Künstlerin aus Ingersheim Ihre Majestät, die Brezel-Queen
Birgit Stengel formt Brezeln aus Ton. Sie haben viele Gesichter und werden – passend – im Brezelmuseum in Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg“ ausgestellt.
Birgit Stengel formt Brezeln aus Ton. Sie haben viele Gesichter und werden – passend – im Brezelmuseum in Erdmannhausen (Kreis Ludwigsburg“ ausgestellt.
Ganz schön aufgebrezelt ist die Brezel mit dem knalligen Lippenstift und den superlangen Wimpern. Löchrig wie ein Emmentaler ist die Käsebrezel. Quadratisch, praktisch, gut die Schokoladenbrezel. Aber die ist nicht an den zu vielen Kilos schuld – sagt die Unschuldsbrezel mit Federflügelchen und Heiligenschein. Brezeln. Überall Brezeln. Zwei Dinge haben in Birgit Stengels Leben schon immer eine wichtige Rolle gespielt: die Brezel und die Kunst. Erst vor wenigen Monaten hat sie beides zusammengebracht.
Entstanden sind Brezeln aus Ton. Eine Brezel mit Hand und Fuß. Eine Brezel mit Elefantenrüsseln, eine Brezel mit Schlangenköpfen. Der Sündenfall. Manche Dinge passieren beim Brezelformen einfach. Andere Ideen ploppen im Kopf der Ingersheimer Künstlerin auf und werden sogleich in ein inzwischen schon ziemlich dickes Skizzenbuch notiert und gezeichnet.
Ton ist der Werkstoff von Birgit Stengel, seit sie, zehn- oder elfjährig, wie wohl viele andere Kinder von den Eltern in einen Töpferkurs gesteckt worden war. „Dieses Zeug hat mich nicht losgelassen“, sagt die 55-Jährige rückblickend. Weitere Kurse folgten, irgendwann kaufte sie eine alte Töpferei. Dort gab sie dann selbst Kurse. Als Birgit Stengel mit ihrem Mann in Ingersheim ein Haus baute, kam der Brennofen dort in den Keller. Hier hat sie sich auch ihr Atelier eingerichtet, in dem jetzt die Brezeln entstehen.
Immer wieder zog es die Stengels beruflich bedingt für ein paar Jahre Ausland. In die Türkei zum Beispiel. Und was vermisst der Schwabe dort? Na klar: Brezeln. Birgit Stengel ist eine Frau der Tat – sie brachte zwei Bäckern in Bursa, einer Stadt im Nordwesten der Türkei, das Brezelbacken bei.
Später, dann in Mexiko, war das nicht nötig, dort gab es eine deutsche Bäckerei. Dafür lehrte Birgit Stengel einer mexikanischen Köchin die schwäbische Küche. Käsekuchen, Sauerbraten, Linsen mit Spätzle . . . Die Ingersheimerin besuchte in Mexiko aber auch verschiedene Töpfereien und Museen, wo sie Eindrücke sammelte.
Zurück in Deutschland, war es eine Ausstellung des US-amerikanischen Künstlers Charles Fazzino, die Birgit Stengel ein Aha-Erlebnis bescherte. Das war vor einem guten halben Jahr. Ein Porzellan-Apfel faszinierte sie besonders. „Den kann ich auch“, sagte sie. Auf der Heimfahrt von Frankfurt, wo die Ausstellung war, kreisten ihre Gedanken weiter. „Schön und gut, wenn ich den Apfel machen kann. Aber das ist ja langweilig.“ Es wurde also kein Apfel. Sondern eine Brezel. Aus ihr kommen mehrere Autos. Eine Fließband-Brezel also. Passend auch insofern, als dass sie nur der Anfang von ganz, ganz vielen Brezeln war.
Birgit Stengels Ton-Brezeln waren am Anfang auch noch nicht perfekt, hat sie etwas später festgestellt, als sie einem Bäcker ihr Werk zeigte. Die Knöpfle an den Ärmchen fehlten, sagte der Fachmann. Also hatte ihre nächste Brezel Knöpfe – einen grünen und einen in türkis.
Viele der Brezeln lassen den Betrachter schmunzeln. Oder nachdenken. Eines haben sie alle gemeinsam. „Die Brezeln sind meine Kinder“, sagt Birgit Stengel. „Und wie das mit den Kindern so ist, sie wollen raus.“ Und da ist das Brezelmuseum in Erdmannhausen genau der richtige Ort für sie. Fürs erste zumindest. Denn da Kinder nach ihren Eltern kommen, dürfte klar sein, dass die Brezeln von Birgit Stengel auch einmal die Welt sehen wollen.
Aber erst einmal geht es nach Erdmannhausen. Das kleine Museum zeigt seit sieben Jahren so ziemlich alles rund um die Brezel – von der Historie bis zur Herstellung. Immer wieder wird die Ausstellung auch durch künstlerische Arbeiten bereichert, da kam die Anfrage der Ingersheimer Künstlerin und ihren Ton-Brezeln gerade recht.
Zumal Birgit Stengel auch nicht irgendwer ist. Sie ist die Brezel-Queen. Nachdem ihre Ton- und später auch Porzellan-Brezel-Produktion angelaufen war, erschien es der 55-Jährigen nur folgerichtig, sich krönen zu lassen. Das hat sie sich in den Kopf gesetzt – und dann die selbst gebastelte Krone auf den Kopf.
Die Ausstellung beginnt am Mittwoch, 18. Oktober, um 19 Uhr im Brezelmuseum in der Badstraße 8 in Erdmannhausen mit einer Vernissage. Danach ist sie zu den Öffnungszeiten des Museums, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr, zu sehen.