Kriminalität auf den Fildern Mutmaßliche Rezeptfälscher in Haft

Gefälschte Rezepte sind kein Kavaliersdelikt, betont der Polizeisprecher Martin Raff. Foto: dpa/Monika Skolimowska

Die Tatverdächtigen haben sich zunächst eine Verfolgungsjagd geliefert, konnten dann aber doch festgenommen werden. Wir haben mit der Polizei darüber gesprochen.

Familie/Bildung/Soziales: Alexandra Kratz (atz)

Zwei mutmaßliche Rezeptfälscher sind dem Polizeirevier Filderstadt am vergangenen Freitagnachmittag in Leinfelden-Echterdingen ins Netz gegangen. Die beiden Männer im Alter von 31 und 39 Jahren befinden sich bereits in Untersuchungshaft, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Stuttgart und des Polizeipräsidiums Reutlingen.

 

Wie die Polizei berichtet sollte der Peugeot des Duos gegen 17.50 Uhr in einer in Stetten eingerichteten Kontrollstelle überprüft werden. Daraufhin beschleunigte der 31-jährige Fahrer des Wagens und flüchtete in ein nahegelegenes Industriegebiet. Dort verließen die Männer das Auto und versteckten sich unter einem geparkten Sprinter. Sie konnten von den Einsatzkräften, die umgehend die Verfolgung aufgenommen hatten, jedoch aufgespürt und vorläufig festgenommen werden.

Medikamente sollten wohl auf dem Schwarzmarkt verkauft werden

Bei den anschließenden Durchsuchungen fanden und beschlagnahmten die Beamten ein Dutzend auf nach derzeitigem Kenntnisstand nicht existente Personen ausgestellte Rezepte für ein verschreibungspflichtiges Medikament. Im Peugeot stießen die Einsatzkräfte auf mehrere ebenfalls verschreibungspflichtige Medikamente. Beide Arzneimittel waren von den Tatverdächtigen offenbar für den Verkauf auf dem Schwarzmarkt vorgesehen.

Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart wurden die beiden Männer am Samstag beim Amtsgericht Nürtingen dem Haftrichter vorgeführt, der die beantragten Haftbefehle erließ und in Vollzug setzte. Die Beschuldigten wurden daraufhin in Justizvollzugsanstalten eingeliefert. Die Ermittlungen, insbesondere zu den Absatzwegen der Arzneimittel, dauern an.

Darum möchte die Polizei keine Details nennen

Weitere Details zu dem Vorfall möchte die Polizei nicht bekannt geben. „Wir wollen den Schwarzmarkt nicht befeuern“, erklärt der Polizeisprecher Martin Raff auf Nachfrage. Denn bestimmte Medikamente seien nur für die Behandlung bestimmter Krankheiten zugelassen. „Wir wollen niemandem erklären, wofür man sie missbräuchlich verwenden kann, also niemanden auf falsche Gedanken bringen“, sagt Martin Raff. Er betont, dass gefälschte Rezepte kein Kavaliersdelikt seien. Darum würden die Beschuldigten nun auch in Untersuchungshaft sitzen.

Weitere Fälle aus der Region

Die Polizei hat es immer wieder mal mit gefälschten Rezepten zu tun. Das Polizeirevier Filderstadt und die Staatsanwaltschaft Stuttgart ermittelten vor einem Jahr wegen des Verdachts der Urkundenfälschung gegen einen 46-Jährigen aus einer Reutlinger Kreisgemeinde und einen 36 Jahre alten Mann aus Stuttgart. Laut einer Pressemitteilung vom 7. November 2022 wurde ihnen vorgeworfen, rund ein Dutzend Medikamentenrezepte gefälscht und diese anschließend bei Apotheken in Filderstadt und Stuttgart eingelöst zu haben.

Nur einen Tag später, am 8. November, veröffentlichte das Polizeipräsidium Reutlingen eine Pressemitteilung, wonach sich ein 34-Jähriger und seine 29-jährige Lebensgefährtin aus Reutlingen wegen unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln und Urkundenfälschung verantworten mussten. Ihnen wurde vorgeworfen, gestohlene Blankorezepte in der Rauschgiftszene verkauft zu haben. Zudem sollen sie Rezepte auch selbst gefälscht und diese zumindest teilweise auch selbst eingelöst und mit den erlangten Medikamenten gehandelt haben.

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