Ihr Besuch stand im Zeichen des Stuttgarter Krimifestivals „Junges Blut“, das sich an Jugendliche ab zwölf Jahren richtet. Es findet im Rahmen der elften Kinderkrimiwochen statt, die noch bis zum 17. März laufen und die Freude am Lesen vermitteln sollen. Die Stuttgarter Jugendhaus-Gesellschaft und das Stuttgarter Jugendamt haben ein Programm aus mehr als 90 Veranstaltungen auf die Beine gestellt. Kinder können Krimiautoren kennenlernen, Krimifälle lösen und an einem Seminar mit einem echten Detektiv teilnehmen. Im Zuge von „Junges Blut“ stehen unter anderem eine Schreibwerkstatt und Workshops zu Krimi-Hörspielen und Gamedesign auf dem Programm.
Jugendroman von Poznanski ist Schullektüre
Außerdem konnten sich Schulen um eine Lesung von Ursula Poznanski im eigenen Haus bewerben. Für die Deutschlehrerin Lisa Kron war klar, dass sie sich darum bemühen muss. Denn Poznanskis Jugendroman „Erebos“ wird an vielen Schulen im Unterricht gelesen, so auch am Gottlieb-Daimler-Gymnasium. „Ich dachte mir, diese Chance dürfen wir uns nicht entgehen lassen“, so Kron.
Ursula Poznanski weiß, dass ihr Buch eine beliebte Lektüre an den Schulen ist. „Möglicherweise hat man euch schon gezwungen, ‚Erebos’ zu lesen“, sagte sie zu den Schülern der Klassenstufen acht bis zehn mit einem Schmunzeln. Bei der Lesung trug sie allerdings einen Auszug aus ihrem neusten Jugendthriller „Oracle“ vor. Das Buch handelt von dem 18-Jährigen Julian, der von Visionen geplagt wird, die die Zukunft vorauszusagen scheinen.
Schüler haben viele Fragen an die Autorin
Im Anschluss löcherten die Schüler die Schriftstellerin mit ihren Fragen. Zum Beispiel: Wie sieht eigentlich der Arbeitstag einer Autorin aus? „Das kann ich mir super frei einteilen. Meistens fange ich um 9.30 Uhr an, überarbeite mein Geschriebenes vom Vortag und dann gibt es um 12 Uhr Frühstück“, schilderte Poznanski mit Humor ihren Alltag. Und nutzt sie künstliche Intelligenz für ihre Arbeit? Für ihr neuestes Buch für Erwachsene, das sich auch um das Thema KI dreht, habe sie versucht, ChatGPT ein Rätsel schreiben zu lassen. „Aber die KI hat wirklich traurige Sachen geliefert“, erzählte Poznanski. Um ihre Bücher zu schreiben, nutze sie keine Hilfe von KI.
Bei den Schülern kam der Austausch mit der Schriftstellerin gut an. Fabian, der die achte Klasse besucht, sagte hinterher: „Es ist schön, dass eine Autorin in die Schule kommt. Ich würde mich freuen, wenn das öfter wäre.“ Die Zehntklässlerin Ema fand die Einblicke in das Autorenleben und Poznanskis Buch spannend. Sie hat schon Bücher von Poznanski gelesen und wollte unbedingt bei der Lesung dabei sein, als sie erfuhr, dass die Autorin an die Schule kommt. Auch Assia aus der 9. Klasse ist ein Fan der Autorin. Nach der Lesung ließ sie sich Bücher signieren. „Das ist jetzt ein ganz besonderes Buch. Das kann man so nirgends kaufen“, sagte die Schülerin stolz.
Und wie fand die Autorin den Vormittag am Gottlieb-Daimler-Gymnasium? „Es war total schön. Die Schüler hatten tolle, originelle Fragen“, sagte Poznanski.
Die Preisträger der Stuttgarter Kriminächte
Sparda-Krimipreis
Der mit 5000 Euro dotierte Hauptpreis geht an Andreas Pflüger für seinen im Suhrkamp-Verlag erschienenen Thriller „Wie sterben geht“. Die Szenerie? Berlin, 1983: Auf der Glienicker Brücke soll ein KGB-Offizier gegen den Sohn eines Politbüromitglieds getauscht werden. Mittendrin: Nina Winter, die den KGB-Überläufer als Einzige identifizieren kann. Die Jury lobt: Pflüger schaffe es, seine „ vertrackte Spionagegeschichte wie einen Hollywood-Blockbuster aussehen zu lassen“.
RSM Ebner Stolz Wirtschaftskrimipreis
Die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung geht an Anne Freytag für ihr im dtv Verlag erschienenes Drama „Mind Gap“. Die Szenerie? Ein neuer Chip soll traumatische Kampferinnerungen löschen. Die Journalistin Silvie wird Opfer dieser Realitätsveränderungen, als es heißt, ihr Bruder habe zwei Menschen ermordet und sich in den Kopf geschossen. Die Jury lobt: Freytag halte „die Leserinnen atemlos in Bann“.
Thalia Debütkrimipreis
Der mit 1500 Euro dotierte Preis geht an Yasmin Sibai für das in der Frankfurter Verlagsanstalt erschienene Werk „Punked“. Die Szenerie: In den 1990ern war Bey Bassistin in einer Punkband. Nun ist sie Architektin und lebt in Holland am Deich – bis die Vergangenheit in ihr neues Leben bricht. Die Jury lobt: „Rasanter Roman. Unbedingt Lesen!“.
Politkrimipreis der Heinrich-Böll-Stiftung Baden-Württemberg
Die mit 1500 Euro dotierte Ehrung geht an Horst Eckert für das im Heyne Verlag erschienene „Macht der Wölfe“. Die Szenerie? Die Bundeskanzlerin wird erpresst, eine rechtskonservative Bewegung bringt sich in Position. Die Jury lobt: „Ein Roman, aktueller als wir uns das wünschen.“