Seit Monaten bietet die ehemalige Ladenfläche des Nettomarktes am Rotebühlplatz täglich den selben tristen Anblick. Eine meterbreite Schaufensterfront und dahinter gähnende Leere. Kabel, die lose von der Decke hängen, ein dreckiger Boden und ein freizügiger Blick ins gesamte Innere der Ladenfläche. Der Platz vor dem Geschäft wirkt verwahrloster als sonst, an den Lettern „City Plaza“ an einer Wand fehlt das „a“, jetzt steht da nur noch „City Plza“. Und das am Eingang zur S-Bahn- und Stadtbahnstation am Rotebühlplatz, durch den täglich tausende Menschen laufen.
Bis vor wenigen Monaten war der Ort eine beliebte Anlaufstelle für unterschiedlichste Menschen. Hipster kauften dort mittags ihren Salat, Feierwütige am Wochenende günstigen Alkohol. Der Platz vor der Filiale war zudem ein beliebter Treffpunkt für Menschen aus der Trinker- und Obdachlosenszene. Im Juni hatte die Kultfiliale mit dem Spitznamen „Ghetto-Netto“ jedoch ohne Vorwarnung plötzlich schließen müssen. Auf Nachfrage unserer Zeitung bestätigt Christina Stylianou von der Netto-Unternehmenskommunikation, dass der Mietvertrag mit dem Besitzer ausgelaufen war und nicht verlängert wurde. Seitdem fragen sich viele Stuttgarter, warum sich so lange kein Nachmieter gefunden hat.
Besitzer ist das Versicherungsunternehmen Zurich
Offiziell gehört die gesamte Immobilie mit dem Namen City Plaza, in der neben verschiedenen Geschäften auch Büroflächen untergebracht sind, einem in Luxemburg ansässigen Immobilienfonds mit dem Namen REX-Germany-ZDHL S.C.S. – dessen Anteilseigner ist zu 100 Prozent die Zurich Deutscher Herold Lebensversicherung AG. Auf Nachfragen, warum die Netto-Filiale gehen musste, hält sich die Unternehmenskommunikation von Zurich zurück. „Zu Vertragsverhältnissen äußern wir uns grundsätzlich nicht“, sagt ein Sprecher des Versicherungsunternehmens.
Es liefen aber Gespräche mit namhaften „Filialisten und Einzelhändlern“, die in naher Zukunft Einzug in das Geschäft erhalten könnten. Man wolle auch weiterhin am Nutzungskonzept festhalten, in der baurechtlichen Genehmigung sei ein Nahversorger vorgesehen. Es gebe bereits entsprechendes Interesse von verschiedenen Lebensmitteleinzelhändlern. Es besteht also eine gute Chance, dass sich in dem Laden bald wieder ein Supermarkt einfindet.
Wie schwer sich die Suche nach Nachmietern erweist und warum der Laden so lange leer stand, dazu wollte sich Zurich ebenfalls nicht äußern. Die Miete sei jedoch nicht ungewöhnlich hoch. „Die Vermietung der Fläche wird zu marktgerechten Konditionen erfolgen, die unter anderem in direkter Abhängigkeit zu erforderlichen Investitionen auf Vermieterseite stehen“, so der Sprecher. Ob sich mit einem neuen Besitzer auch eine Aufwertung des in Verruf geratenen Platzes ergeben wird, das wird sich in den nächsten Monaten zeigen.