Kroatische Band Thompson in Böblingen Rockkonzert am rechten Rand

Vor dem Seaside-Club am Samstagabend: Die 400 Tickets zu dem Konzert waren in Windeseile verkauft, die überwiegend kroatischen Fans bevorzugten schwarze Kleidung Foto: Stefanie Schlecht

Der Auftritt der umstrittenen kroatischen Rockband Thompson im Böblinger Seaside-Club am Freitag und Samstag sorgt für öffentliche Empörung. Die Veranstalterin weist die Kritik von sich.

Böblingen: Jan-Philipp Schlecht (jps)

Die Schlange reicht vom Club-Eingang bis zum Elbenplatz. Nach dem ersten Auftritt der kroatischen Rockband Thompson am Freitag in Böblingen stehen die Fans sich auch am Samstag die Beine in den Bauch. Die je 400 Tickets für die beiden Auftritte sind in Windeseile verkauft. Das ist kein Wunder: In Kroatien füllt die Rockband um den Sänger Marko Perković regelmäßig große Hallen und Stadien. Doch nicht nur bei den überwiegend kroatischen Fans sorgte das seltene Gastspiel von Thompson in Böblingen für Aufruhr.

 

Der Auftritt beschäftigte im Vorfeld die überregionale Presse, Spiegel und FAZ berichteten, sogar die Neue Züricher Zeitung griff das Konzert auf. Darin wurde deutliche Kritik an dem Sänger laut, der seinen Ruhm der Kriegshymne „Bojna Čavoglave“ Anfang der 1990er-Jahre verdankt. Sie handelt von der gleichnamigen Einheit freiwilliger Kämpfer, die Kroatien im Balkankrieg gegen die jugoslawische Volksarmee und serbische Freischärler verteidigte. Der Bandname passt ins Bild: Thompson ist die Bezeichnung des von Perković verwendeten Maschinengewehrs, als er damals selbst in den Krieg zog. Seitdem wandelt der Sänger auf dem schmalen Grat zwischen volkstümlich und völkisch, gibt sich patriotisch und singt doch mit eindeutig nationalistischen Tendenzen.

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Deutliche Kritik äußerten am Freitag die Jungsozialisten im Kreis Böblingen. „Dass Thompson in Böblingen eine Bühne für seine nationalistische Weltanschauung, die mit faschistischen Anspielungen gestückt ist, erhält, ist nicht tragbar“, sagt der stellvertretende Kreisvorsitzende der SPD-Jugendorganisation, Felix Fuchs. Die stellvertretende Juso-Landesvorsitzende Hannah-Lea Braun aus Sindelfingen ergänzt: „Auch wenn er sich mittlerweile nicht mehr traut, im Ausland einen faschistischen Gruß zu Beginn seiner Konzerte zu zeigen, bleibt er mit bewusst vielen Doppeldeutigkeiten ein Hass-Sänger.“

Ustascha-Bewegung wird heroisiert, deren Gräueltaten verharmlost

Stein des Anstoßes sind Thompsons Bezüge zur faschistischen Ustascha-Bewegung, die als treue Verbündete der deutschen Nazi-Diktatur im Zweiten Weltkrieg in Kroatien ein totalitäres Regime errichtete. Diese Wiederbelebung faschistischer Strömungen entstammt der neuen kroatischen Unabhängigkeit im Jahr 1991, die stark nationale Gefühle freisetzte. Die Ustascha-Bewegung wurde heroisiert, deren Gräueltaten verharmlost, analysiert der Historiker Hrvoje Klasić im Spiegel. Ganz vorne dabei bei der Geschichtsklitterung: Marko Perković. Er machte aus seiner Ustascha-Bewunderung in den 90er-Jahren keinen Hehl, gehörte sogar der rechtsextremen Partei HSP an.

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Neben zahlreichen Bezügen in seinen Texten, grüßt er auf Konzerten in Kroatien seine Fans gerne mit dem Ruf „Za domn!“, was übersetzt „Für die Heimat!“ bedeutet. Seine Anhänger grüßen zurück „Spremni!“ – „Bereit!“. Dies war im Ustascha-Staat die offizielle Grußformel, vergleichbar mit dem Deutschen Gruß im Dritten Reich. Im Ausland vermeidet er den Schlachtruf, aus Angst um sein Image. Dieses zu reparieren, bemüht sich auch die Böblinger Konzertveranstalterin Ivana Häcker am Samstagabend.

„Ich kenne Marko Perković seit Langem persönlich“, sagt die Seaside-Betreiberin, die selbst einen kroatischen Familienhintergrund hat. Rechtsradikale Tendenzen will sie bei dem Sänger nicht erkennen, vielmehr eine ausgeprägte Heimatliebe. Die Vorwürfe der Kreis-Jusos bezeichnet sie als „böse Lügen“, will juristisch dagegen vorgehen. Als auf dem Konzert am Freitag ein Fan den faschistischen Gruß gezeigt habe, hätte Thompson den Auftritt sofort unterbrochen und das unterbunden, sagt sie.

Polizei begleitet beide Konzerte

Bei beiden Konzerten waren Polizeikräfte vor Ort, kontrollierten die Lokalität und zeigten Präsenz. Das Ordnungsamt beobachtete beide Auftritte genau und arbeitete dabei eng mit den Sicherheitsbehörden zusammen. „Wir haben von dem Konzert erst eineinhalb Wochen vorher aus der Presse erfahren“, sagt die Böblinger Ordnungsamtsleiterin Gisa Gaietto. Doch eine rechtliche Handhabe gegen den Auftritt habe die Stadt nicht: „Thompson ist nicht verboten, er darf spielen.“ Ordnungsamt und Sicherheitsbehörden wären eingeschritten, wenn es vermehrt zu verfassungsfeindlichen Gesten oder Äußerungen gekommen wäre. Das sei nicht der Fall gewesen, die Menge habe sich friedlich verhalten, sagt Gaietto.

Kurzzeitig Sprechchöre, ansonsten bleibt es gesittet

Am Samstag beginnt das Konzert verspätet, offenbar streikt das Kassensystem am Einlass. In der Schlange stehen zwei junge Frauen, die extra aus Zürich angereist sind. Ob ihnen die rechtsradikale Vergangenheit des Sängers bewusst sei? „Nöö“, sagen sie einhellig, wollen ihre Namen aber lieber nicht in der Zeitung lesen. Alles was Thompson sage, sei die Wahrheit, so ihre Meinung. Die Fans bleiben gesittet, wenngleich sich kurz nach dem geplanten Konzertbeginn um 21 Uhr erste Sprechchöre bilden. Auf einmal ertönt von einer Gruppe lautstark der Ruf: „Za domn!“ Eine andere antwortet lautstark „Spremni!“. Fünfmal geht das so, dann ebben die Rufe ab. Ein Einschreiten halten die Ordnungskräfte nicht für notwendig.

Die faschistische Ustascha-Bewegung

Gründung
Die Ustascha war laut Online-Enzyklopädie Wikipedia ein ultranationalistischer Geheimbund, der um 1930 von Ante Pavelić gegründet wurde.

Im Zweiten Weltkrieg
kooperierte die Ustascha mit den Nazis und errichtete als treuer Verbündeter in Kroatien ein Terror-Regime, das brutalen Völkermord an serbischen Minderheiten, Oppositionellen, Sinti und Roma beging.

Emblem
Das Symbol der Bewegung war ein blaues U mit Serifen, das eine brennende Granate und das rot-silberne Schachbrett des Kroatien-Wappens enthielt.

Grußformel
Der faschistische Gruß lautete „Za domn – Spremni!“ („Für die Heimat! – Bereit!“) und wurde nach der Annäherung ans nationalsozialistische Deutschland mit erhobenem rechten Arm ausgesprochen.

Nach 1990
wurde die Ustascha-Bewegung und deren Symbolik unter Staatspräsident Franjo Tuđman rehabilitiert. Das Zeigen und Äußern faschistischer Ustascha-Gesten ist im heutigen Kroatien aber äußerst umstritten und kann strafrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

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