Krieg in der Ukraine Putin verhöhnt die EU

Die Staats- und Regierungschefs der EU versuchen auf dem Gipfel in Brüssel Geschlossenheit zu demonstrieren. In Fragen der Ukraine-Hilfe regieren aber Bedenken und nationale Egoismen. Foto: dpa/Geert Vanden Wijngaert

In Brüssel wird kleinlich über neue Strafmaßnahmen gegen Russland gestritten. Die Antwort des Kremls sind brutale Bombardements der Ukraine, kommentiert unser Brüssel-Korrespondent Knut Krohn.

Korrespondenten: Knut Krohn (kkr)

Die Botschaft Wladimir Putins an die EU könnte deutlicher nicht sein. Während die Staats- und Regierungschefs in Brüssel über die Finanzierung der Hilfen für Kiew zanken, startet der russische Präsident in der Nacht den größten Angriff auf die Strom-Infrastruktur der Ukraine. Besser konnte der Kreml-Herrscher seine Verachtung gegenüber dem Westen kaum zum Ausdruck bringen.

 

Wladimir Putin hat sich verkalkuliert

Putin selbst hat sich zwar grundsätzlich verrechnet, denn die EU ist nach dem Angriff auf die Ukraine vor über zwei Jahren nicht auseinandergebrochen. Im Gegenteil: die Staaten waren anfangs geeint wie nie. Doch diese Zeit der Stärke durch Geschlossenheit ist verpufft. Inzwischen führt wieder die altbekannte Kleinstaaterei das Wort. Und wenn Bundeskanzler Olaf Scholz auf dem EU-Gipfel von einem „starken Signal an Putin“ spricht, kann der Adressat im fernen Moskau nur müde lächeln – und schickt als Antwort seine Raketen in Richtung Ukraine.

Viele Reden, wenige Taten

Die Staats- und Regierungschefs betonen in ihren Reden zwar unentwegt, dass der russische Angriffskrieg die größte Bedrohung für Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges ist. Doch ihr Handeln zeugt von Ängstlichkeit und nicht von Entschlossenheit. Im vergangenen Jahr hatten die EU-Regenten dem bedrängten Kiew eine Million Schuss Artilleriemunition im Kampf gegen Russland versprochen, aber nicht einmal die Hälfte geliefert. Und auf dem aktuellen Gipfel in Brüssel verlieren sie sich im kleinlichen Streit über Sonderzölle oder der Frage, ob die Zinsen des eingefrorenen russischen Vermögens für Waffenkäufe für die Ukraine genutzt werden sollen. Geht nicht endlich ein Ruck durch Europa, heißt der Sieger dieses Krieges am Ende unweigerlich Wladimir Putin.

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