Kritik an Berichterstattung SWR streitet mit weiterem Rebellen

Von außen und innen in der Kritik: der Südwestrundfunk Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Ein zweiter SWR-Mitarbeiter übt scharfe Kritik an angeblich einseitiger Berichterstattung, nicht nur bei Corona. Der Sender will gegen ihn vorgehen – auch wegen eines Aufrufs zum Gebührenboykott.

Titelteam Stuttgarter Zeitung: Andreas Müller (mül)

Der Südwestrundfunk streitet erneut mit einem Mitarbeiter, der den Kurs der öffentlich-rechtlichen Sender – in der Coronaberichterstattung und generell – scharf kritisiert. Nach dem Fall des zunächst gekündigten Journalisten Ole Skambraks, der den SWR später im Wege eines Vergleichs verlassen hat, drohen jetzt auch einem seiner Unterstützer Konsequenzen.

 

Der als Sprecher tätigte Martin Ruthenberg aus Freiburg soll sich zu einem offenbar auch von ihm unterstützten Aufruf äußern, der den öffentlich-rechtlichen Anstalten Desinformation vorwirft und einen Gebührenboykott anstrebt. Andernfalls werden ihm arbeitsrechtliche Folgen bis hin zur fristlosen Kündigung angedroht. Die Klärung stockt derzeit, weil Ruthenberg länger krankgeschrieben ist.

Webauftritt als Streitpunkt

Stein des Anstoßes für den SWR ist die Plattform „Leuchtturm ARD“, die für eine grundlegende Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks eintritt. Die von einem Filmproduzenten initiierte Webseite sammelt und dokumentiert Fälle von angeblicher Desinformation durch die Sender. Zugleich soll ein Aktionsbündnis Vorschläge erarbeiten, wie die Anstalten ihrer Rolle wieder besser gerecht werden können. Dafür soll es schon mehr als 250 000 Unterstützer geben.

„Waschkörbeweise Beschwerdebriefe“

Ruthenberg soll auf Twitter Beiträge zu der Aktion geteilt haben, verbunden mit dem Appell, diese zu unterstützen. Er habe auch auf eine Vorlage verwiesen, in der man sich zum Gebührenboykott bekennen kann. Gleichzeitig sollen die ARD-Intendanten danach „waschkörbeweise mit Beschwerdebriefen“ überschüttet werden. Der SWR legt ihm dies als schwere Illoyalität aus; es gehe sogar um die Anstiftung zu Gesetzesverstößen und Ordnungswidrigkeiten. Zudem wird Ruthenberg angekreidet, dass er nicht zuvor eine interne Aussprache gesucht habe.

Eine SWR-Sprecherin sagte, man sei stets offen für konstruktive Kritik, könne den Vorwurf der einseitigen Berichterstattung aber „nicht nachvollziehen“. Derzeit befinde man sich in der rechtlichen Klärung des Sachverhalts. Da es sich um ein internes Verfahren handele, könne man dazu keine weiteren Angaben machen.

Skambraks betreibt kritische Webseite

Ruthenberg hatte früh zu den Unterstützern seines Kollegen Skambraks gezählt. Der bei SWR 2 beschäftigte Journalist hatte auf einer Online-Plattform kritisiert, die Coronaberichterstattung sei zu einseitig und regierungstreu; abweichende Meinungen würden abgewertet oder ignoriert.

Der Titel seines tausendfach geteilten und in mehrere Sprachen übersetzten Beitrages: „Ich kann nicht mehr.“

Vergleich mit Ex-Mitarbeiter

Vor dem Arbeitsgericht in Baden-Baden war es zunächst zu keiner Einigung gekommen. Nachdem sich das Gericht angesichts des Status von Skambraks als freier Mitarbeiter für nicht zuständig erklärt hatte und sich daher nicht inhaltlich mit den Äußerungen beschäftigte, schlossen beide Seiten einen Vergleich. Über dessen Inhalt wurde nichts Näheres bekannt. Inzwischen betreibt Skambraks eine Webseite namens www.meinungsvielfalt.jetzt, auf der sich Mitarbeitende kritisch mit dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk auseinandersetzen.

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