Kritik in Böblingen am Sicherheitskonzept Gewitter und Schlägerei bei Mallorca-Party auf dem Flugfeld

Bei der „Mallorca Total“-Party mussten gegen 14 Uhr erst mal alle Gäste das Gelände verlassen, das aufgrund eines nahenden Unwetters vorübergehend geräumt wurde Foto: /Stefanie Schlecht

Zweimal Platzräumung, Schlägerei und Sachbeschädigung: Rund um das „Mallorca Total“-Festival auf dem Böblinger Flugfeld gab es am Samstag viel Ärger. Der Veranstalter spricht von höherer Gewalt, die Nachbarn kritisieren das Sicherheitskonzept.

Böblingen: Edmund Langner (edi)

Diesen Tag hatte sich Meric Arslan sicher ganz anders vorgestellt. Im Vergleich zu den bisherigen drei Auflagen von „Mallorca Total“ auf dem Flugfeld wollte der Festivalorganisator vieles besser machen: Mehr Toiletten, mehr Getränkestände und ein besseres Security-Konzept sollten den Unmut über Pannen aus den Vorjahren vergessen machen. An diesem Samstag war allerdings das Wetter der entscheidende Faktor dafür, dass diese Party gleich in mehrfacher Hinsicht ein Schlag ins Wasser wurde.

 

Als sich am Samstagnachmittag um etwa 14 Uhr schwere Gewitterwolken über dem zwischen Böblingen und Sindelfingen gelegenen Flugfeld zusammenbrauen, entscheidet Arslan, den Festplatz räumen zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt befinden sich seiner Schätzung nach rund 6500 Personen auf dem Gelände und warten auf den Auftritt von Mickie Krause. Daraus wird aber nichts mehr. Wegen seines extrem durchgetakteten Terminplans muss der Ballermann-Star nach dem für ihn vorgesehenen Zeitfenster schon wieder abreisen.

Schlägerei, Sachbeschädigung und Polizeieinsatz

Die deswegen ziemlich verärgerten und teils bereits stark alkoholisierten Festgäste verteilen sich daraufhin auf das umliegende Areal – und werden nicht zum letzten Mal an diesem Tag zu einem massiven Ärgernis für die Nachbarn. Um sich vor dem Starkregen zu schützen, suchen viele Zuflucht unter den Vordächern der Motorworld oder laufen durch die Hallen, in denen wertvolle Oldtimer und teure Autos von Luxusmarken wie Bentley oder Lamborghini abgestellt sind.

Rund eine Stunde dauert es, bis das Festival seine Tore wieder öffnet. Die Gäste hoffen, wenigstens noch ein paar andere der angekündigten Party- und Schlager-Größen wie Mia Julia, Lorenz Büffel oder Almklausi zu erleben. Gegen 18 Uhr muss Arslan die Besuchermassen aber wegen der Wetterlage erneut vom Festplatz bewegen. Ab jetzt läuft die Situation in der benachbarten Motorworld und in der Wichtel Brauerei vollends aus dem Ruder – inklusive Schlägerei, Sachbeschädigung und Polizeieinsatz.

In der Motorworld beschließt Centermanagerin Susanne Kirschbaum die Tore bereits um 18 Uhr statt regulär um 20 Uhr für Publikumsverkehr zu schließen. „So stark alkoholisierte Leute bekommen Sie nicht in den Griff. Wir haben deshalb schon bei der ersten Räumung um 14 Uhr die Polizei gerufen, um unsere Security zu unterstützen“, sagt Kirschbaum. „Die Leute wurden ausfällig, haben die Hallen vermüllt und Schachbeschädigungen angerichtet“, berichtet sie. Bei der zweiten Räumung habe die Menge dann den Wichtel gestürmt. Hier sei die Lage restlos außer Kontrolle geraten. „Die Situation war nicht mehr tragbar“, bestätigt ein Polizeisprecher. Es kam zu einer Schlägerei. Wir mussten mit mehreren Streifenbesatzungen die Gaststätte räumen.“ Diese wurde daraufhin komplett geschlossen.

„Unsere Security-Leute sind gestandene Männer. Die machen den Job schon seit zehn Jahren. Aber so etwas haben die noch nie erlebt“, erzählt die Centermanagerin. „Die hatten echt Angst vor diesem Mob.“ Ähnlich ging es dem Personal im Wichtel. „Unsere Mitarbeiterinnen waren wirklich verunsichert“, sagt Geschäftsführer Jens Täuber. Wegen der wetterbedingten Probleme macht er dem Veranstalter keine Vorwürfe. Allerdings fordere er jetzt einen „runden Tisch“ mit allen Beteiligten und er erwäge rechtliche Schritte wegen der Umsatzeinbußen, die ihm wegen der frühzeitigen Lokalschließung an einem Samstagabend entstanden seien.

Kritik am Security-Konzept

„Die Räumung ist bei vielen nicht gut angekommen“, räumt Meric Arslan ein. „Aber die Sicherheit der Gäste geht vor“, betont der Betreiber der Diskothek Benny Blanko im Sindelfinger Stern-Center – und dass er in enger Abstimmung mit dem Deutschen Wetterdienst und Ordnungsamt gehandelt habe. „Wir haben eben keinen Einfluss auf das Wetter“, sagt der Bruder des türkischstämmigen Profiboxers Firat Arslan. Dennoch stehe er zu seiner Entscheidung. Denn wenn wirklich mal etwas passiere, heiße es doch sofort: „Warum hat man nichts getan?“

Dass Arslan für das Wetter nichts kann, wird Centermanagerin Kirschbaum nicht bestreiten. Sie übt jedoch scharfe Kritik am Sicherheitskonzept der Veranstaltung, die aus ihrer Sicht nicht zum ersten Mal für Ärger im Umfeld gesorgt habe. Es habe keinen Plan dafür gegeben, was mit den Leuten passiert, wenn sie das Festgelände verlassen.

Meric Arslan weist die Kritik am Sicherheitskonzept zurück und verweist auf die von ihm beauftragte Security-Firma. Die sei dafür verantwortlich gewesen. Außerdem habe auch er wegen der insgesamt rund dreieinhalbstündigen Unterbrechung massive Umsatzeinbußen gehabt. In wieweit er den Forderungen zorniger Gäste nach Erstattung des Eintrittsgelds nachkommen kann, müsse sich deshalb erst noch zeigen.

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