Kritik an IG-Metall-Aktionstag Metallarbeitgeber fordern Verzicht

Von  

Die Offensive der IG Metall Baden-Württemberg mit einem landesweiten Aktionstag am 22. November in Stuttgart verärgern die Arbeitgeber. Die Gewerkschaft setze die Sozialpartnerschaft aufs Spiel, warnt Südwestmetall.

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger lädt zum Protest – die Arbeitgeber sind mit seinem Vorgehen keineswegs einverstanden. Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski
IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger lädt zum Protest – die Arbeitgeber sind mit seinem Vorgehen keineswegs einverstanden. Foto: Leif Piechowski/Leif Piechowski

Stuttgart - Entrüstet reagieren die Metallarbeitgeber auf die Ankündigung der IG Metall, am 22. November einen landesweiten Aktionstag in Stuttgart zu organisieren. „Das war kein guter Auftakt für die Tarifrunde 2020“, bewertete Südwestmetall-Hauptgeschäftsführer Peer-Michael Dick gegenüber unserer Zeitung die Pläne der Gewerkschaft, gegen die vielen Sparpakete in der Automobil- und Zulieferindustrie öffentlich zu mobilisieren.

Der Arbeitgeberverband sei an konstruktiven Lösungen interessiert. „Wir sind bereit, den Wandel gemeinsam zu gestalten“, sagte Dick. „Dafür muss aber auch jeder bereit sein, Zugeständnisse zu machen – anders werden wir es nicht schaffen.“ In der Tarifrunde, die Anfang 2020 Fahrt aufnehmen wird, gehe es um mehr als einen Abschluss. „Es geht um die Zukunft der Sozialpartnerschaft“, betonte er.

„Keine Transformation ohne Verzicht“

Arbeitgeber, Arbeitnehmer und die Politik müssten sich am Wandel durch Elektromobilität und Digitalisierung beteiligen. „Ohne Verzicht wird die Transformation nicht gelingen“, mahnte der Hauptgeschäftsführer, der zu den tarifpolitischen Vordenkern auf Arbeitgeberseite gehört. Gelöst werden müssten die Probleme in den Tarifverhandlungen – Drohungen an die Mitgliedsbetriebe seien das falsche Mittel.

IG-Metall-Bezirksleiter Roman Zitzelsberger hatte in einer Pressekonferenz mit Betriebsratschefs fünf bedeutender Unternehmen gefordert, dass alle Betriebe mit den Arbeitnehmervertretern eine Transformationsvereinbarung abschließen sollen, „in der klar wird, dass die Standorte und die Beschäftigung gesichert werden“. Wer mitmache, habe die IG Metall als Partner. „Alle anderen haben Ärger“, so Zitzelsberger. Dick moniert nun: „Warum soll ein Unternehmen dann noch Mitglied in einem Arbeitgeberverband sein, wenn selbst das nicht mehr vor solchen Angriffen schützt?“ Im Sommer hatte Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger deutlich gewarnt, die Gewerkschaft riskiere den Flächentarifvertrag – was auf der Gegenseite so interpretiert wurde, als würden die Arbeitgeber mit der Abkehr von der Tarifpartnerschaft drohen.

Personalabbau „manchmal nicht anders möglich“

Laut Zitzelsberger wird derzeit in 160 Metallbetrieben im Land über Sparprogramme bis hin zum Personalabbau verhandelt. „Wirklich massiv verärgert“, so Dick, seien die Arbeitgeber wegen der Behauptung, dass Beschäftigte fahrlässig entlassen würden. In Zeiten des akuten Fachkräftemangels sei jeder Betrieb daran interessiert, seine Leute zu halten. Dies sei in der Rezession, in der sich die Metall- und Elektroindustrie befinde, nicht leicht. Wenn dann strukturelle Probleme hinzukämen, „ist es manchmal schlicht nicht anders möglich“.

Die Ursachen lägen auch in früheren Tarifrunden, „die mit hohen Abschlüssen sehr schwierige Rahmenbedingungen für die Betriebe geschaffen haben“. Nun stehe die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen am Industriestandort auf dem Spiel.