aktuellen Gremium gehören 98 Mitglieder an. Insgesamt 746 Namen – 37 weniger als 2019 – stehen auf den Listen von Freien Wählern, CDU, Grünen, SPD, FDP, AfD und Linken sowie der Liste Engagierte Bürger, die nur im Wahlkreis Leinfelden-Echterdingen antritt. Das Kreisgebiet ist wie schon vor fünf Jahren in insgesamt 13 Wahlkreise aufgeteilt.
Gemischtes Bewerberfeld Bei der Kandidatenaufstellung waren die Parteien und Wählervereinigungen bemüht, die gesellschaftliche Breite abzubilden. So stieg der Frauenanteil im Bewerberfeld gegenüber 2019 von 31 auf jetzt 34 Prozent. Drei Kandidaten sind erst 17 Jahre alt, der älteste Bewerber ist 90 Jahre. Vertreten sind von Architekten bis Zahnärzten fast alle Berufsgruppen, aber auch Studierende und Rentner. Und vor allem Amtsträger: Knapp zwei Dutzend amtierende und ehemalige Bürgermeisterinnen und Bürgermeister stehen auf den 92 Wahlvorschlägen. Allein in den beiden Wahlkreisen Kirchheim und Weilheim treten sechs Stadtoberhäupter zur Wahl an.
Kontinuität an Fraktionsspitze Mit Bernhard Richter (Freie Wähler), Sieghart Friz (CDU), Marianne Erdrich-Sommer (Grüne), Michael Medla (SPD) und Ulrich Fehrlen (FDP) treten fünf der aktuellen Fraktionsvorsitzenden erneut an. Einen Führungswechsel wird es definitiv bei AfD und Linke geben, da Kerstin Hanske und Peter Rauscher nicht mehr kandidieren.
Abschied und Neubeginn Ein „Schwergewicht“ der CDU strebt ein kommunalpolitisches Comeback an: Der Bundestagsabgeordnete Markus Grübel will 2025 nicht mehr für einen Sitz in Berlin kandidieren. Stattdessen liebäugelt der Esslinger mit einer Rückkehr in den Kreistag, wo er bereits von 1999 bis 2002 vertreten war. Ein politisches Triple strebt der Kirchheimer Sozialdemokrat Andreas Kenner an: Seit 25 Jahren sitzt er im Gemeinderat seiner Heimatstadt, seit 2016 ist er Abgeordneter der SPD-Landtagsfraktion, nun will er auch in den Kreistag. Sein Sohn Jonas Kenner hingegen hört dort nach einer Legislaturperiode auf. Auch der Filderstädter Oberbürgermeister Christoph Traub (CDU), der 2019 die zweitmeisten Stimmen geholt hat, steht nicht mehr für den Esslinger Kreistag zur Verfügung.
Prominente Namen Im Bewerberfeld finden sich einige prominente Namen wieder: Unter anderem kandidieren Eberhard Hausmann, der scheidende Geschäftsführer des Kreisdiakonieverbandes, für die SPD, und Malteser-Geschäftsführer Marc Lippe für die CDU – beide im Wahlkreis Nürtingen. Nach der Schließung seines Modehauses strebt der Esslinger Stadtrat Alexander Kögel (Freie Wähler) nun auch einen Sitz im Kreistag an. Dort möchte künftig ebenso Yalcin Bayraktar (Grüne), der Esslinger Bürgermeister für Ordnung, Soziales, Bildung, Kultur und Sport, vertreten sein.
Blick zurück An der Kreistagswahl im Jahr 2019 hatten von den 418 911 Wahlberechtigten 245 454 Wählerinnen und Wähler im Kreis Esslingen ihre Stimme abgegeben, die Wahlbeteiligung lag bei 58,5 Prozent. Die stärkste Fraktion im Kreistag sind aktuell die Freien Wähler mit 28 Mitgliedern, gefolgt von der CDU und den Grünen mit jeweils 19 Kreisräten. Die SPD hat 15 Sitze, die AfD fünf, die FDP sechs und die Linke stellt vier Mitglieder. Zwei Kreisräte gehören keiner Fraktion an.