Kretschmann im Heurigen Digitale Zukunft unterm Zwölfender

Im Heurigen: Wolfgang Kuhn (l.), Winfried Kretschmann Foto: Lg/Willikonsky
Im Heurigen: Wolfgang Kuhn (l.), Winfried Kretschmann Foto: Lg/Willikonsky

Der Ministerpräsident hat das Maultaschen-Forum der Südwestbank beehrt. Er sprach vom Internet der Dinge und ganz konkret vom Feinstaub. Da hat er eine ganz eigene Meinung.

Lokales: Daniela Eberhardt (ma)
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Stuttgart - Das nennt man eine wahrhaft schwäbische Feier. Da wird Baden-Württemberg 65 Jahre alt – und der Landesvater stößt auf Einladung eines privaten Bankhauses an, ganz „umsonscht“. Dass der Sekt vom Weingut Bründlmayer aus Langenlois und damit unzweifelhaft aus Österreich stammte? Geschenkt. Dafür waren die Maultaschen hausgemacht, mit Teig aus der Ludwigstraße im Stuttgarter-Westen und drei verschiedenen Füllungen aus der Küche von Anne Hannich. In ihrem Wirtshaus zum Heurigen im Feuerbacher Tal war das dritte Maultaschenforum der Südwestbank, just am Landesjubiläum.

„Sie glauben gar nicht wie viele Zufälle es im Leben gibt“, meinte dazu Ministerpräsident Winfried Kretschmann. Nach zwei schwarzen Vorrednern – seinem Vorvorgänger Günther Oettinger bei der Premiere 2014 und seinem Konkurrenten ums Amt Guido Wolf 2015 – gedenke er nun, eine grüne Note ins Spiel zu bringen. Sagte der MP und wandte sich wieder seinem Tischnachbarn und Kanzleichef Klaus-Peter Murawski zu. „Wir haben einen historischen Tag erwischt“, meinte der Gastgeber und Vorstandssprecher der Südwestbank Wolfgang Kuhn. Das Datum sei dem langen Vorlauf geschuldet, er habe schon ein wenig Sorge vor einer kurzfristigen Absage gehabt. Kretschmann sei sein Wunschkandidat für die Veranstaltung gewesen, daher die lange Pause von anderthalb Jahren.

Da war wohl Kuhns Mutter nicht ganz unschuldig, die, gleichwohl Biberacherin und damit laut dem Sohn quasi per Herkunft „tiefschwarz“, über Kretschmann urteilte: „Den Mann kann mr wähla.“ Außerdem wurden die beiden, der Banker und der Politiker, auf dem Rückflug von Korea zu Skatbrüdern. „Wir haben einen nach dem anderen gedroschen“, erzählte Kuhn. Auch wenn Kretschmann lieber Binokel (schwäbisch: Benogl) spielt, „denn da musch net so viel denka“, und stolz berichtete, wie er kürzlich im Staatsministerium eine Runde gespielt und so die Späth’sche Skat-Tradition durchbrochen habe.

Start-ups sind 150 Jahre alt

Vor der illustren Runde vor allem aus der Wirtschaft – Eva Mayr-Stihl, Helmut Nanz, Hans Sommer, um nur ein paar zu nennen – im rustikalen Heurigen- Ambiente unter dem Haupt des ausgestopften Zwölfenders redete Kretschmann freilich über Ernstes: über die digitale Zukunft Baden-Württembergs. In fünf Jahren passiere so viel wie früher in Jahrzehnten, so der Ministerpräsident. Wer vorn mitmischen wolle, müsse fit sein für das so genannte Internet der Dinge. Noch seien die digitalen Weltmärkte nicht verteilt.

Seine Sicht auf Baden-Württemberg fällt gemischt aus: „Bei uns wird viel zu wenig gegründet.“ Oder vielmehr: „Wir haben viele Start-ups. Aber die die sind alle 120 bis 150 Jahre alt.“ Ziel müsse es sein, die Lust zum Neugründen zu wecken. Dazu brauche es aber auch – so Kretschmann mit strengem Blick in die Runde – mehr Risikokapitalgeber. „Sie müssen über ihren schwäbischen Schatten springen.“

Auf die Frage hin, was er gegen das miese Feinstaubimage der Landeshauptstadt zu tun gedenke, gab Kretschmann sich optimistisch: „Wir kriegen die Kurve“. Der saubere Diesel komme, er habe ihn schon Probe gefahren. Und er warnte vor einem „Panikorchester“ wegen des drohenden Fahrverbots. Es sei doch wohl hinzubekommen, 17 Tage lang mal nicht mit dem „alten Schlitten“ in die Stadt zu fahren. „Da muss man sich halt anders organisieren.“




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