Kretschmann strebt Solardachpflicht an Langer Anlauf zum großen Sprung

Winfried Kretschmann wirbt für Solardächer auf allen Häusern. Foto: dpa/Philipp von Ditfurth

Ministerpräsident Winfried Kretschmann strebt eine Pflicht für Solardächer im Bestand an. Der Mann ist hartnäckig. Oder ist es Starrsinn? Ein Kommentar.

Winfried Kretschmann hat zuletzt einige Häme einstecken müssen. Erst fand sein Bekenntnis zum Waschlappen ein, nun ja, vielfältiges Echo, dann erfuhr er für das neue Klimagesetz viel Kritik. Tenor: Der Ministerpräsident gieße großspurig Ziele in Gesetze, deren Realisierung er selbst in Zweifel ziehe.

 

Eines muss man dem Grünen-Politiker lassen: Er lässt sich nicht beirren. Auf dem Grünen-Parteitag am Wochenende holte er die Solarenergiepflicht auch für Bestandsgebäude aus dem Papierkorb. Dort war die Idee auf Druck der Landes-CDU gelandet. Aus gutem Grund, denn es gibt rechtliche und praktische Bedenken: Ist ein solcher Eingriff zulässig? Kann man Oma verpflichten, auf ihre alten Tage noch Fotovoltaik aufs Dach zu setzen? Gibt es dafür genügend Handwerker?

Kretschmann will das Thema im nächsten Jahr erneut auf die Tagesordnung setzen. Es ist wieder eine Ankündigung. Kretschmanns Starrsinn (oder Hartnäckigkeit) lässt freilich auch positiv wenden: Der Regierungschef popularisiert damit den Gedanken, dass Klimaschutz nicht nur eine staatliche Aufgabe ist. Jeder ist gefordert. Ein großer Sprung braucht einen langen Anlauf.

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