„Innovationsmeile Küferstraße“ Händler in Esslingen wünschen sich mehr Unterstützung

Tine Bradley und Dirk Janthur sind Händler in der Küferstraße. Wie viele ihrer Kollegen wünschen sie sich mehr Frequenz in der Straße – und mehr Unterstützung seitens der Stadt. Foto: Ines Rudel

Das Projekt „Innovationsmeile Küferstraße“ geht in die nächste Runde. Die dortigen Händler begrüßen das, wünschen sich aber mehr Unterstützung für die gesamte Straße statt nur für einen Verein. Denn bislang profitiere man kaum.

Eine schmucke Altstadtgasse mit vielen ungewöhnlichen Lädchen auf engstem Raum, allesamt inhabergeführt: Die Esslinger Küferstraße mit ihrem mittelalterlichen Charme und der bunten Palette an Angeboten kommt bei Besuchern in der Regel gut an. Die Krux ist nur: Viele wissen gar nichts von der Flaniermeile in der östlichen Altstadt. Die dortigen Händler hatten gehofft, dass sich das mit dem Projekt „Innovationsmeile Küferstraße“ ändert – spüren davon aber bislang wenig.

 

Im Rathaus und im Gemeinderat sowie bei dem neuen Gründerverein Makers League gilt das Projekt indes als voller Erfolg. Ins Leben gerufen wurde die Innovationsmeile im Jahr 2019. Ziel war es, die Rahmenbedingungen für Existenzgründer zu verbessern – und gleichzeitig die Küferstraße wieder zu beleben. Dort hatten die Leerstände bei den Gewerbeflächen damals immer mehr zugenommen. Mit Veranstaltungen des neuen Gründervereins und den Nutzern der Innovationsmeile, so das Kalkül, sollte wieder mehr Leben in die östliche Altstadt einziehen. Gleichzeitig sollten Gründungswillige von der zentralen Lage der Küferstraße und ihrer Nähe zu Dienstleistern, Gastronomie, Kultur, Freizeitangeboten und zur Hochschule profitieren.

Zentrale Anlaufstelle für Gründungswillige

Fragt man die Stadt, so ist das Konzept aufgegangen. Das Makers Inn in der Küferstraße 46 habe sich zur zentralen Anlaufstelle für Gründungswillige entwickelt, das Gründernetzwerk Makers League sei inzwischen auf mehr als 70 Mitglieder gewachsen, und durch die rund 100 Veranstaltungen seit Projektstart sei der Gründergeist in Esslingen geweckt und die Innovationskraft gestärkt worden, sagt Christine Clement-Wiegand, die Leiterin des Amts für Wirtschaft. Allerdings wolle man hier nicht stehen bleiben, sondern die Innovationsmeile weiter vorantreiben.

Eigentlich wäre das zunächst auf vier Jahre angelegte Projekt Anfang 2024 ausgelaufen. Doch der Verwaltungsausschuss hat jüngst eine Verlängerung um vier Jahre bis Ende 2027 beschlossen – wenn auch aus finanziellen Gründen ohne Anmietung des Wolfstors, das bislang als Workshop- und Innovationslabor diente. Entscheidend für das Gremium war, dass die Innovationsmeile als sehr erfolgreich gilt und sich laut der Stadt dynamisch entwickelt. Zudem habe sich Esslingen einen Namen als gründungsfreundliche Stadt gemacht, man habe die östliche Altstadt beleben und den Trading-down-Effekt in der Küferstraße stoppen können.

Letzteres allerdings sieht man bei der Händlergemeinschaft in der Küferstraße etwas anders. So betonen Dirk Janthur und Tine Bradley, die als Ansprechpartner für die örtlichen Händler fungieren, dass die Küferstraße schon immer eine Topadresse mit fast ausschließlich inhabergeführten, hochwertigen und besonderen Läden gewesen sei. Zwar habe es vor einigen Jahren einen Einbruch und recht viele Leerstände gegeben. Aber die Gründe für die Geschäftsaufgaben seien kaum wirtschaftlicher, sondern fast nur privater Natur gewesen, sagt Tine Bradley, die unter anderem das Geschäft Pimpinelle betreibt. Und inzwischen habe sich das Blatt wieder gewendet: Leerstände gebe es kaum noch, die östliche Altstadt sei ein vitales Quartier voll kreativer Angebote.

Einzig die Frequenz fehle. Viele Besucherinnen und Besucher wüssten einfach nichts von der Küferstraße, vermuten Janthur und Bradley. „Die Frage ist, wie man die Leute von der Ritterstraße in die Küferstraße bekommt“, sagt Janthur, der in der Küferstraße eine Datenschutzberatung samt Arbeitsplatzvermietung betreibt. Genau in diesem Punkt hätten sich die Händler mehr von der Innovationsmeile versprochen. Doch von zusätzlichen Kunden in der Straße könne keine Rede sein – und von einer „Meile“ sei bislang auch nichts zu spüren, finden sie. „Bis jetzt geht es vor allem um das Gründerhaus“, sagt Bradley.

Gründerverein wird in Küferstraße positiv gesehen

Dass keine Missverständnisse aufkommen: Das Makers Inn sei toll, und das Projekt sehr positiv für die Straße. Aber bislang konzentriere sich die Makers League vor allem auf sich selbst. „Die Händler hier wünschen sich, dass sich der Verein mehr in der Straße einbringt und sichtbarer ist“, sagt Bradley, die sich bei rund einem Dutzend Kollegen in der Küferstraße zu dem Thema umgehört hat. „Es wäre doch toll, die Innovation hier zu erleben“, findet sie.

Immerhin versuchten die Händler schon lange, die Küferstraße zu verschönern, würden aber immer wieder von der Stadt ausgebremst – sei es durch restriktive Richtlinien oder überbordende Bürokratie. Stattdessen wünsche man sich, dass im Sinne einer „Innovationsmeile“ etwas Geld in die Verschönerung der Straße gesteckt werde. Eine kleine Förderung würde sicher ausreichen, denn Ideen und Engagement gebe es genug. „Die Stadt muss uns nur noch unterstützen“, betont Tine Bradley.

Projekt wird verlängert

Projekt
Die „Innovationsmeile Küferstraße“ wurde im Jahr 2019 ins Leben gerufen, die Projektlaufzeit war zunächst auf 48 Monate veranschlagt. Dementsprechend würde das Projekt eigentlich Anfang 2024 auslaufen. Doch der Verwaltungsausschuss des Esslinger Gemeinderats hat jüngst eine Verlängerung um knapp vier Jahre bis Ende 2027 beschlossen. Kostenpunkt: 272 000 Euro für den gesamten Zeitraum.

Entwicklung
Seit Projektstart wurden nach Angaben der Stadt rund 100 Veranstaltungen organisiert, davon etwa die Hälfte in Präsenz und die Hälfte virtuell. Zudem seien die drei zentralen Projektbausteine umgesetzt worden, nämlich die Vernetzung von Gründerinnen und Gründern, das Stellen von Räumen für die Zusammenarbeit an neuen Ideen sowie die Stärkung des Gründergeistes in der Stadtgesellschaft. Mit der Weiterführung des Projekts will die Stadt die positiven Effekte weiter verstärken.

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