Der „Sprachnavigator“ des Westdeutschen Rundfunks (WDR) ist eine Art Handreichung für Nachrichtenmacher. Einmal im Monat gibt der Newsletter Ratschläge für eine gute Wortwahl: er schärft das Bewusstsein für problematische Begriffe und empfiehlt bessere Alternativen. Nun haben die Verfasser eine Wortschöpfung aus Baden-Württemberg als Negativbeispiel aufgespießt: den von der grün-schwarzen Koalition geplanten „Mobilitätspass“. Es sei schon eine besondere „Schönfärberei“, spotten sie, ausgerechnet eine Zwangsabgabe so zu benennen.
Mobilitätspass – dahinter verbirgt sich das Vorhaben, den Kommunen eine neue Geldquelle für den Nahverkehr zu erschließen. Von den Bürgern sollen sie unterm Strich Millionen einsammeln können, um das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbessern und das Umsteigen auf Bus und Bahn zu befördern. Ein „persönliches ÖPNV-Guthaben“ in gleicher Höhe könnte dann beim Kauf von Zeitkarten eingelöst werden. Vor allem Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) treibt das Projekt voran, die Landtags-CDU steht eher auf der Bremse. Ob es tatsächlich kommt, erscheint derzeit fraglich.
Hermann lässt die Kritik nicht gelten
Handelt es sich beim „Mobilitätspass“ um eine sprachliche Mogelpackung? Soll der „grandiose Kunstbegriff“ verschleiern, dass die Bürger zur Kasse gebeten werden? Das Ministerium von Herrmann lässt die WDR-Kritik nicht gelten: Der Begriff bedeute, „dass die Menschen, die etwas bezahlen für besseren ÖPNV, auch etwas bekommen“, betont ein Sprecher. Man lade sie ein, das Guthaben zu nutzen. Von Schönfärberei könne mithin keine Rede sein. Anders als im Newsletter vermutet habe die Staatskanzlei aber nichts mit dem Begriff zu tun: Er sei vom Ministerium mit Verkehrsexperten entwickelt worden.