Kritik am Studium in Ludwigsburg Die Beamtenhochschule wehrt sich

Von mül 

Prüfungschaos, unmotivierte Dozenten, schlechte Organisation? Die Umfrage der Steuergewerkschaft sei nicht repräsentativ, erwidert die Beamtenhochschule in Ludwigsburg.

Wehrt sich gegen Kritik nach Umfrage: Rektor Wolfgang Ernst Foto: factum/Granville
Wehrt sich gegen Kritik nach Umfrage: Rektor Wolfgang Ernst Foto: factum/Granville

Stuttgart - Die Beamtenhochschule in Ludwigsburg wehrt sich gegen Kritik nach einer Umfrage der Deutschen Steuergewerkschaft (DStG). Diese sei „nicht gerechtfertigt, durch die Umfrage nicht belegt und völlig überzogen“, betont die Hochschule in einer aktuellen Stellungnahme. Es werde der Eindruck erweckt, die Umfrage sei repräsentativ und beschreibe die Situation korrekt. Tatsächlich hätten nur neun Prozent der damals eingeschriebenen Studierenden teilgenommen. Darunter seien 91 Prüflinge, die schon gewusst hätten, dass sie die Laufbahnprüfung 2017 nicht bestanden hätten; deren Enttäuschung sei in das Ergebnis eingeflossen und habe es „verzerrt“. Auch die freien Bewertungen der Umfrageteilnehmer dürften nicht verallgemeinert werden.

Gleichwohl nehme man die Meinung der Studierenden sehr ernst, erklärte die Hochschule. Der Vorwurf, dass Prüfungssachverhalte während der Prüfung verändert worden seien, treffe zu und sei „äußerst ärgerlich“. Man kläre, wie es zu dem Fehler kommen konnte, und plane Verbesserungen, um dies künftig auszuschließen. Zugleich widersprach die Hochschule dem Vorwurf fehlender Praxisnähe. Vor allem dank der 500 nebenamtlichen Lehrbeauftragten gelinge es, „Theorie und Praxis eng zu verzahnen“. Die große Mehrheit der Dozenten leiste „exzellente Arbeit“.

Steuergewerkschaft warnt vor „Kleinreden“

Der Landesvorsitzende der Steuergewerkschaft, Markus Scholl, kritisierte Versuche an der Hochschule, „einige Punkte kleinzureden“. Es gebe dort „dringenden Handlungsbedarf“, Verbesserungen seien „ganz klar, eindeutig und unbestritten“ notwendig. Die schnelle Einberufung einer Arbeitsgruppe mit Wissenschafts- und Finanzministerium sei die richtige Reaktion und werde kurzfristig zu Ergebnissen führen. Zugleich verteidigte Scholl die Umfrage als „repräsentativ“: Von etwa 400 Angehörigen des Prüfungsjahrgangs hätten fast 60 Prozent teilgenommen. Die Ausbildung in Ludwigsburg habe einen „sehr guten Ruf“, den man verteidigen wolle, sagte der DStG-Chef. Gravierendster Kritikpunkt in der Umfrage waren die als chaotisch geschilderten Verhältnisse bei Prüfungen. Daneben wurden unmotivierte Dozenten, fehlender Praxisbezug und allgemein eine schlechte Organisation gerügt.