Krippenlandschaft in Neuhausen Holzfiguren erzählen vom Leid der Flucht
Mit einer großen Krippenlandschaft ermöglicht Wolfgang Jaudas in der Liebfrauenkapelle ein besonderes Erlebnis zur Weihnachtszeit. Der Neuhausener bietet auch Führungen an.
Mit einer großen Krippenlandschaft ermöglicht Wolfgang Jaudas in der Liebfrauenkapelle ein besonderes Erlebnis zur Weihnachtszeit. Der Neuhausener bietet auch Führungen an.
Neuhausen - Sichtlich amüsiert nimmt Thomas Haisch eine der Figuren aus der Krippenlandschaft in der Liebfrauenkapelle in Neuhausen. „Das bin ich“, verrät der Vorsitzende des Männergesangvereins, der im Chor „Feuchtes Eck“ singt. Der Sänger mit dem Notenblatt, geschnitzt aus Zirbelkiefer, hält die eine Hand lässig in der Hosentasche. Das ist das Markenzeichen des Vereinschefs, der tatkräftig beim Aufbau der Krippenlandschaft in der Kapelle aus dem 15. Jahrhundert geholfen.
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Initiator des schönen Projekts der katholischen Kirche in der Weihnachtszeit ist Wolfgang Jaudas. Er bringt sein handwerkliches Talent in den Aufbau der Krippenlandschaft ein. „200 Stunden habe ich mindestens daran gearbeitet“, sagt Jaudas. Auch seine Frau Annette und der Enkel Gabriel haben ihn unterstützt. Dass nun täglich von 10 bis 18 Uhr so viele Menschen in die Kapelle kommen, um das Kunstwerk zu sehen, das macht den Senior glücklich. Sowohl Kinder als auch Erwachsene erfreuen sich an der Krippe. Neben dem klassischen Motiv mit Josef und Maria, dem Jesuskind und den Heiligen Drei Königen aus dem Morgenland haben Jaudas und sein Team die Motive Jahr um Jahr erweitert. „Damit haben wir eine alte Tradition aufgegriffen“, bringt Wolfgang Jaudas sein Konzept auf den Punkt.
In der Adventszeit kommt Woche für Woche ein weiterer Teil mit neuen Motiven zu der Landschaft dazu. Die Tradition hat Jaudas in dem schön bebilderten Buch „Kommt und seht. Die Krippenlandschaft, das Kirchenjahr und die Geschichte der Liebfrauenkapelle“ (Kunstverlag Josef Fink, 17,80 Euro) ausführlich beschrieben.
Seit wann gibt es Weihnachtskrippen? Die Idee hatte der Heilige Franz von Assisi. Sein Ziel war es, möglichst vielen Menschen die biblische Geschichte zu vermitteln. Er hielt im Jahre 1223 in Greccio in Italien am 25. Dezember eine Krippenfeier mit lebenden Tieren ab. In eine echte Futterkrippe ließ er ein aus Wachs geformtes Jesuskind legen. Einige seiner Anhänger stellten die Hirten dar. Maria und Josef sind bei dieser ersten Krippe noch nicht dargestellt worden. Zu dieser Mitternachtsmette in einem Wald nahe dem italienischen Dörfchen Greccio lud Franz von Assisi viele Menschen der Umgebung ein. Heute steht an dieser Stelle ein großes Krippenmuseum.
Dem Urvater der Krippen hat Wolfgang Jaudas den Franziskusturm gewidmet, den er mit einer Gruppe von Kindern aus einem Ytong-Stein gehauen hat. Auf der Hinterseite steht der Heilige und schaut auf die Krippenlandschaft. Auch Geflüchteten ist ein Bereich gewidmet. „Seit dem Zweiten Weltkrieg waren nie mehr so viele Menschen auf der Flucht wie in unseren Tagen“, sagt Jaudas. Die Krippenfiguren sollen die Betrachter zum Nachdenken über ihr Schicksal anregen. Am Rand der Krippenlandschaft liegt ein Steinhaufen. „Das ist der Schuttberg der Geschichte mit dem Sündenbock“, erklärt der Initiator. Zwischen Schottersteinen liegen Scherben aus der Römerzeit und Kacheln vom Boden der ehemaligen Pfarrkirche St. Petrus und Paulus. Außerdem hat Jaudas Steine aus den ehemaligen Konzentrationslagern Auschwitz und Birkenau mitgebracht. „Wir möchten die Menschen zum Nachdenken über den dunklen Teil der Geschichte bringen.“
Nicht immer ist es für Betrachter leicht, die einzelnen Figuren und die biblischen Motive zu entschlüsseln. Deshalb bietet Wolfgang Jaudas auf Anfrage Führungen zu der Krippenlandschaft an. Die Holzfiguren stammen aus der Werkstatt des Schnitzers Guido Hosp aus Bad Bayersoien. „Einige der Figuren hat er nach Fotos geschnitzt, die ich ihm geschickt habe“, verrät Jaudas. Die Wanderer auf einer Bergkuppe, das seien seine Jahrgangskameraden, sagt er lachend.
Die Geschichte der Krippenlandschaft zu vermitteln, das macht dem engagierten Katholiken Freude. Besonders glücklich war er über einen Besucher aus Esslingen, der mit seinem Kleinbus zur Besichtigung kam. „Er hat das Fahrzeug zum Café umgebaut.“ Damit steuert er interessante Ausflugsziele an, und lädt seine Begleiter danach zum Kaffeeklatsch ein. So macht er sich die schwere Coronazeit erträglich.
Krippenlandschaft in der Kapelle
Die Liebfrauenkapelle
Das Gotteshaus an der Bernhäuser Straße auf dem Neuhausener Friedhofsgelände ist im Jahr 1480 erbaut worden. Die Liebfrauenkapelle ist gekennzeichnet von einem schlichten gotischen Stil. Sie ist der Heiligen Jungfrau Maria gewidmet. Gestiftet hat das Bauwerk Renhard V. von Neuhausen. Das historische Gebäude wurde 1996 mithilfe der Neuhausener Bürgergarde umfassend saniert.
Weihnachtskrippe
Täglich von 10 bis 18 Uhr ist die Liebfrauenkapelle auf dem Friedhof geöffnet. Dann haben Besucherinnen und Besucher die Möglichkeit, die Krippenlandschaft auf Abstand zu besichtigen. Auf Wunsch bietet Wolfgang Jaudas Führungen an, um die zahlreichen Motive zu erläutern – das geht allerdings nur nach vorheriger Anmeldung. Die Absprache ist unter 0 7158/48 75 möglich.